Erinnerungsfotos

Ich hab früher eigentlich nie darüber nachgedacht, welche Bedeutung Fotos für mein Leben haben können. Aus meiner frühesten Kindheit hab ich nur sehr wenige Fotos, vielleicht 3-5, auf denen ich als Baby zu sehen bin. Auch in den ersten drei Jahren meines Lebens, die ich noch in Polen lebte, wurden nur wenige Fotos gemacht. Auf den Fotos war ein schneeblonder Junge zu sehen, ich erkannte mich gar nicht wieder. Ich bin froh um jedes Foto, das eine Erinnerung oder eine Vorstellung wecken kann, denn all diese sind Zeugnisse unserer Kultur, selbst wenn diese Aussage für manche Aufnahmen eher grenzwertig erscheint. Jedes Foto oder Video holt für spätere Generationen die Vergangenheit in die Gegenwart und veranschaulicht sie. Man muss nicht mal von Generationen sprechen, ich habe ein wunderschönes Foto-Album mit Fotos vom vergangenen Jahr bekommen. Bei jedem Foto hab ich das Gefühl, dass ich die Vergangenheit wieder fassen kann und alles nochmal erleben kann. Scheinbar kalte, flache Bilder, die für andere Personen überhaupt keine Bedeutung haben, öffnen für mich eine ganze Welt, voller Personen, Gefühle, Geräusche. Dinge, die allein durch diese Bilder auch in Zukunft, noch abrufbar sein werden. Das Zitat „Die Erinnerung ist das einzige Paradies, woraus wir nicht vertrieben werden können“ von Jean Paul kommt mir hier unwillkürlich ins Gedächtnis. Hätte dieser deutsche Literat teilgehabt an den Fortschritten der Moderne mit den Videogeräten, Kameras, dem Internet, so hätte er hinter diese Aussage noch mehrere Ausrufezeichen setzen müssen. Niemand wird uns je aus der Erinnerung vertreiben, wir können uns höchstens selber aus ihr hinausbomben.

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9 Antworten to “Erinnerungsfotos”

  1. Anti Says:

    “Die Erinnerung ist das einzige Paradies, woraus wir nicht vertrieben werden können”

    Können wir nicht? Denke schon, dass das ganz einfach möglich ist, reichtn Trauma für aus 😉

    Kommt immer auf die Fotos an, aber welche, bei denen ich nicht gut fand dass sie gemacht wurden (und das sind die meisten) schau ich mir nachher nicht mehr gerne an…

  2. adulto Says:

    In diesem Bezug muss man wohl sagen, dass mit Erinnerung die kollektive Erinnerung gemeint ist, noch sind ja net alle Menschen dieser Welt traumatisiert. Und selbst wenn jemand ein Trauma hat, es gibt immer noch andere Menschen, die sich an ihn erinnern. Ansonsten kann man wohl nur sagen Ausnahmen bestätigen die Regel.
    Ich denke auch negative Erinnerungen sind es wert im Gedächtnis zu verbleiben, solange sie nicht das gesamte Bewusstsein negativ verändern.

  3. Anti Says:

    Naja sagen wirs mal besser so – nur weil du dich gerne an die Vergangenheit erinnerst, tut das noch lange nicht jeder. Vielleicht viele, vielleicht auch nur wenige, aber sowas kann man nicht verallgemeinern find ich…

  4. Thielus Says:

    kann anti nur beipflichten (hab ich das grad wirklich geschrieben?^^). Manche sagen sich “aus der Vergangenheit lernen“, andere schauen lieber in die Zukunft.

    Von mir gibt übrigends 3 komplette Fotoalben, bis ich ca 8 war, dann hatten wir keine Filme mehr^^. Außerdem wurd ich dann hässlich.

  5. Patrick Says:

    Hey Erinnerungen sind das einzige was wir aus der Vergangenheit mitnehmen – alles andere ist schnöder Mammon bzw. vergänglich – also bleibt mal alle locker. ^^ Nee, Fotos sind tatsächlich wichtig, wir leben ja auch nicht nur in der Gegenwart, wäre ja auch ganz schön langweilig. Hab auch irgendwann wieder angefangen Digi-Bilder im großen Stil zu entwickeln, weil auf CD man sie sich einfach zu selten anguckt, und wenn die Original-Pics wie gehabt bzw. wie es früher war in´nem Album war, schaut man eher noch mal rein.

  6. Anti Says:

    „naja sehts mal so..ohne eure Vergangenheit und Erinnerungen, wärt ihr nicht so, wie ihr heut seid, ihr würdet vllt ganz anders leben oder andere Einstellungen haben…“

    Und? mir ginge es dann deutlich besser.
    Ob man sich gern erinnert hängt damit zusammen woran man sich erinnert. Ich freu mich für jeden von euch, der mit seiner Vergangenheit schöne Erinnerungen verbindet – ich möchte nicht mit Fotos meiner Kindheit/älteren Vergangenheit in Berührung kommen.

    „Aber an schöne Erinnerungen denkt doch jeder gern mal zurück. Praktisch, wenns mit einem Fotoalbum erleichtert wird die Erinnerungen aufzufrischen“

    Ja, wenn die schönen überwiegen, hast du Recht. Aber stell dir vor du schaust in ein Fotoalbum von früher und die ganze Scheiße kommt wieder hoch, glaub mir, es gibt Leute die da gut, sehr gut sogar, drauf verzichten können.

  7. adulto Says:

    Naja, mir persönlich bleibt immer eher das Positive in Erinnerung und Fotos von sehr unschönen Momenten bzw. von Dingen, an die ich mich nicht erinnern möchte, besitze ich nicht. Solche Fotos würde ich mir eh nicht ansehen, insofern sind sie für mich überflüssig, aber Fotos sind doch genau dazu da sich an besondere Momente zu erinnern und nicht an irgendnen Müll, der einen zu sehr belastet. Menschen, die schlechte Erinnerungen haben und ihre Vergangenheit hassen, die werden auch kein schöneres Leben ohne Fotos führen. Wenn die Erinnerungen sooo schlimm sind, dann kommen sie auch so immer wieder zurück ins Gedächtnis, ganz ohne Fotos.

  8. Anti Says:

    Da hast du Recht, aber die Fotos sind durchaus Auslöser dass das alles hochkommt. Von daher jedem das seine was Fotos angeht ^^

  9. Die Erinnerung als Alptraum « Adultos Blog Says:

    […] Erinnerung als Alptraum Ja, ich entsinne mich an einen Blogeintrag, den ich einst schrieb, nachdem ich ein Fotoalbum voller Erinnerungsfotos erhielt. Damals hängte […]

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