“Zainichi” oder Rassismus japanischer Art

Die größte ethnische (!) Minderheit in Japan bilden Koreaner, die Nachfahren von 1910 (Annexion Koreas) bis 1945 in Japan eingewanderten oder durch Zwangsmaßnahmen (Zwangsprostitution, Zwangsarbeit) nach Japan deportierten Koreanern sind. 1945 lebten über 2 Millionen Koreaner in Japan, jedes 10. Opfer der beiden Atombomben war ein Koreaner. Das Zeichen oder die Silbe “Zai” steht für “temporär wohnhaft”. Koreaner, die in der 3. oder 4. Generation bereits in Japan leben, müssen sich also gefallen lassen als Fremde bezeichnet zu werden, die jederzeit wieder gehen können oder eher sollen. Mein absoluter japanischer Lieblingsfilm “Go” (basierend auf einem Buch Kazuki Kaneshiros) handelt von einem solchen Zainichi-Koreaner .

1986 sagte der japanische Premierminister Nagasone, die Japaner seien klüger als die Amerikaner, weil sie rassisch rein und homogen sind. Die Homogenität und “Reinheit” der japanischen Bevölkerung wird aber in neueren Studien immer wieder wiederlegt. Die Zainichi-Koreaner sind sogar eine diskriminierte Minderheit. Schlimm genug, dass sie totgeschwiegen werden und eine aggressive Assimilation stattfindet, sie werden in der angeblich homogenen Gesellschaft diskriminiert. Hier liegt eine gewisse Schizophrenie, denn wie kann eine Gesellschaft, die absolut gleich ist, jemanden diskriminieren? Homogenität ist ein Ideal der Japaner, auch wenn nicht mehr von der japanischen Herren- oder Herrscherrasse gesprochen wird, so zeigen doch solche Zitate welches Selbstverständnis vor allem ältere Japaner haben. Die Japaner als rassistisch und faschistoid zu bezeichnen ist allerdings falsch. Eine Verallgemeinerung ist nicht möglich.

So wehrt sich die japanische Freundin des Zainichi im Film “Go” gegen den Sex, als sie kurz zuvor erfährt, dass er Koreaner sei. Ihre Begründung ist krass: “Mein Vater sagt, dass Männer aus Korea und China schmutziges Blut haben.” Als der Zainichi aufgrund so einer lächerlichen Aussage lachen muss, versteht die Japanerin es erst nicht. Als sie es versteht sagt sie dennoch: “Ich kann die Vorstellung nicht ertragen, dass du in mich eindringst. Vom Kopf her verstehe ich es, aber mein Körper kann einfach nicht.”

Verwunderlich ist es nicht, in der japanischen Gesellschaft fand nie eine Aufarbeitung des Tennô-“Faschismus” (der Begriff ist mit Vorsicht zu genießen) statt, die Überlegenheit der Japaner lebt in den heutigen Köpfen fort. Japaner als einzelne Individuen sind jedoch keine aktiven Rassisten, vielmehr ist die japanische Gesellschaft gegenüber neuen und fremden Elementen absolut feindlich eingestellt. Man könnte dies als “Gruppen-Rassismus” bezeichnen, eine bestimmte Gruppe (die Zainichis) wird aufgrund des Gruppendrucks (bei den Japanern) ausgegrenzt. Streng genommen sind allerdings ein Großteil der heutigen japanischen Bevölkerung Nachfahren von Menschen, die aus Korea oder China einwanderten. (Dies lässt sich anhand von DNS-Untersuchungen beweisen.) Schrift, Kultur und Religion sind oftmals stark von Korea (als Brücke zu China) aus beeinflusst worden.

Der Film “Go” zeigt aber auch die andere Seite der japanischen Bevölkerung. Ein Polizist nimmt den Zainichi nicht fest, obwohl dieser seinen Ausländerausweis nicht dabei hatte (Strafe: 1 Jahr Gefängnis oder 120 000 Yen). Anmerkung: Nur für Ausländer besteht in Japan Ausweispflicht, dass die Koreaner in der 4. Generation noch als solche bezeichnet werden, gibt allerdings zu denken) Außerdem ruft nach 6 Monaten seine japanische Freundin an (klar, Frauen brauchen Zeit) und sie erklärt ihm bei einem Treffen, wieso sie sich in ihn verliebte und dass Name, Rasse, Volk, Nation keine Bedeutung haben.

Wenn ich zum Schluss Shakespeare zitieren darf: “Was ist ein Name? Was uns Rose heißt, wie es auch hieße, würde lieblich duften.” (Shakespeare, Romeo und Julia). Rasse, Vaterland, Nation, Name, es ist zum Kotzen, wie der Zainichi sagt. Vorurteile entstehen, wenn man nicht erkennt, dass hinter einer fremd aussehenden Schale, ein Mensch mit gleichen Gefühlen und gleichen Gedanken steckt.

3 Antworten to ““Zainichi” oder Rassismus japanischer Art”

  1. Patrick Says:

    Rassismus entsteht immer in den Köpfen der Menschen, die glauben eine erdachte physische Überlegenheit könne sie bemächtigen über andere zu urteilen, die im Endeffekt dass Spiegelbild ihrer selbst darstellen. Kurz: Wir stammen alle vom Affen ab.

  2. adulto Says:

    Problematisch ist hier, dass die Aktualität fehlt. Interessiert keinen Japaner heute, was vor paar Millionen Jahren so in Afrika rumgelaufen ist. Außerdem läuft man damit ein wenig Gefahr, dass man vom Darwinismus zum Sozialdarwinismus übergeht. Der Westen ist die Zivilisation und danach kommen alle anderen, die erst noch eine Evolution durchleben müssen. In Japan denkt man heute noch so. Das Schöne an diesem Film ist aber, dass er zeigt, dass letztendlich alles egal ist, wenn Liebe im Spiel ist.

  3. Burakumin « Adultos Blog Says:

    [...] Auf diesem Blog habe ich ja bereits dargestellt wie die Zainichi-Koreaner diskriminiert werden (hier) und in diesem Artikel erwähnt, dass sie die größte ethnische Minderheit darstellen. Wenn man [...]

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