Beim Kopftuch scheiden sich die Gemüter. Es gibt in der wissenschaftlichen Fachwelt oftmals die Meinung, dass Multikulturalismus und Feminismus miteinander unvereinbar sind. Der Grund dafür sei, dass je mehr kulturelle Selbstständigkeit man zulässt, umso mehr feministische Werte unvermittelbar werden. Das Gefährliche an dieser Ansicht ist, dass man damit indirekt die Ansicht abnickt, dass andere nicht-westliche Kulturen grundsätzlich patriarchal geprägt sind. Dennoch gibt es unter Feministinnen viele Feinde des Multikulturalismus, das Kopftuch gilt hier als Symbol für die Unterdrückung der Frau. Doch meiner Ansicht nach ist diese Bezeichnung sehr gefährlich. Ich denke, dass das Kopftuch genommen werden sollte als das, was es ist. Symbol für kulturell-religiöse Identität. Da wir in einer pluralistischen Gesellschaft leben, sollte es Frauen selbstverständlich frei stehen, ob sie ein Kopftuch tragen wollen oder nicht. Ich betone hierbei das Wort „Frauen“, bei Kindern sieht die Sache da ein wenig anders aus.
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Kopftuch für Kinder: Eine multikulturelle Frage?
April 8, 2009Artikel 9 der japanischen Verfassung oder: Pazifismuskonzept vor dem Umsturz
März 24, 2009Artikel 9 der japanischen Verfassung. Klingt erstmal alles ganz unspektakulär. Teppei-san hat mich allerdings darauf hingewiesen, dass sich gerade bezüglich dieses Artikels gerade sehr viel tut in Japan. Artikel 9 gilt als weltweit einmaliger Versuch Pazifismus in eine Verfassung einzuschreiben. Japan wird das Recht auf jeglichen Unterhalt einer Armee untersagt, auch wird jede kriegerische Auseinandersetzung verneint. Wörtlich steht in Artikel 9:
(1) In aufrichtigem Streben nach einem auf Gerechtigkeit und Ordnung gegründeten internationalen Frieden verzichtet das japanische Volk für alle Zeiten auf den Krieg als ein souveränes Recht der Nation und die Androhung oder Ausübung von militärischer Gewalt als ein Mittel zur Regelung internationaler Streitigkeiten.
(2) Zur Erreichung des Zwecks des Absatz 1 werden Land-, See- und Luftstreitkräfte sowie andere Kriegsmittel nicht unterhalten.
(3) Ein Kriegführungsrecht des Staates wird nicht anerkannt.
Viel klarer kann man sich nicht ausdrücken, allerdings ist auch das Recht auf Selbstverteidigung in der Verfassung erwähnt. Genau dieses Recht wird seit Verabschiedung der Verfassung ad absurdum geführt. So unterhält Japan die sogenannten SDF-Truppen (Selfdenfense-Force) mit der Begründung, dass man diese Truppen lediglich zur Selbstverteidigung einsetzen darf. Die Kompetenzen dieser Truppen wurden mit einer Änderung im Zuge des Golfkrieges 1991 erweitert. So berief sich Premierminister Koizumi genau auf dieses Gesetz, dass den Einsatz an „friedenserhaltenden“ Missionen erlaubt, als er im Zuge des letzten Irak-Krieges SDF-Truppen zur „Absicherung des Friedens“ in den Irak schickte. Zuvor wurde die sogenannte Sicherheitszone kurz mal eben bis zum Indischen Ozean ausgeweitet. Es gibt also eine eindeutige Diskrepanz zwischen Realität (Japan hat den vierthöchsten Verteidigungsetat der Welt und die modernste Armee Asiens) und Verfassung, die aktuell zu einer Diskussion über eine Verfassungsänderung führt. Die Stimmung hat sich vor kurzer Zeit erstmals für die Änderung gewendet, als in mehreren Umfragen knapp über 50 % der Befragten eine Änderung befürworteten. (mehr…)
Multikulturalität
März 7, 2009„When men in the United States beat their wives, it is an abberration (Abweichung), counter to the liberal principles that govern here. When Muslim men beat their wives, it is an act representative of the principles of Islam – whatever Koran or hadith may say.“ (Anne Phillips: „Multiculturalism without culture“)
Nationen als Instrument der Mächtigen
Februar 11, 2009Ich möchte an dieser Stelle auf einen ganz netten Link von Spiegel Online hinweisen. Comics können ja doch politisch bildend sein.
Taiwan, Tibet – wo ist da der Unterschied?
Februar 10, 2009Meine Sympathien für die KP-Regierung in China sind zwar begrenzt, aber nun sind meine Sympathien für die Tibet-Lobby auch mehr als niedrig. Irgendwie hab ich den Eindruck, dass bezüglich Tibets ein leicht bizarres Bild gezeichnet wird von einem tausende Jahre alten Volk, das schon immer autonom war und dessen Eigenschaften ausschließlich positiv besetzt sind. Man zieht sich dann einen Film wie „7 Jahre in Tibet“ rein und schon ist einem alles klar. Tibet ist besetzt, das ist ebenso Fakt wie die Unmenschlichkeiten der chinesischen Armee bezüglich der Religion und der einheimischen Kultur. Allerdings stellt sich dann die Frage: Wieso Tibet? Wieso nicht die muslimischen Minderheiten im Westen? Wieso müssen wir alles für ein neues Tibet, befreit von der chinesischen Zentralgewalt, tun? (mehr…)
Integration
Januar 24, 2009Laut einem Spiegel-Artikel, der eine Studie zum Integrationsfortschritt von Menschen mit Migrationshintergrund zitiert, sind Türken bzw. Türkischstämmige Menschen absolut unzureichend integriert. Dagegen sieht die Studie bei Aussiedlern schon relativ gute Integrationsfortschritte. Herr Schäuble ist demnach allerdings überzeugt, dass sich dies nach 4 weiteren Jahren CDU-geführter Regierung absolut ändern wird. Die Missstände sind übrigens im Saarland am größten…hm, komisch, ich dachte bis gerade noch, dass da ne CDU-Regierung an der Arbeit wäre. Egal, Herr Schäuble ist ja sowieso unfehlbar. Vielleicht würde er die ganzen Türken einfach mit in die Anti-Terror-Datei aufnehmen und somit die Integration befeuern. Diese Parallelgesellschaften sind ja auch ein Dorn im Auge der deutschen Leitkultur.
Was ist ein Name?
Dezember 23, 2008„Was ist ein Name? Was uns Rose heißt, wie es auch hieße, würde lieblich duften.“ (Romeo und Julia, 2. Akt, 2. Szene)
Schon Shakespeare erkannte in seinem wohl bekanntesten Bühnenstück die Undifferenziertheit der Sprache. Die Verzweiflung der Protagonisten über ihre Namen Capulet und Montague, zwei Worte, zwei Namen, die mit so viel Hass und Vorurteil vorbelastet waren, stellen sich in diesem (sprachlich geäußerten) Aufstand gegen die Konstruktion einer nicht haltbaren Realität dar. Doch auch die Willkürlichkeit von Sprache, die manchmal gar nicht nötig ist, wird geäußert. Sprache kann so traurig sein, denn sie weckt Assoziationen, aber sie kann die Realität nicht näher bringen. (mehr…)
Ströbele und seine persönliche Fahnenkrise
Dezember 5, 2008Nun, was lesen meine schwachen Augen da doch auf Spiegel Online? Herr Ströbele von den Grünen hatte ein flaues Gefühl, als während der WM 2006 überall in Deutschland die Flaggen aus den Fenstern hingen. Und das ist sein gutes Recht. Die Hüter unserer Demokratie von der CDU und FDP entrüsteten sich über die beleidigenden Worte des Herrn Ströbele. Nun gut, wenn man auch sonst nix im Parlament zu tun hat, als sich über drei Farben auf einem Stück Stoff derart in Rage zu reden, dass man Herrn Ströbele nur die bösesten Absichten unterstellt, dann frag ich mich, ob die Herren vom rechten Rand des Parlaments nichts besseres zu tun haben. Herr Ströbele, natürlich, das ist der Linke, der Feind, da muss man ihm schon jedes Wort als anti-deutsch auslegen. Im Endeffekt bleibt die Fahne ein Stück Stoff, ein Symbol. Und wenn man das Interview liest, in dem Herr Ströbele die anti-deutschen Worte sprach, fällt auf, dass er sich sehr differenziert ausgedrückt hat. Die Fahne als Symbol des Landes, der Demokratie oder öffentlicher Gebäude ist absolut in Ordnung, nur der Fahnenwahn hat ihn ein wenig beunruhigt.
Find ich absolut in Ordnung. Auch wenn die Sorge des Herrn S. unbegründet war, da die Flaggen ebenso schnell verschwanden, wie sie aufgetaucht waren. Wir haben uns mit einer Mannschaft identifiziert, nicht unbedingt mit der deutschen Nation, der deutschen Sprache oder dem deutschen Volk. Ich hatte nie eine Deutschlandflagge und werd mir wohl auch keine zulegen, auch wenn ich froh bin, dass es mich zufällig in dieses (doch relativ) liberale Land verschlagen hat. Aber jetzt die Flagge zu erhöhen als wäre es der neue Pirelli-Kalender. Nein, sowas ziemt sich nicht, besonders wenn man ausfallend und teilweise (meiner Ansicht nach) böswillig Vorurteile schürt. Wie im Artikel ein Abgeordneter zitiert wird, der meinte, dass Herr S. sich am liebsten einen Halbmond auf die deutsche Fahne wünschte. Man fühlt sich also in konservativen Kreisen durch Herrn S. in der nationalen Ehre bedroht, gleichzeitig ist man wenig zimperlich andere Nationalsymbole mit Sarkasmus zu überziehen. Ich persönlich hätte nix gegen einen Halbmond auf der deutschen Fahne, von mir aus können auch noch nen paar Sterne drauf oder Hello Kitty-Sticker. Wayne interessierts.
Beleidige ich nun das Grundgesetz? Ich hoffe doch nicht. Für mich hört Identifikation da auf, wo sie in Hass und Aggression umschlägt. Wir leben in einer pluralistischen Gesellschaft, in der alle Meinungen (naja, fast alle) erwünscht sind und auch vertreten werden dürfen. In dem Moment, wo man sich angegriffen fühlt, weil ein identitätsstiftendes Konstrukt angegriffen wird, sollte die Reißleine gezogen werden. Was soll das? Patriotismus darf ruhig sein, wenn er positiv ist, aber wenn man dann andere Menschen wegen ihres Mangels an „Vaterlandsliebe“ angreift, dann ist man weder für eine pluralistische, noch für eine multikulturelle Gesellschaft geeignet. Ich werde derweil wohl doch lieber den Grünen beitreten, da scheinen immerhin auch ein paar nationskritische Geister existieren zu können.
Die Steuerheuchler der CDU
November 23, 2008Langsam platzt mir echt der Kragen, wenn ich schon wieder davon höre, dass der Wirtschaftsflügel der CDU weitere steuerliche Erleichterungen fordert. Als wenn die Regierung Schröder (s. „Genosse der Bosse“) den Spitzensteuersatz nicht schon genug gesenkt hätte. Jetzt möchte man gerne noch weiter nach unten gehen. Das wird die Wirtschaft befeuern! Ja, natürlich glauben wir in der CDU natürlich noch daran, dass Steuererleichterungen die Wirtschaft ankurbeln. Demzufolge wäre es doch das sinnvollste die Steuern abzuschaffen oder? Feuchte Träume der Liberalen würden endlich Realität. Der Markt funktioniert aber nicht so einfach, die niedrigen Steuern haben kein Land vor der Finanzkrise bewahrt und wenn Herr Pofalla sagt, dass die Leute mehr Netto vom Brutto haben sollen, dann sollte man sich ja vielleicht überlegen, dass das nix bringt, wenn das Brutto nicht steigt. Denn DAS ist das Problem und nicht, dass die Steuern die Löhne fressen.
Desweiteren finde ich es fast unverschämt zu sagen, dass man den kleinen Leuten etwas zurückgeben will, wenn man mit der SPD die größte Steuererhöhung in der Geschichte beschlossen hat. Die Mehrwertsteuer ist nicht gerade eine sozial gerechte Steuer, also bitte ich doch die CDU sehr darum mit der Heuchelei aufzuhören und sich als Partei des kleinen Mannes profilieren zu wollen, indem man die Steuern für den kleinen Mann senkt. Es ist dann fast abstrus und grotesk, dass die CDU die Rückbesinnung auf die Wirtschaftsethik fordert, wenn die keine Sau mehr interessiert und es keine gesetzlichen Regelungen für Managergehälter gibt. Das ist wie Tauben Ohren predigen.
Steuersenkungen in der jetztigen Situation muss man sich so vorstellen, als würde mein Vater nen Auto kaufen und dann freiwillig auf einen Teil seines Gehalts verzichten. Der Staat versucht auf allen Hochzeiten zu tanzen, spielt sich als großer Retter auf, aber denkt dabei nicht an die Finanzierung aller seiner Bürgschaften. Zumindest nicht die CDU. Wobei Frau Merkel da noch bremsend wirkt und ganz Christ-Sozialdemokratin auf den Erhalt der Nachhaltigkeit pocht, das lob ich mir doch. Da können die zwei oder drei Leute des Wirtschaftsflügels (der bei der CDU wohl größer sein dürfte) ruhig weiter fordern was sie wollen. Geschenke gibt es Weihnachten ja auch nur für gute Kinder.
Politsekten: „Neue Solidarität“ und „Bürgerrechtsbewegung Solidarität“
November 9, 2008Naja, nachdem Frau Carmen Everts ja ihre Chefin Frau Ypsilanti als Sektenführerin-like diffamierte, war es dann doch sehr schön zu lesen, dass Frau Everts ihre Position als Sektenbeauftragte behalten durfte (so berichtet Spiegel Online). Bei solch gewissenhafter Aufgabenerfüllung muss man eine Parteirebellin doch auch mal ehren. Nun ist das nur eine kleine Einleitung, um eine wirkliche Politsekte zu skizzieren. Hierbei handelt es sich um die „Bürgerrechtsbewegung Solidarität“ (Nachfolgerin der „Europäischen Arbeiterpartei“), die dazugehörende Zeitung „Neue Solidarität“ und der damit verbundene Personenkult um Herrn Lyndon LaRouche lassen schon eindeutig darauf schließen, dass es sich weniger um eine politische Gruppe als um eine Sekten-ähnliche ideologisch-fundamentalistische Gruppierung handelt, die sich vollkommen nach den politischen Richtungsvorgaben LaRouches ausrichtet.
Wie bin ich denn nun überhaupt auf diese fast verschwindend kleine Gruppe gekommen? Nun, in der ULB Düsseldorf lagen da diese wunderbaren Zeitungen herum, auf denen dick „Neue Solidarität“ stand, herum. Ich dachte mir ja, dass es sich um irgendein linkes Kampfblatt von Lafo und Co. handeln könnte, allerdings ist es lediglich ein Werbeblatt (allerdings mit einem ganz gut geschriebenen Artikel zum indischen Raumfahrtprogramm) für die Idee der LaRouche-Jünger ein neues Bretton Woods zu erschaffen. Ergo wird ein anti-globalistischer Protektionismus gefordert, es gibt noch einige weitere abstruse Ideen, die allerdings keine Beachtung verdient haben. Auffällig bei der Lektüre der Zeitung ist die Häufigkeit des Namens Lyndon LaRouche, er wird so oft zitiert und ist eigentlich allgegenwärtig. Außerdem gibt es fast messianisch wirkende Überschriften wie „BüSo stellt Weichen für den Wideraufbau der Welt“ oder „Ein neues finstres Zeitalter zieht herauf – Der heutige britische Imperialismus“ (letztere geschrieben von LaRouche höchstselbst). Die LaRouche-Bewegung hat alle politischen Probleme schon immer vorausgesehen und hatte immer eine Lösung, die von den Regierungen der Welt immer zu spät erkannt wurden. Außerdem wurden solch interessante Kampagnen gestaltet wie „die Kampagne für eine Verdoppelung der Nahrungsmittelproduktion“, „eine Kampagne gegen die Kontrolle und Zerstörung der Jugend durch das Internet“ und die „Mobilisierung gegen eine Ratifizierung des Lissaboner Vertrags“.
Desweiteren werden Hitlers und Mussolinis Wirtschaftspolitik als „Vorbild für die heutigen anglo-holländischen Finanzoligarchen“ beschrieben. Teilweise ist die Argumentation abstrus und hat nichts mehr mit der globalen Wirklichkeit zu tun. Auf einer Seite werden Initiativen gefordert wie ein Vierer-Bündnis aus USA, Russland, Indien und China auf der anderen Seite ist jede Form von Globalisierung ungewollt. Man fordert die Renaissance der Kernenergie, Ausbau von europa- und afrikaweiten Infrastruktur (hier setzt man auf den Transrapid) und insgesamt setzt man darauf, dass durch eine stärkere Besinnung auf die Realwirtschaft alle Probleme der Welt gelöst werden können. Beispielsweise soll der Welthunger innerhalb von 6 Monaten getilgt werden, die Armut soll in 2 Jahren halbiert werden.
Am Ende bleibt doch nur das Fazit, dass der Personenkult um LaRouche (und um seine Ideen) ideologisch sehr radikal daherkommt, LaRouche wird als politischer Messias (Obamas Personenkult wird dagegen kritisiert ebenso wie „die Verführbarkeit der deutschen Massen“) gefeiert. Er saß zwar im Knast, aber selbstverständlich war das ein Komplott der US-Regierung. (Insgesamt ist die Anzahl der verschwörerischen Theorien hoch in dieser Gruppierung, so zählten auch die „Grünen“ zu einer weltweiten Verschwörung von WWF und Freimaurern.) Mit der „Neuen Solidarität“ kann ich nix anfangen, vielleicht gibt es einige richtige Ideen, aber die Art und Weise wie radikal und personenbezogen die politischen Positionen dann doch sind, sollte jeden Bürger, der eines aufgeklärten Verstandes mächtig ist, nur den Kopf schütteln lassen. Ich empfehle hierfür die Seite der Bürgerrechtsbewegung Solidarität, damit man einmal kräftig den Kopf schütteln kann, aber vorsicht! Den Kopf nicht so heftig schütteln, dass das Gehirn rausfliegt, sonst wird man noch Mitglied bei der Büso.