Burakumin

Eigentlich unvorstellbar. Japan eine Demokratie wie aus dem Bilder-Buch mit pazifistischer Verfassung diskriminiert 2 bis 3 Millionen Menschen der eigenen (!) Rasse. Auf diesem Blog habe ich ja bereits dargestellt wie die Zainichi-Koreaner diskriminiert werden (hier) und in diesem Artikel erwähnt, dass sie die größte ethnische Minderheit darstellen. Wenn man sich jetzt fragt: „Höh, was solls denn noch für Minderheiten geben? Religiöse? Politische?“ Faktisch sind die Burakumin ein Produkt der Edo-Zeit, sie existierten außerhalb der Ständegesellschaft (Samurai, Bauern, Handwerker, Händler = shinôkôshô) als isolierte Gruppe.

In der Meiji-Zeit (Restauration des Kaisertums 1868, westliche Reformen, etc.) wurde diese Gruppe rechtlich mit allen anderen Japanern gleichgestellt. Genau wie die Koreaner nach der Annexion Koreas 1910! Und genau wie die Gruppe der Koreaner waren die Burakumin nur auf dem Papier rechtlich gleichgestellt und in Wirklichkeit Bürger zweiter Klasse.

Nun habe ich einen kleinen strukturellen Fehler begangen. Wieso sind die Buraku denn nun eigentlich diskriminiert? Nun, sie gehen aus Menschen hervor, die bestimmte „unreine“ Berufe ausübten (Abdecker, Prostituierte, Schlachter) also quasi alle Berufe, die mit dem Tod oder Unreinheit in Verbindung standen. Diese Berufe waren vererblich, demzufolge wurden auch Register dieser „Unreinen“ geführt (bis in die 1970er öffentlich einsehbar!!!). Die Burakumin sind ziemlich stark gebunden an bestimmte Buraku-Gemeinden, insofern werden sie nach wie vor als Burakumin erkannt und man diskriminiert sie insbesondere im Berufs- und Schulleben. In den großen japanischen Firmen existieren nach wie vor illegale Listen, in denen alle Burakumin aufgelistet sind.

Woher kommt diese Abneigung gegenüber diesen Menschen, sie leisten doch ihren Beitrag für eine funktionierende Wirtschaft und Gesellschaft. Man will nicht in Berührung mit diesen Menschen kommen, weil ihnen quasi der Tod anhaftet und da in Japan das Bild von Geistern und Dämonen noch sehr präsent ist, glaubt man daran, dass es Unheil bringt mit diesen Menschen zu verkehren. Außerdem ist man sich sehr bewusst über die Existenz von Reinheit und Unreinheit, beispielsweise wird der Sumô-Ring vorher von Priestern geweiht und Salz hineingeworfen (reinigende Wirkung). Dieses Bild von Reinheit und Unreinheit war auch der perfekte Nährboden für Rassismus, in dem gesagt wurde, dass Chinesen und Koreaner „unrein“ sind.

Wie kann so etwas in einer modernen Demokratie sein? Vergleichbar ist die Situation am ehesten mit der unreinen Kaste Indiens. Allerdings wird über die Burakumin kaum berichtet, sie werden in Japan einfach totgeschwiegen. Vor meinem Studium habe ich nie von ihnen gehört, obwohl ich mich ja schon für Japan an sich interessierte und viel las. Die Fortschritte in dieser Thematik, die von der japanischen Regierung nach 1945 erfolgten sind absolut unzureichend. Man muss alle Listen, die Burakumin aufzeichnen löschen, die Wohnsitz-Pflicht abkoppeln (selbst wenn man umzieht, kann ja nachgewiesen werden woher man kommt) und den Burakumin ein menschliches Dasein ermöglichen. In einer Demokratie ist das das Mindeste.

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10 Antworten to “Burakumin”

  1. Anti Says:

    Immer dieses Politikgelaber… ^^

  2. adulto Says:

    Ich dachte, dass man sich als Linke schon noch um Menschenrechte schert, mit Politik an sich hat das nichts zu tun, da das ein gesellschaftliches Problem ist, nicht „nur“ ein politisches, da die Politik in diesem Fall Werkzeug der diskriminierenden Gesellschaft ist.

  3. thielus Says:

    naja adulto, hättest du geschrieben, dass diese Buraku (richtig so?) politische Gefangene von der herrschenden imperialistisch-faschistischen Oberschicht unterdrückt werden (beachte die Adjektive), dann wäre die halbe Antifa genau jetzt auf dem Weg nach Tokio, mit ein paar Steinen im Gepäck. So nicht.^^

  4. Patrick Says:

    rofl^^

  5. Anti Says:

    wollte sagen: der Text ist zu lang um ihn um die Uhrzeit zu lesen ^^

  6. thielus Says:

    also anti, jetzt bin ich aber enttäuscht. wenn die faschisten irgendwann die macht übernehmen, kannst du ja auch nicht sagen „hmm, um diese uhrzeit hab ich noch keine lust für die freiheit zu kämpfen“ ^^

    P.S.: Faschisten bezieht sich hierbei auf die geläufige Antifa-Definition: Alles, was weiter rechts steht als die Linkspartei, is faschistisch 😉

  7. Anti Says:

    Ja, darum sind die ja gerad an der Macht Torte, weil ich ausschlafen musste ^^

  8. thielus Says:

    hmm, soll man das so in die Geschichtsbücher schreiben?^^

  9. adulto Says:

    Die Faschisten schlafen nie, deshalb haben die auch immer so ne üble Laune. ^^

  10. thielus Says:

    außerdem frieren sie am kopf. wenn mir kalt ist, bin ich auch immer scheiße drauf

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