„Trueness“ des Visual Kei

Da bezüglich Cinema Bizarre sicherlich bald in der Fan-Szene die Fragestellung aufgeworfen wird, was denn Visual Kei eigentlich ist, möchte ich hier mal meine Meinung äußern (hab gehört, dass wär der Sinn eines Blogs).

Ich denke, dass Visual Kei ein japanisches Phänomen ist, ABER das heißt nicht, dass es nicht auch nicht-japanische Bands geben kann die dieser Musik frönen, insofern sind Cinema Bizarre für mich eine Visual Kei-Band, wenn sie sich denn selber als solche sehen. Ideologischer Grundpfeiler des Visual Kei Rock ist das Outfit, das Äußere, mag vielleicht oberflächlich erscheinen, allerdings steckt weit mehr dahinter. Dadurch dass scheinbar der Style im Vordergrund steht, kann man die Bands nicht in eine Schublade stecken (musikalisch gesehen). Der Visual Kei der 80er und 90er war geprägt durch diese „Geschlechtslosigkeit“ der Bands, die Wurzeln hierfür liegen im 80er Glam-Rock und Hair-Metal, allerdings verliert der Visual Kei seinen Platz in den japanischen Charts seit der Auflösung der Bands X Japan und Luna Sea, Dir en grey können diese Lücke gerade so füllen. Seit der Jahrtausendwende wird der Visual Kei immer mehr zu einer Untergrund-Bewegung, die Bands verkaufen sich gut, aber werden in der Öffentlichkeit kaum noch wahrgenommen. Ehemalige Visual Bands wie Dir en grey oder Mucc betreten erwachsenere Pfade und der Style wird wesentlich düsterer und zugleich dezenter. Die Betonung dieser Bands liegt nun auf der musikalischen Freiheit, man spielt einfach alles. Ein Mucc-Album wird so zur Achterbahn von Metal zu Punk zu Akkustik-Pop.

Man wird jetzt fragen: Wozu braucht man den Style als Grund, um diese Bandbreite zu spielen? Man kann doch auch einfach so musikalisch variabel sein ohne Visual Kei zu sein. Das stimmt und jetzt komme ich zur eigentlichen Rolle des Styles im Visual Kei. Das Outfit wird im äußerst konservativen, reglementierten Japan zur Provokation. Provokation als Folge gesellschaftlich fehlender Akzeptanz oder als Aufruf zur Toleranz und zum Pluralismus. Das hat mich eigentlich fasziniert an dieser Musik-Art und ich bin mir nicht sicher, ob jüngere Hörerinnen überhaupt von dieser kritischen Dimension des Visual Kei wissen.

Dies im Hinterkopf hat mich an Cinema Bizarre etwas gestört. Sie behaupten, die deutsche Musik-Landschaft ist (optisch) zu langweilig und sie wollen wieder den Glamour einbauen. Hiermit mögen sie sogar Recht haben, ABER im Visual Kei geht es nicht primär darum Glamour zu versprühen, dies mag zu Zeiten X Japans und Malice Mizers so gewesen sein, wo der Einfluss des Glam noch sehr stark war. Mittlerweile ist Visual Kei allerdings schon weiter, der Glam tritt zurück, es geht um Freiheit, musikalische Freiheit, Provokation und Aufbegehren. Texte haben demzufolge auch tiefere Dimensionen als die englische Sprache manchmal hergeben mag (insbesondere wenn man ein deutscher Schüler ist).

Ich wünschte mir eine Visual Kei-Band, die aktueller ist, die „japanischer“ ist, in dem Sinne, dass sie sich irgendwie von klassischen, westlichen Bands abheben. Ist alles ziemlich schwer zu verwirklichen, aber Cinema Bizarre ist mir wirklich zu offensichtlich kommerziell ausgerichtet, während der eigentliche Visual Kei in Japan in den Untergrund geht.

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6 Antworten to “„Trueness“ des Visual Kei”

  1. thielus Says:

    ich kenne mich mit der thematik nun wahrlich nicht aus, weder mit der Musikrichtung noch mit der musikalischen Situation in Japan. Aber mal ganz blasphemisch: Wenn sich ein Musikstil über die Klamotten, aber nicht über die Musik definiert, ist das dann überhaupt ein Musik- oder doch eher ein Modestil?

    Abgesehen davon traue ich Bands, die von sich behauptet, „anders“ zu sein und „unkommerziell“, die sowieso nur „der Musik wegen“ spielen, sowieso nicht.^^

  2. adulto Says:

    Naja, ich denke die Bands sind alles Andere als unkommerziell, allerdings muss man sagen, dass es halt nicht mehr so im Trend ist in Japan.
    Das Problem an der Mucke ist ja, dass man irgendwie versucht die Musik einzuordnen und die einzige Gemeinsamkeit ist oftmals nur das krasse Äußere, des weiteren ist nicht mal das Äußere einheitlich, deshalb kann man nicht mal von EINEM Modestil sprechen. Ist halt sehr verzwickt das Ganze. ^^ Allerdings ist das in Deutschland auch kaum zu verstehen, weil die Tradition hier nicht gegeben ist und unsere Gesellschaft nicht so geschlossen ist wie die japanische.

  3. anaki Says:

    Nette Kurzfassung der Thematik. xD Ich fröne der Musik schon seit ca. 4 Jahren, schade ist eigentlich, dass man Visual kei eben nicht direkt mit ein paar Sätzen Außenstehenden erklären kann. Wie du schon meintest, halten die Meisten die ganze Sache für oberflächliches Kinderfasching … du hast es ja schon angerissen. In Japan herrschen ganz andere Verhältnisse. Die Szene, die sich zur Zeit in Deutschland bildet mag mir nicht so wirklich gefallen. Der Japan-Tag wird von solchen dann einfach mal als der Catwalk der Szene interpretiert und diese Cinema Bizare Sache … hm, ich muss ja schmerzlich zugeben, dass sie nanoweise eine Visual kei Band sind aber keine recht authentische in meinen Augen … The Dome? …

    Zur Zeit glaube ich an keinen ‚deutschen‘ Visual kei … bzw. glaube kaum, dass sich das vernünftig entwickeln würde.

  4. anaki Says:

    Ach ja, ganz vergessen. Ich würde mich freuen dich bei http://www.visuboard.de begrüßen zu dürfen. Ein Projekt von mir, das erst seit 2 Tagen online ist. ^_^

  5. panopaea Says:

    Hey

    hab zum Thema visual Kei Fernsehbeiträge gesammelt die ihr auf meiner Seite findet.

    http://www.panopaea.wordpress.com

    Grüße Pan

  6. Visual kei -Gothik Lolitas- « Panopaea Says:

    […] die “Trueness” des “visual kei” könnte ihr euch bei “Adultos Blog” informieren. […]

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