Archiv für die Kategorie ‘Gedanken’

Suchtmensch

November 20, 2009

Sucht, dass ist für viele Menschen in erster Linie Drogensucht, Fettsucht, etc. in erster Linie also in irgendeiner Weise ein zwanghafter Überkonsum. Doch ich bin der Ansicht, dass Sucht von Suche kommt. Die Definition von Sucht ist kulturell vielfältig. Doch im Endeffekt ist jeder Mensch ein Suchtmensch. Sucht ist Suche nach einem Sinn für ein sinnloses Leben. Da ist es völlig egal, wo der Mensch den Sinn zu erkennen glaubt. Seien es Drogen, sei es Vergnügen, sei es Essen. Oder Liebe. (mehr…)

Leistung muss sich lohnen!

November 16, 2009

Leckt mich! Überall im politischen wie auch gesellschaftlichen Diskurs ist immer wieder von Leistung die Rede, dabei hat der Terminus nur positive Konnotationen, eine einzige Ausnahme stellt wohl der Begriff Leistungsgesellschaft dar. Ein Begriff, der mit sozialer Kälte eingeht, in der in sozialdarwinistischer Manier, die (Leistungs-)Starken über die Schwachen siegen und das Sagen haben. Dieser Begriff wird grötenteils vermieden, wahrscheinlich weil sich der soziale Terminus „Gesellschaft“ mit dem Begriff „Leistung“ beißt. Eine Gesellschaft ist schließlich nicht dazu da die Schwachen auszugrenzen. Soziales Miteinander von Menschen zeichnet sich immer dadurch aus, dass die Kranken und Schwachen von den „Leistungsträgern“ mitversorgt werden. Dass man Kranke und Alte nicht einfach ihrem Schicksal überlasst und sie sterben lässt, ist vielleicht der Meilenstein in der Sozialgeschichte des Menschen. Der Moment, in dem der Mensch vom Tier zum sozialen Tier wird.

„Leistung muss sich wieder lohnen“ plakatierte die FDP vor dem Bundestagswahlkampf. Dieser Slogan ist nicht weniger als eine Verherrlichung der Leistungsgesellschaft und eine Ausgrenzung aller sozial bzw. leistungsschwachen Mitglieder dieser Gesellschaft. Die Neoliberalisierung der Gesellschaft ist weiter fortgeschritten als man es denken mag. Selbst menschliches Können wird in Zahlen abgedruckt. Das Gehalt bestimmt den Status. Man wird eher für seine Luxuswohnung in Shanghai bewundert, als wenn man ein Jahr durch China getrampt wäre. Der Mittelstand wird dann so gerne als Leistungsträger der Gesellschaft benannt, als Stütze der Gesellschaft, die man entlasten müsste. Aber wenn man diese Stütze entlastet, muss man dann nicht die Last auf eine neue Stütze verteilen? Vor lauter Entlastungen wird gar nicht klar, dass die sogenannten Leistungsträger vielleicht die Glücklichsten in der Gesellschaft sind. Diese werden entlastet, aber das Prinzip der Gesellschaft wird ausgehöhlt. Immer mehr Leistung und immer weniger Gesellschaft. Jeder ist sich selbst der Nächste. So wird immer diskutiert, wo man Geld sparen könnte. Solidaritätsbeitrag streichen? Der Osten ist doch sowieso besser ausgebaut als der Westen! Arbeitslosengeld kürzen? Wer nicht arbeiten will, hat kein Recht anderen das Geld abzuschöpfen. Vielleicht ist Leistungsgesellschaft so ein häßliches Wort, weil es die Menschen daran erinnert wie durchliberalisiert ihr Leben geworden ist. Was keinen Profit abwirft, hat keinen Wert. (mehr…)

Als der Sommer ging

November 12, 2009

Als der Sommer ging, nahm er mich mit. Er flog mit mir durch die halbe Welt und machte keine Anstalten zu halten. Ich ging mit einem sommerlich sonningen Lächeln und genoß seine Anwesenheit. Der Sommer hat mich nie alleine gelassen. Zumindest mich nicht.

Du sitzt an deinem Fenster in deinen warmen Sachen und sehnst dich nach dem Sommer zurück. Als der Sommer dich verließ, warst du zwar darauf vorbereitet, aber du wolltest doch nicht, dass er geht. An dem Ort, an dem du bist, wechseln die Jahreszeiten und der Sommer kommt nur gelegentlich zu Besuch. Du, als Kind des Sommers, mit deinem sonnigen Lächeln, hast dein Lächeln verloren, denn der Winter hat deine Gesichtszüge eingefroren. Aber ob du dem Sommer eine eisige Träne nachweinst, weiss ich nicht. Ich würde es mir wünschen. Vielleicht denkst du aber auch, dass ich dir den Sommer gestohlen habe. Ich ihn fortnahm und nicht er mich. Einem von mir gestohlenen Sommer würdest du sicher keine eisigen Tränen nachweinen. Dann würdest du auch sicher nicht an deinem Fenster sitzen und an den verlorenen Sommer denken. Du wärest draußen mit deinem Sommer-Lächeln, die Kälte schmelzen und die Jahreszeiten einfach weiterfließen lassen.  (mehr…)

Natsukashiness

Oktober 26, 2009

Natsukashii ist ein ziemlich japanisches Wort, beschreibt es doch ein Gefühl von Sehnsucht, das mit positiven oder auch bittersüßen Erinnerungen gefüttert sein, wobei ein Schuss Melancholie auch mal mitschwingen darf. Das ist zumindest mal meine eigenwillige Definition dieses Wortes. Das Gefühl hatte ich beispielsweise beim Empfang des DAAD, wo es schön Graubrot und Würstchen gab. Viel mehr hatte ich es aber jetzt dieses Gefühl von Natsukashiiness, als ein ganzer Schwall Erinnerungen mich zu überfluten begann. Leos kurze Mitteilung, dass Saya in Berlin sei und dort studiere, ließ mich auf eine Reise ins Jahr 2005 gehen. Eine Zeit, in der vielleicht mein Wunsch Japanisch zu studieren durch zwei Kinobesuche überhaupt erst entstand. Doch wer war eigentlich Saya? (mehr…)

Fremde

Oktober 15, 2009

Was heißt es fremd zu sein? Solltest du dich fremd fühlen, wenn dich alle komisch ansehen und auf Englisch ansprechen? Ich widersetze mich diesen Emotionen mit all meiner Logik. Als ich im Club in Naha war und alle mich für einen amerikanischen Soldaten hielten, machte mir das nichts aus. Bei 20 Deutschen auf der ganzen Insel sollte man sich nicht wundern, dass die Japaner es für unmöglich halten, dass man in einem Club auftaucht und keiner von 30 000 Amis is. Das machte mir nichts aus. Im Gegensatz zu meinen deutschen Mitstreitern, die sich über die japanische Interesslosigkeit beschwerten. Japaner würden halt gern mal nen kurzes Pläuschen halten, um dann schnell zu fliehen. Das Prinzip von uchi und soto, das die gesamte japanische Gesellschaft durchdringt, schlägt ebenso im Club durch. Ich dachte während dieser Erläuterungen die ganze Zeit, dass es doch in Deutschland nicht wirklich anders sei. Wenn man sich in Japan auf eine Bank setzt und dann der nächste Japaner nicht direkt neben einem sondern am Ende der nächsten Bank sitzt, dann kann der paranoide Ausländer durchaus das Gefühl bekommen, dass man sich distanzieren will. Die Frage, die ich mir dann immer stelle, ist: Wäre es in Deutschland anders? In Deutschland setzt man sich ja auch nicht gerade direkt neben einen Fremden. Das hat nichts mit Staatsangehörigkeit zu tun. Es gibt natürlich eine Aspekte, die man beachten muss. Japaner rennen einem nicht die Tür an, weil sie nicht mal abschätzen können, ob man überhaupt Japanisch spricht. Aber andererseits rennen sie auch nicht anderen Japanern die Tür ein. Fremd fühlt man sich in den komischsten Momenten. Ich fühle mich eigentlich ziemlich wohl  hier und genieße es eher mal „exotisch“ zu sein, als dass ich mich über komische Blicke beschweren würde. Man muss einfach mal ein paar gute Sprüche drauf haben. Heute hab ich zum Beispiel einer Japanerin entgegnet, wieso sie denn so langsam mit mir spricht, ob sie mich für geistig zurückgeblieben hält oder für ein Kind. Das verblüffte Gesicht war auf jeden Fall unbezahlbar und manchmal muss man einfach ein dreistes Arschloch sein und sagen, dass man weder Englisch noch irgendeine andere Fremdsprache außer Japanisch beherrscht. Das ist dann ein Schlag in die Fratzen der Vorurteile und verschafft einem selber ein wenig das Gefühl, dass man sich nicht alles gefallen lassen muss. Der Affe im Zoo kann ja auch schon mal eine Bananenschale werfen, wenn ihm was zu viel wird. ;-) Fremd fühlte ich mich bisher nur einmal und das war heute, als ich nicht wusste, wie die Packung für die Onigiri richtig aufgemacht werden muss. Fremde ist wirklich eine treulose Hure.

Hass?

Oktober 13, 2009

Je mehr ich drüber nachdenke, je ferner du mir bist, umso mehr hasse ich dich. Dafür dass du mich alleine gelassen hast, obwohl ich nicht alleine sein wollte. Jeden Morgen lese ich deinen letzten Brief und er tut jedes mal weh, für mich ist er voller Ausreden, voller Lügen, ohne Erklärungen. Die Wahrheit verbirgt sich nicht hinter deinen unehrlichen Worten, aber sie verbirgt sich auch nicht hinter meinen hasserfüllten Gedanken. Die Wahrheit kennt keiner von uns beiden wirklich. Wahrscheinlich weisst du selber nicht, wieso du mich allein gelassen hast. In deinem Brief waren nur einige Worte, die besagten, was du vielleicht wirklich dachtest. Nämlich, dass es dir wichtiger war mich nicht zu verletzen als mich früher zu verlassen. Für diese Worte hasse ich dich. Ich hasse Mitleid. Erst recht brauche ich kein Mitleid von dir. Mitleid lindert meinen Schmerz nicht, Mitleid verspottet meinen Schmerz. Es ist wie immer. Den Schmerz kann ich nicht überwinden durch deine Worte, ich kann ihn nur vergessen, wenn es dich für mich nicht mehr gibt. Wenigstens hasse ich dich dann auch nicht mehr.

Leere Worte

September 15, 2009

Immer sind Wörter Konstrukte, die etwas Anderes suggerieren als die Realität beinhaltet. Da spricht man von „Terroristen“ und „Steinzeitislam“, von „militärisch abgesicherter Entwicklungshilfe“, vom „Kampf gegen den Terror“ und nicht von „Krieg“. „Krieg kann nur zwischen Nationen geführt werden“, sagte Mr. Schäuble unlängst. Wörter sind immer Worthülsen. Inhaltsleere Verpackung. Geschenkpapier, das man variabel über ein Geschenk kleben kann, was aber nicht heißt, dass man den Inhalt ändern würde. Geschenkpapier sagt nichts über den Inhalt aus.

Im Alltag gibt es diese Worthülsen in Hülle und Fülle. Menschen sind notorische Lügner und die Sprache erlaubt ihnen Dinge so auszudrücken, das eine Lüge wie die Wahrheit wirkt. Wie eine geschönte Wahrheit zwar, aber Wahrheit ist auch wieder ein sehr dehnbares Ding. Letzten Endes belügen sich Menschen auch oft genug selbst. Sie ändern die Wahrnehmung ein und derselben Sache fast minütlich. Sprache radikalisiert die Wahrnehmung und die abgebildete Realität wird mehr konstruiert denn abgebildet. Wieso braucht der Mensch denn dann die Sprache? Weil er sich gern selbst belügt und gerne belogen wird. Erwidert ein Mensch das eigene „Ich liebe dich“, auch wenn es eine Lüge sein mag, ist diese Alternative uns doch lieber als Schweigen zu ernten. Selbst das allgemeine Statement, dass „Ehrlichkeit“ grundlegend für jede Liebesbeziehung ist, will ich umkehren und behaupten, dass Liebe auf Lügen baut. Für Frauen sind Lügen ja auch die Dinge, die nicht gesagt werden. (Wie ich an meiner eigenen Haut spüren und in „King of Queens“ sehen konnte…) (mehr…)

Nähe und Distanz

August 11, 2009

Mr. Michel hat in einer seiner ersten Religionsstunden bei mir einen großen Eindruck gemacht, als er von Nähe und Distanz in der Liebe sprach. Dass man beides bräuchte, um eine dauerhaft stabile Beziehung führen zu können. Damals hielt ich das für sehr einleuchtend und teilweise sind die Ansätze doch auch ganz verständlich, doch der erste Knackpunkt ist, dass zu dieser Nähe-Distanz-Sache zwei Personen gehören und dass man sich dann auch noch verständigen muss, wie weit Distanz reicht. So kann aus der Sicht des einen in einer offenen Beziehung eine gesunde Distanz herrschen, während es die andere Person innerlich zerfrisst und krank macht. Was Mr. Michel eigentlich suggerierte, war dass jemand, der sich nach immerwährender, dauerhafter Nähe sehnt, nicht mehr ganz richtig sein kann. Und klar führt es zu Streit, wenn man dauernd aufeinander hockt, aber führt es nicht noch viel mehr zu Streit, wenn man sich nicht mehr sieht? Wenn man streiten will, kann man es einfach auf zu viel Nähe oder zu viel Distanz schieben, weil beides subjektiv wahrgenommen wird und daher eine objektive, ja fast wissenschaftliche, Austarierung des richtigen Distanz-Nähe-Verhältnisses unmöglich ist. (mehr…)

Ausländerintegration

Juli 23, 2009

Volker Pispers über das „Problem Ausländerintegration“. Dabei stellt er die durchaus berechtigte Frage, wieso man Türken integrieren muss und Japaner nicht.

Der Mensch ist ein soziales Tier

Mai 27, 2009

„Der Mensch ist ein soziales Tier“ ist ein Satz, den Rojo einem Kind als einen seiner ersten Sätze beigebracht hat. Seit er mir von diesem Satz erzählte, habe ich mich gefragt, was die Bedeutung dahinter sein könnte. Ich bin bis jetzt noch am Rätseln über eine klare Bedeutung und Interpretation, dennoch ist die Aussage dieses Satzes sicherlich, dass der Mensch sich von Tieren durch sein Sozialverhalten unterscheidet. Als ich auf Patas Blog folgendes Zitat von Einstein las, musste ich wieder an Rojos Satz denken:

Der Mensch erfand die Atombombe, doch keine Maus der Welt würde eine Mausefalle konstruieren.

Zu allererst hoffe ich doch, dass Herr Einstein sich selbst nicht als Alien sieht, wenn er von der Menschheit in der 3. Person spricht. Ein „Wir“ wäre meiner Ansicht nach wünschenswerter, aber genau in Einsteins Satz liegt die Essenz des menschlichen Sozialverhaltens. Die Menschheit begreift sich nicht als Menschheit. Anders als Tiere hat der Mensch einen künstlichen Begriff von Gemeinschaft geschaffen, der die Menschheit teilt und differenziert. Einstein reproduziert das mit seiner (vielleicht unreflektierten) Art von dem Menschen zu sprechen. Das impliziert einerseits eine gemeinsame Schuld der Menschheit, zugleich aber steht Einstein wie ein Außenstehender daneben und sieht sich das Ganze von außen an. (mehr…)