Betrachtet man die Diskussion über die Entsendung von Erika Steinbach, Präsidentin des BdV, in die Stiftung „Flucht, Vertreibung, Versöhnung“, die sich für das neue Vertriebenenzentrum verantwortlich zeichnet, so kann man natürlich denken, dass die Diskussion irgendwie schon seit der Großen Kuschelkoalition unterschwellig gärte. Jetzt gewinnt die Diskussion aber endlich mal an Fahrt, da sich die FDP (Gott segne sie) entschieden gegen eine Entsendung von Steinbach stellt. Wie kann man jemanden in eine Stiftung, die Versöhnung im Namen trägt, entsenden, der in Polen sich ausgesprochener Unbeliebtheit erfreut? Wie kann die CSU behaupten, dass das das Problem der Polen ist? Von welcher Ignoranz zeugt so ein Denken? Die Geschichte der Vertreibung ist eine deutsch-polnische Geschichte und belastet nach wie vor das Verhältnis der Staaten zueinander. Von Freundschaft möchte ich aus eigener Erfahrung nicht so gern sprechen. Viele Polen lernen aus rein wirtschaftlichem Kalkül Deutsch, stehen Deutschen allerdings sonst nicht besonders positiv gegenüber. Verständlich, dass die Aussöhnung stockt, wenn ein Großteil der polnischen Schüler Deutsch lernt, zumeist schon als erste Fremdsprache in der Grundschule, dagegen nur 1 % der deutschen Schüler einen Polnisch-Kurs besucht haben. Erika Steinbach erfreut sich in Polen keiner Beliebtheit, ob der Tatsache, dass sie damals bei einer Abstimmung über die Endgültigkeit der Oder-Neiße-Grenze zu Polen gegen dieses Gesetz stimmte. Während also polnische Politiker, die lange nicht die deutsch-polnische Grenze in Frage stellen als Rechtspopulisten verschrien sind, wird Frau Steinbach wie ein nationales Gut behütet. Den Rest des Beitrags lesen »
Steinbach und das deutsch-polnische Verhältnis
November 13, 2009 von adultoAls der Sommer ging
November 12, 2009 von adultoAls der Sommer ging, nahm er mich mit. Er flog mit mir durch die halbe Welt und machte keine Anstalten zu halten. Ich ging mit einem sommerlich sonningen Lächeln und genoß seine Anwesenheit. Der Sommer hat mich nie alleine gelassen. Zumindest mich nicht.
Du sitzt an deinem Fenster in deinen warmen Sachen und sehnst dich nach dem Sommer zurück. Als der Sommer dich verließ, warst du zwar darauf vorbereitet, aber du wolltest doch nicht, dass er geht. An dem Ort, an dem du bist, wechseln die Jahreszeiten und der Sommer kommt nur gelegentlich zu Besuch. Du, als Kind des Sommers, mit deinem sonnigen Lächeln, hast dein Lächeln verloren, denn der Winter hat deine Gesichtszüge eingefroren. Aber ob du dem Sommer eine eisige Träne nachweinst, weiss ich nicht. Ich würde es mir wünschen. Vielleicht denkst du aber auch, dass ich dir den Sommer gestohlen habe. Ich ihn fortnahm und nicht er mich. Einem von mir gestohlenen Sommer würdest du sicher keine eisigen Tränen nachweinen. Dann würdest du auch sicher nicht an deinem Fenster sitzen und an den verlorenen Sommer denken. Du wärest draußen mit deinem Sommer-Lächeln, die Kälte schmelzen und die Jahreszeiten einfach weiterfließen lassen. Den Rest des Beitrags lesen »
HY
November 10, 2009 von adultoSchon lange nix mehr über Musik geschrieben, dabei ist mir jetzt eine wirklich gute Crossover-Indie-Band mit dem Namen „HY“ unter die Finger gekommen. Natürlich sind die 5 aus Okinawa, wie soll es denn auch sein, so wurden mir letztens erstmal zwei Miss Japan (die eine war wohl sogar Miss Universe) vorgestellt, die in jüngster Zeit aus Okinawa stammen. Die Bemerkung dazu war, dass Okinawa irgendwo das exotische Japan ist und dass die Lebenseinstellung sich doch in gewisser Weise genau wie die Ausstrahlung der Menschen von Gegenden wie Tokyo unterscheidet und daher als besonders exotisch angesehen wird. „HY“ steht als Musikformation in so namhafter Gesellschaft wie „High and Mighty Color“, Amuro Namie, Kiroro oder auch Gackt. Dafür, dass Okinawa mit eine der kleinsten Präfekturen Japans ist, ist der Ausstoß an Künstlern und Berühmtheiten doch überproportional hoch. Mir ist ebenso aufgefallen, dass das typisch Okinawa-spezifische Instrument, die San-shin, sich nach wie vor doch großer Beliebtheit erfreut, was sicherlich auch mit damit zusammenhängt, dass moderne Künstler dieses traditionelle Instrument in ihre Lieder sinnvoll mit einbeziehen. Berühmtestes Beispiel ist sicher „Shima Uta“, aber auch HY bedienen sich in folgendem Lied der San-shin.
Der Spiegel
November 8, 2009 von adultoDie Sachen in meinem Schrank wirken so einsam. Ich weiss nicht genau wieso, aber es scheint, als würden sie jede Nacht weinen. Jeden Tag hänge ich sie draußen auf. Der warme Wind trocknet ihre Tränen, aber nachts hör ich aus meinem Schrank immer wieder ihr Schluchzen. Dennoch weckt es mich nicht, weil ich selber nicht die Augen schließe. Also sitze ich nachts da und tröste die durchnässten Sachen. Vielleicht wäre es einfacher sie einfach in den Trockner zu tun, aber ein Trockner kann nicht trösten. Ein Trockner kann Tränen trocknen, aber er versiegelt nicht die Quelle. Meine Sachen vermissen es gestapelt neben deinen Sachen zu liegen.
Wenn es nicht so wäre, würde meine Zahnbürste nicht so einsam dreinblicken, wenn ich sie morgens in die Hand nehme. Neben ihr ist bereits eine neue Zahnbürste, aber deine Zahnbürste scheint wohl etwas Besonderes gewesen zu sein. Mit der fremden Zahnbürste ist sie vielleicht nicht alleine, aber die Definition von Einsamkeit geht über das Alleinsein weit hinaus. Dinge sind nicht einfach nur Materie, sie sind das, was wir ihnen an Bedeutung zuschreiben, insofern ist die Welt, bist du, ist die fremde Zahnbürste viel mehr als ein Stück Materie. Ich will mir das nicht eingestehen, aber wenn ich morgens in den Spiegel sehe, sehe ich dich, obwohl oder gerade weil du nicht da bist. Dabei spiegelt ein Spiegel doch nur die materielle Welt ab. Aber in meiner Welt erscheinst du im Spiegel und legst deine Arme um meine Schulter. In meiner Welt tröste ich leblose Dinge, aber eigentlich tröste ich mich selbst. Auch meine Sachen sind nur Dinge, die etwas reflektieren, was Bedeutung trägt. Alles ist irgendwo ein Spiegel.
Mein Zimmer auf Okinawa
November 7, 2009 von adultoHeute morgen hatte ich die Schnapsidee ein Video über mein Zimmer zu drehen. ^^
Wo man auch hinsieht, überall Referate!
November 3, 2009 von adultoIch weiss gar nicht, wieviele Referate ich hier schon halten sollte und noch halten werde müssen. Da war natürlich zu allererst das Referat über selbstgewählte Nachrichten. Dann sollte ich am Montag spontan einen kleinen Vortrag über meine Reise nach Tokyo zum DAAD halten (Donnerstag soll ich mit Fotos ausführlicher berichten, was hoffentlich nur ein Scherz ist), nach dem spontanen Kurzreferat hielt ich mit Heejong noch ein Referat über die Kursreise zum Naha-Markt, wo wir allerlei lustige Sachen raussuchen mussten. Freitag soll ich dann ein Selbstvorstellungsreferat halten. Nächste Woche ein Referat über mein Forschungsthema. Wäre ich Freitag da gewesen, hätte ich noch ein Referat über sonst was halten müssen. Ich habe jetzt schon das Gefühl, dass ich hier jede Woche irgendein Referat halten darf. Da ich an die Sache aber immer locker flockig und relativ frei vorbereitet rangehe (Ohne Blätter und Memos), hält sich der Aufwand in Grenzen, der mentale Stress lässt mich in Zukunft aber sicher noch tiefer in Tabak- und Alkoholsucht abdriften.
Natsukashiness
Oktober 26, 2009 von adultoNatsukashii ist ein ziemlich japanisches Wort, beschreibt es doch ein Gefühl von Sehnsucht, das mit positiven oder auch bittersüßen Erinnerungen gefüttert sein, wobei ein Schuss Melancholie auch mal mitschwingen darf. Das ist zumindest mal meine eigenwillige Definition dieses Wortes. Das Gefühl hatte ich beispielsweise beim Empfang des DAAD, wo es schön Graubrot und Würstchen gab. Viel mehr hatte ich es aber jetzt dieses Gefühl von Natsukashiiness, als ein ganzer Schwall Erinnerungen mich zu überfluten begann. Leos kurze Mitteilung, dass Saya in Berlin sei und dort studiere, ließ mich auf eine Reise ins Jahr 2005 gehen. Eine Zeit, in der vielleicht mein Wunsch Japanisch zu studieren durch zwei Kinobesuche überhaupt erst entstand. Doch wer war eigentlich Saya? Den Rest des Beitrags lesen »
Vive la France!
Oktober 25, 2009 von adultoGestern war ja DAAD-Empfang in Okinawa und als ich dann das schöne Graubrot und die Würstchen, den deutschen Wein und die vielen Deutschen gesehen habe, überkam mich das erste Mal wirklich ein wenig Heimweh. Es war in jedem Fall ein sehr lustiges Zusammentreffen zwischen Japanern und Deutschen. Kurosawa-sensei, Deutschlehrer an der Ryukyu-Daigaku, hat dann auf meine Nachfrage auch angeboten, dass ich mir mal seinen Unterricht ansehe, weil mich echt interessiert wie Japaner Deutsch lernen. Nachdem das Büffet dann aufgebraucht war, machte ich mich mit zwei weiteren Deutschen (gut angetüdelt vom Weißwein) auf den Weg in mein Wohnheim, wo eine Willkommensparty für alle neuen Studenten stattfand. Betrunken war ich net wirklich, aber ich war ganz locker, aber das lag vielleicht an den anderen Leuten, die alle schon gut betrunken waren.
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Randomness
Oktober 24, 2009 von adultoDa sitzt man Ende Oktober auf einer kleinen Insel, schaut durch sein Mückengitter, weiß, dass die Wäsche auch im Taifun nicht trocknen wird und fragt sich manchmal, wieso man überhaupt noch T-Shirts trägt, wenn man die sowieso durchschwitzt. In Unterwäsche rausgehen traue ich mich vielleicht kurz vor meinem Abflug, aber jetzt will ich noch nichts riskieren.
Montag steht direkt mein erster Test und mein erstes Referat vor der Tür, da passt es vielleicht nicht so gut, dass nen Taifun aufzieht und heute Abend noch eine DAAD-Veranstaltung in Okinawa ist. Nächste Woche habe ich ja schon wieder eine DAAD-Veranstaltung in Tokyo, danach ist aber hoffentlich erstmal ein wenig mehr Zeit zum Pauken. Naja, wahrscheinlich eher nicht, ich lerne hier in so kurzer Zeit so viele neue Leute kennen, dass ich mich selbst wundere und es mir schwer fällt die Leute irgendwie in meinen engen Stundenplan zu pressen.
Nun ja, wenigstens habe ich damit keine Probleme. Tatsächlich ist mir in letzter Zeit aufgefallen, dass ich auf Japanisch viel offener bin als auf Deutsch. Keine Ahnung, hängt vielleicht mit den positiven Konnotationen zusammen, die ich mit der Sprache noch aus dem Sushi-Laden habe. Gestern hat mich die Neeltje, Gott sei Dank, darauf hingewiesen, dass man mit Skype auch aufs Festnetz anrufen kann, wenn man bissel was bezahlt. So konnte ich das erste Mal seit ich nach Okinawa gekommen bin, mal mit meiner Mutter reden und die ganzen Erlebnisse los werden.Heute, Montag, Dienstag und alles von Donnerstag bis Sonntag ist verplant. Gott, bin ich froh, wenn die Woche vorbei ist.
Buka Buka Cha – Okinawas Teezeremonie
Oktober 22, 2009 von adultoIm wunderbaren Kurs „Kultur Okinawas“ durfte ich dieses Mal mit meinen 60 Kommilitonen an der speziell Okinawa-Style Teezeremonie teilnehmen. Eine ziemlich interessante Erfahrung eigentlich. Der Tee war ziemlich schaumig und auch leckerer als der japanische grüne Tee. Im Prinzip dürften die Unterschiede dann aber doch nicht so groß sein. Viel wird bei diesen Dingen immer von Harmonie und so geredet. Wobei ich da vielleicht immer ein wenig kritisch bin. So Sätze wie: „Alle Leute hier sind aus verschiedenen Ländern, aber während dieses Moments verschmelzen sie zu einem harmonischen Ganzen.“ kommen bei mir nicht so gut an. Das japanische Gruppenharmoniebewusstsein ist nichts für einen pluralistisch orientierten Menschen wie mich. Die Gruppenharmonie ist für mich immer nur einen Steinwurf von Ideen wie Nation, Leitkultur, etc. entfernt. Trotz dieser kritischen Bemerkungen möchte ich dennoch behaupten, dass ich diese Teezeremonie doch sehr interessant fand und uns auch im Tatami-Zimmer des Wohnheims viel nützliches beigebracht wurde. Stand man so zum Beispiel früher auf der schwarzen Linie, die die Tatamis trennt, so drohte man als Samurai in guten alten Zeiten von unten erstochen zu werden. Nachdem ich das gehört hatte, versuchte ich natürlich den schwarzen Linien auszuweichen. Den esoterischen Teil von Harmonie, Frieden, Toleranz und so fand ich nicht so spannend wie die Süßigkeiten, die man uns zum Tee servierte. Absolut bombenlecker kann ich da nur zu kommentieren. Yonaha-sensei hat verflucht viele Bilder gemacht, weswegen ich auch ohne Kamera über einen reichen Fundus an Materialien über die Buka buka-Teezeremonie.




