Archiv für die Kategorie ‘Japan’

Natsukashiness

Oktober 26, 2009

Natsukashii ist ein ziemlich japanisches Wort, beschreibt es doch ein Gefühl von Sehnsucht, das mit positiven oder auch bittersüßen Erinnerungen gefüttert sein, wobei ein Schuss Melancholie auch mal mitschwingen darf. Das ist zumindest mal meine eigenwillige Definition dieses Wortes. Das Gefühl hatte ich beispielsweise beim Empfang des DAAD, wo es schön Graubrot und Würstchen gab. Viel mehr hatte ich es aber jetzt dieses Gefühl von Natsukashiiness, als ein ganzer Schwall Erinnerungen mich zu überfluten begann. Leos kurze Mitteilung, dass Saya in Berlin sei und dort studiere, ließ mich auf eine Reise ins Jahr 2005 gehen. Eine Zeit, in der vielleicht mein Wunsch Japanisch zu studieren durch zwei Kinobesuche überhaupt erst entstand. Doch wer war eigentlich Saya? (mehr…)

Damit sie dich erreichen

September 20, 2009

Dear my friend,

ich habe dir, die du im Himmel bist, einen Brief geschrieben. Bist du nicht einsam, wenn du dort alleine lebst? Fehlt es dir auch an nichts? Was wünschst du dir? Denkst du wenigstens ein Mal am Tag an mich? Die Blume, die wir gemeinsam gepflanzt haben, blüht genau jetzt. Du wirst zum Wind, der mich umhüllt. Du wirst zum Licht, das mich leitet. Darf ich dich zum Schluss noch eine Sache fragen? Kannst du mich von dem Ort, an dem du bist, sehen? Du wirst zum Wind, der mich umhüllt.Obwohl du jetzt fern bist, will ich dir nur diese Dinge mitteilen. Dear my friend, damit sie dich erreichen.

From your friend

Southern All Stars – Manatsu no Kajitsu

August 20, 2009

Eine japanische Band, die seit 1975 aktiv ist und während ihres Bestehens zahlreiche Erfolge vorweisen kann (bei 55 Singles muss ja auch mal Erfolg rausspringen), hätte mir eigentlich früher auffallen müssen. Nun bin ich auf Umwegen (ich hörte einen Southern Allstars Coversong von Bonnie Pink und Saito Kazuyoshi) zu dieser erstaunlich zeitlosen Band gekommen. Die Band zählt nach B’z (einzige nicht-westliche Band in der Rock’n'Roll Hall of Fame) und Mr. Children zu den meistverkauftesten Künstlern Japans. Dabei deckt die Band eine erstaunliche Bandbreite an Musikstilen ab, was sicherlich auch zu ihrer Massentauglichkeit beiträgt und die Musik immer zeitlos wirken lässt.

Der Single-Auskopplung „Manatsu no Kajitsu“ (Die Frucht des Hochsommers), die einem gleichnamigen Film Anfang der 90er als Soundtrack diente, stieg bis in die Top 5 der japanischen Charts auf. Obgleich der Film mäßig erfolgreich war, konnte sich der exzellente Soundtrack der Southern All Stars auf Platz 1 der Albumcharts etablieren und erreichte Verkaufszahlen von einer Million Kopien.

Ich habe eine ganz wunderbar minimalistische Version des Liedes gefunden, die zwei Japaner mit viel Herzblut vortragen.

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Hideaki Tokunaga – saigo no iiwake

August 10, 2009

Hideaki Tokunaga gilt als eines der Urgesteine der japanischen Popwelt und ist besonders unter älteren Leuten sehr beliebt. Seine Lieder bestehen zum größten Teil aus sehr stillen und stimmbetonten Liebesliedern. Nachdem er 1986 sein Debüt mit einem Nr. 1-Album gab, nahm sein Einfluss gegen Ende der 90er wieder ab, in den letzten Jahren kam ein neuer Popularitätsschub, weil er drei Cover-Alben mit Songs von bekannten japanischen Pop-Künstlern aufnahm (unter dem Namen „Vocalist 1-3″), in denen er seine unverwechselbare Stimme zu bisher bekannten Liedern hinzufügte. Bestes Beispiel ist das allgemein bekannte „Can you celebrate“ von Namie Amuro.

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Dangan Runner – sabu

August 8, 2009
Dangan Runner (1996) - sabu

Dangan Runner (1996) - sabu

„Dangan Runner“ gilt als der Beginn von sabus recht erfolgreichem Schaffen als Regisseur. 1996 veröffentlicht und auf der Berlinale vorgestellt, wurde der Film zum Überraschungserfolg der Berlinale. Ich persönlich muss allerdings sagen, dass mir der Film nicht so sehr zugesagt hat. Sabus Ansätze, die er in späteren Filmen weiterentwickelt, sind zwar schon in Dangan Runner enthalten, allerdings entwickelt dieser Film nicht diese immense Tragik und Sozialkritik der späteren Werke. Außerdem merkt man Dangan Runner das recht geringe Budget und das Alter sofort an. Für Fans, die sich für den Verlauf von sabus Schaffen und seine Entwicklung als Regisseur interessieren, ist Dangan Runner auf jeden Fall ein Muss. Ist die Story doch nicht weniger abstrus als die der Nachfolgewerke. (mehr…)

sabu – Drive

Juli 23, 2009

drive - sabu

Generell hängt dem japanischen Regisseur sabu oftmals das Vorurteil an, dass er unverhältnismäßig viel Blut in seinen Filmen einsetzt, dabei ist dieser neuere Film von ihm eher blutarm, aber nur im wortwörtlichen Sinn. Drive strotzt wieder vor Kritik am Menschen und genau deswegen muss man zum Schluß kommen, dass sabu ein echter Philantroph sein muss. Die Geschichte fängt relativ spektakulär damit an, dass drei Bankräuber in das Auto von Asakura steigen. Der typische Jedermann, der fast immer in sabus Filmen im Vordergrund. Sei es der Postbote in „Postman Blues“, der Angestellte in „Monday“, der Arbeitslose in „Blessing Bell“ oder der Student in „Unlucky Monkey“. Bis auf „Blessing Bell“ wurden diese atypischen Helden immer vom genial agierenden Shinichi Tsutsumi verkörpert. Asakura ist aber nur auf den ersten Blick ein Jedermann, der unter Kopfschmerzen leidet. Die Kopfschmerzen resultieren nicht aus seinem beruflichen Stress, sondern viel mehr aus seiner Vergangenheit. Wie es in Japan lange Zeit üblich war, brachte sich sein Vater nach dem Verlust der Arbeit um. Ihm folgte seine Mutter, die sich ebenfalls aus Scham umbrachte. Asakura war also von Jugend an ein nervliches Wrack, das bei seiner Tante ohne Eltern aufwuchs. (mehr…)

Japanische Esskultur

Juli 8, 2009

Mit freundlicher Unterstützung aus Okinawa konnte ich die letzten Wochen diesen Blog leider nicht führen. Das Problem war einfach, dass ich die ganze Zeit am Essen war. Die japanischen Köstlichkeiten, die mir zubereitet wurden, lenkten mich von Studium, Freunden und der realen Welt ab. Dennoch stand die (immer noch nicht endende) Reise ins kulinarische Schlaraffenland niemals zur Disposition. Eine kleine Dia-Show der leckeren Sorte. (japanischsprachige Rezepte findet man übrigens hier.)

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Kokia in Köln am 20.6.2009

Juni 21, 2009

Kokia Tourposter 2009 European Tour Infinity

Für 21 Euro hatte ich mir ein Ticket besorgt und Evgeny mitschleppen können. Die Blue Shell in Köln war voll, obwohl nicht so wirklich viele Leute da waren. Ich tippe auf 200 oder 300 Fans. Umso kuschliger war dann aber die Atmosphäre im Club. Es war ein richtig schön kleines und angenehmes Underground-Konzert. Fotos waren verboten, aber als Kokia die Bühne betrat, dann tat sie das nur mit einem Akkustik-Gitarristen. Es kam richtig Unplugged-Atmosphäre auf. Zu Beginn sagte sie einige Worte in einwandfreiem Deutsch, z.Bsp. dass das Konzert in Köln das letzte Konzert ihrer Europa-Tour und zugleich das erste Konzert in Deutschland war. Die Resonanz war jedenfalls sehr gut. Die Atmosphäre war entspannt und zugleich merkte man, dass der Club sehr gut ausgelastet war. Oder wie Kokia immer sagte „Heiß, heiß, heiß!“

Gespielt wurden 90 Minuten ihrer bekanntesten Lieder, u. a. „Tenshi“, „Atatakai Basho“, „Remember the Kiss“ und zu guter letzt das obligatorische „Arigatou“. Von ihrem neuen Album waren lediglich 2 oder 3 Lieder vertreten. Was allerdings eher positiv anzumerken ist, da bei ihren älteren Liedern sehr viel Ohrwurmpotenzial vorhanden ist. So wurde das Konzert keine reine Promo für das neue Album „Akiko Balance“, sondern viel mehr zu einer Art kleinem Best of. Ich und Evgeny saßen entspannt ganz hinten an der Bar und tranken unser Bier und lauschten der Stimme, die durch die spärliche Instrumentalisierung sehr gut hervorkam. Man muss wirklich sagen, dass Kokias Stimme in ihrer Wärme und Professionalität einzigartig gut ist. Das balladenlastige Programm will man ihr mal verzeihen, da ihre Stimme in diesen Liedern eben besonders gut zur Geltung kommt. So gab es nach dem Konzert nur glückliche Gesichter, zu denen ich mich auch mal zähle. Das Publikum bestand aus sehr unterschiedlichen Kreisen, da waren natürlich einige japanophile Visual Kei-Leute, die allerdings im Gegensatz zu anderen Konzerten die absolute Minderheit bildeten. Es waren ältere Menschen, Japaner und insgesamt sehr normale Zuhörer anwesend. So war das Konzert nicht durch seine Fans exotisiert, sondern einfach durch die ausgesprochene Klasse der Sängerin, die wirklich keinen Ton daneben setzte, besonders.

Japanische Küche erleben – Okonomiyaki

Juni 20, 2009

Neeltje hat früher für mich schon öfter mal Okonomiyaki gemacht, allerdings war ich aus sabbernder Blödheit nie im Stande gewessen davon Fotos zu machen. Diesen unendlich großen Fehler möchte ich allerdings wieder gut machen. Denn nun wurde mir vor kurzer Zeit die Ehre zuteil aus japanischer Hand hergestellte Okonomiyaki zu kosten bzw. so viel davon zu essen, dass ich am nächsten Tag noch nicht mehr gehen konnte. Was man lediglich zur Herstellung von Okonomiyaki braucht, sind: Wasser, Mehl, Ei und Weißkohl. Aus diesen Grundzutaten wird das Gericht hergestellt, das sich allerdings dann weiter verfeinern und erweitern lässt. So hat Nami zusätzlich Schweinefleisch angebraten. Fragt mich allerdings nicht wie genau das ganze Zeug gemacht wird. Ich durfte nicht zugucken. Aber nen Rezept findet sich unter anderem hier. Schmecken tut’s auf jeden Fall.

Okonomiyaki mit Schweinefleisch

Fertiges Okonomiyaki Okinawa-Style

Japan-Tag in Düsseldorf 2009

Juni 14, 2009

Goldregen Japan-Tag 2009 Düsseldorf

Ganz anders als im letzten Jahr war das Wetter dieses Jahr beängstigend gut. Die Sonne schien sich einen ab. Es war Samstag und am Rheinufer fand ab 13 Uhr das kulturelle Begegnunsfest statt. Da wir allerdings erst abends an der Rheinuferpromenade flanierten und uns ein wenig umsahen, haben wir von der Mittagszeit wenig mitbekommen. Viele der Stände hatten schon zu gemacht, aber dennoch konnte man viele positiv-verrückte Leute sehen, sodass man als suspekter Japanologie-Student in der Masse der Japanophilen überhaupt nicht mehr auffiel.

Auf dem Weg zum Japan-Tag sahen ich und Nami dann ein Vehikel, dass ich bis dato noch nie gesehen hatte und das ich aber sofort kaufen würde, wenn es irgendwo zu kaufen wäre. Ein fahrender Tresen. Nicht etwa mit Motorkraft betritten, sondern nach einem ausgeklügelten Mechanismus sitzen die Säufer um den Tresen herum und treten in die Pedale, während sie gleichzeitig gemütlich ein Bierchen trinken können. Geiles Ding. Wünsch ich mir zum 30. Geburtstag!

Bierfahrrad

Vor den japanischen Läden war der Ansturm riesig, aber kein Problem für mich, schließlich kann ich jederzeit Japanisch essen, sodass für den Abend ein Döner sein seliges Werk in meinem Magen verrichtete. Leider habe ich keine von den vielen angekündigten Freunden finden können. Phil und seine Schwester waren ebenso unauffindbar wie Mitstudenten. Rojo war sicherheitshalber aus Düsseldorf geflüchtet und bestellte schöne Grüße.

Das Feuerwerk gegen Ende war dann eine absolute Augenweide. Mit herzförmigen Bildern und Smileys im Himmel, Flaggen (dumme Frau: „Gelb auf Blau, das ist doch Finnland.“ „Nee, das muss Dänemark sein, auf jeden Fall.“ „Ach, ist doch alles Skandinavien.“). Schön fand ich persönlich eine riesige rote Explosion, die sogar die Augen blendete. Da wir ziemlich lange am Rheinufer standen (ne Stunde), hatten wir einen entsprechend schönen Blick auf das Feuerwerk. Das Stehen hat sich auf jeden Fall gelohnt, auch wenn es danach ob vollkommen überfüllter Straßenbahnen und Straßen zu Fuß nach Hause ging. Ein wirklich schöner Japan-Tag, dem sicherlich noch viele schöne Japan-Tage in Zukunft folgen werden. Hauptsache der Wettergott ist wieder gnädig.

Goldregen Düsseldorf