Archiv für die Kategorie ‘Frieden’

Vor 20 Jahren

Juni 4, 2009

fand die gewaltsame Auflösung der Proteste auf dem Tiananmen-Platz in Peking statt. Erstaunlich, dass mich darauf gerade eine Chinesin gebracht hat, die nicht mal im Ausland wohnt.

tiananmen

Der Mensch ist ein soziales Tier

Mai 27, 2009

„Der Mensch ist ein soziales Tier“ ist ein Satz, den Rojo einem Kind als einen seiner ersten Sätze beigebracht hat. Seit er mir von diesem Satz erzählte, habe ich mich gefragt, was die Bedeutung dahinter sein könnte. Ich bin bis jetzt noch am Rätseln über eine klare Bedeutung und Interpretation, dennoch ist die Aussage dieses Satzes sicherlich, dass der Mensch sich von Tieren durch sein Sozialverhalten unterscheidet. Als ich auf Patas Blog folgendes Zitat von Einstein las, musste ich wieder an Rojos Satz denken:

Der Mensch erfand die Atombombe, doch keine Maus der Welt würde eine Mausefalle konstruieren.

Zu allererst hoffe ich doch, dass Herr Einstein sich selbst nicht als Alien sieht, wenn er von der Menschheit in der 3. Person spricht. Ein „Wir“ wäre meiner Ansicht nach wünschenswerter, aber genau in Einsteins Satz liegt die Essenz des menschlichen Sozialverhaltens. Die Menschheit begreift sich nicht als Menschheit. Anders als Tiere hat der Mensch einen künstlichen Begriff von Gemeinschaft geschaffen, der die Menschheit teilt und differenziert. Einstein reproduziert das mit seiner (vielleicht unreflektierten) Art von dem Menschen zu sprechen. Das impliziert einerseits eine gemeinsame Schuld der Menschheit, zugleich aber steht Einstein wie ein Außenstehender daneben und sieht sich das Ganze von außen an. (mehr…)

Artikel 9 der japanischen Verfassung oder: Pazifismuskonzept vor dem Umsturz

März 24, 2009

Artikel 9 der japanischen Verfassung. Klingt erstmal alles ganz unspektakulär. Teppei-san hat mich allerdings darauf hingewiesen, dass sich gerade bezüglich dieses Artikels gerade sehr viel tut in Japan. Artikel 9 gilt als weltweit einmaliger Versuch Pazifismus in eine Verfassung einzuschreiben. Japan wird das Recht auf jeglichen Unterhalt einer Armee untersagt, auch wird jede kriegerische Auseinandersetzung verneint. Wörtlich steht in Artikel 9:

(1) In aufrichtigem Streben nach einem auf Gerechtigkeit und Ordnung gegründeten internationalen Frieden verzichtet das japanische Volk für alle Zeiten auf den Krieg als ein souveränes Recht der Nation und die Androhung oder Ausübung von militärischer Gewalt als ein Mittel zur Regelung internationaler Streitigkeiten.
(2) Zur Erreichung des Zwecks des Absatz 1 werden Land-, See- und Luftstreitkräfte sowie andere Kriegsmittel nicht unterhalten.
(3) Ein Kriegführungsrecht des Staates wird nicht anerkannt.

Viel klarer kann man sich nicht ausdrücken, allerdings ist auch das Recht auf Selbstverteidigung in der Verfassung erwähnt. Genau dieses Recht wird seit Verabschiedung der Verfassung ad absurdum geführt. So unterhält Japan die sogenannten SDF-Truppen (Selfdenfense-Force) mit der Begründung, dass man diese Truppen lediglich zur Selbstverteidigung einsetzen darf. Die Kompetenzen dieser Truppen wurden mit einer Änderung im Zuge des Golfkrieges 1991 erweitert. So berief sich Premierminister Koizumi genau auf dieses Gesetz, dass den Einsatz an „friedenserhaltenden“ Missionen erlaubt, als er im Zuge des letzten Irak-Krieges SDF-Truppen zur „Absicherung des Friedens“ in den Irak schickte. Zuvor wurde die sogenannte Sicherheitszone kurz mal eben bis zum Indischen Ozean ausgeweitet. Es gibt also eine eindeutige Diskrepanz zwischen Realität (Japan hat den vierthöchsten Verteidigungsetat der Welt und die modernste Armee Asiens) und Verfassung, die aktuell zu einer Diskussion über eine Verfassungsänderung führt. Die Stimmung hat sich vor kurzer Zeit erstmals für die Änderung gewendet, als in mehreren Umfragen knapp über 50 % der Befragten eine Änderung befürworteten. (mehr…)

Ehrenmord oder: Die harte Seite des Multikulturalismus

März 17, 2009

Kann man von Leuten etwas lernen, die jemandem Respekt zollen, der seine Schwester wegen ihres westlichen Lebenstils auf grausame Art tötete? Viele werden meinen, dass man von solchen Leuten nichts lernen kann und das man sich nicht mit ihnen auseinandersetzen soll. Tatsächlich sagt diese Fluchtbewegung aber mehr über uns aus als über die vermeintlich archaischen, barbarischen Andersdenkenden. Neulich haben ich und Evgeny uns mit zwei solchen türkischen Freunden auseinandergesetzt, wobei Evgeny den typisch-stereotypen Part des sozialdarwinistischen Multikulturalisten einnahm, der zwar genau merkt, dass man sich mit einer anderen Meinung und Kultur auseinandersetzt, die Diskussion daraufhin aber auf eine Lehrer-Schüler bzw. West-Ost bzw. Modern-Barbar-Beziehung reduziert. Wenn ich eines aus den ganzen theoretischen Brocken, die ich bezüglich Diskurstheorie und Multikulturalismus gelesen habe, lernen konnte, dann die Tatsache, dass man mit solch einer Schiene zu nichts kommt.

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Brotherhood

Februar 19, 2009

Dieser koreanische Film, über zwei Brüder, die während des Koreakrieges eingezogen werden lief gestern spät abends in einer ARTE-Reihe zu Kriegsfilmen. (Wird heute Nacht wiederholt, wer Lust hat, kann reinsehen, lohnt sich!) Der Film zeigt keinerlei positive Seiten des Krieges. Es gibt keine einseitige positive Darstellung der südkoreanischen Armee, eher wird dargestellt, dass Süd- und Nordkoreaner absolut willkürliche Kategorien sind, weil Zwangsrekrutierungen von Zivilisten jeglichen Alters an der Tagesordnung sind. Der Film liefert bedrückende Einblicke, da er die gesamte Spanne des Krieges darstellt. Vielleicht am bedrückendsten ist allerdings ein Kapitel des Koreakriegs, welches allgemeinhin nicht oder wenig bekannt ist. Die Tötung von „Kommunisten“ durch „Antikommunisten“ an der Heimatfront. Als die südkoreanische Armee die Kommunisten mit amerikanischer Hilfe zurückschlug, gab es antikommunistische Kommandos, die Zivilisten auf offener Straße ohne Gerichtsverhandlung mit dem Vorwurf kommunistischer Agitation erschossen haben. So stirbt die Frau des Protagonisten, Grund für ihre kommunistische Parteitätigkeit war allerdings der Fakt, dass man nur für ein Erscheinen bei Parteikundgebungen Lebensmittel ergattern konnte. So wurde ihr Existenzkampf zu ihrem Verhängnis. Ein wirklich perverses Stück Geschichte. Auch sonst spart der Film nicht an Kritik, die Beliebigkeit des Tötens, die Unmenschlichkeit der Soldaten. Die Spirale der Gewalt dreht sich immer weiter und gräbt sich tief in die Psyche der Protagonisten. Brotherhood ist in jedem Fall einer der sehenswertesten koreanischen Filme und eine exzellente Nacherzählung über den Koreakrieg.

Zu Stein erstarrt

November 3, 2008

Zu Stein erstarrt, ist alles, was von uns noch war. Ich lächle auf das Grab meiner Liebe, denn ich kann sagen, dass sie in Frieden ruht. Die Stimmen der Geister verstummen und die Dämonen sind heiser, sie machen mir kein schlechtes Gewissen mehr. Sie bringen mich nicht mehr dazu vor Nervosität zu zittern. Ich bringe keine Blumen an dieses Grab, ich bringe keine Gefühle, denn die Erinnerung ist ein gravierter Stein. Es wird nichts mehr hinzugraviert. Das Moos der Zeit wird über das Grab wachsen. Niemand pflegt eine tote Erinnerung. Niemand poliert sie und denkt dauernd an sie. Sie wird einfach da sein, aber sie wird niemandem mehr etwas tun. Ohne Blumen, ohne Gefühle, ganz in Frieden wird der Stein irgendwann verfallen sein. Ich lächle vor Erleichterung. Ich erschrecke als eine Hand mich greift. Dein Lächeln und die Wärme deiner Hand und deiner Worte führen mich weg. In eine Zukunft, die auf keinem Stein graviert ist.

Sprachenpolitik nach dem Massaker in Ruanda

Oktober 26, 2008

Laut einem Artikel, der von mir augenblicklich sehr gern gelesenen JapanTimes, hat Ruanda die offizielle Schulsprache von Französisch zu Englisch gewechselt. Nun, was soll uns das stören? Die Gründe hierfür sind meiner Ansicht nach wirklich interessant. Nach dem Massaker der Hutu an den Tutsi (sehr gut aufbereitet im 3-fach Oscar-nominierten Film „Hotel Ruanda“), bei dem ca. 800 000 Tutsi und moderate Hutu getötet wurden, griff Uganda ein und stürzte das von Frankreich unterstützte Hutu-Regime. Es ist doch erstaunlich wie so eine Nation wie Frankreich, das Land der Französischen Revolution und der demokratischen Nationsidee, in den 90er Jahren noch einen Völkermord tolerieren konnte. Bisher war die Schulsprache zu 90 % Französisch, wie kann man also plötzlich die Sprache ändern? (mehr…)

Keine Grenzen, zadnych granic, no borders, sans frontière, sin frontera, 州境がない世界

September 5, 2008

Manchmal macht es vielleicht keinen Sinn mehr eine gemäßigte Haltung einzunehmen. Manchmal muss man auch ein wenig radikal sein. Wieso? Weil es mich ankotzt, wenn jemand fragt: „Was für ein Landsmann bist du?“ Sagt das in irgendeiner Form etwas über mich aus? Ich möchte auf die Frage gar nicht mehr antworten, weil sie mich so sehr ankotzt, dass ich sogar während des Essens schon reiern möchte. Ich stelle nicht in Frage, dass Länder und Nationen Realitäten sind, aber es kotzt mich an, dass sie Realitäten sind. Ich bin Pole? Ja, klar, bin ja da geboren. Ich bin Deutscher? Ja, klar, steht im Ausweis. Es interessiert mich alles nicht. Die polnisch-sprachige Band „Ich Troje“ hat es sich ein wenig zur Aufgabe gemacht für Dialog zu sorgen, Erfolg blieb Ihnen in Deutschland verwehrt. Der Sänger ist in Deutschland aufgewachsen und auch das Lied „Keine Grenzen“ ist zwei-sprachig gehalten, interessanterweise war es Polens Beitrag zum Eurovision Song Contest 2003 und mit seiner Botschaft eigentlich eine Europa-Hymne sondergleichen.

Japan-Tag (日本デー) 2008 – Eindrücke und Bildmaterial

Juni 15, 2008

Japanische Kinder vor der Kimono-Vorstellung

Ja, es war mein erstes Mal beim Japan-Tag und eigentlich war ich wegen des Wetters und anderer Faktoren ein wenig niedergeschlagen, als ich so über die Rheinuferpromenade watschelte und mich des frohen Treibens der (im Geiste) japanischen Gemeinde ergötzte. Das Wetter zog die Veranstaltung wirklich ein wenig runter, aber im Endeffekt wurde der Japan-Tag mit einer kaum beschreibbaren Schönheit beendet, aber hierzu gleich mehr. (mehr…)

Max Frisch sagte:

April 4, 2008

„Wir riefen nach Arbeitskräften, aber es kamen Menschen.“