Yakuza-Kultur

Die professionellen, japanischen Kriminellen sind allgemein als Yakuza bekannt aber nicht unbedingt gefürchtet. Die Yakuza an sich sind in verschiedenen Banden organisiert, die hierarchisch geordnet sind. Ganz oben steht der oyabun, quasi der Boss. Da die Yakuza ein Produkt der Edo-Zeit (1603-1868) sind, also einer Ständegesellschaft entstammen, sind sie noch sehr traditionell und hierarchisch geprägt und organisiert. Was selbstverständlich nicht heißt, dass sie archaische Kriminelle sind, die sich ausschließlich auf Drogenhandel, Geldeintreibung und Prostitution verstehen. Nein, Yakuza sind im japanischen Immobilien- und Finanzsektor verstärkt aktiv.

Sie werden oft als „japanische Mafia“ pauschalisiert, allerdings ist dies alles Andere als zutreffend, wie ich denke. Yakuza waren (vielleicht vergleichbar mit der Hamas in Palästina!?) eigentlich ein Auffangbecken für die „Wertlosen“ der Gesellschaft und die Leute, die alles verloren hatten oder diskriminiert wurden. Bei den Yakuza konnten diese Menschen sich wieder Respekt verdienen und man fühlte sich in der neuen Familie relativ schnell wohl. Bis 1993 waren die Yakuza nicht mal eine verbotene oder strafbare Organisation, man arbeitete oftmals sogar mit der Polizei zusammen, manchmal auch im Sinne der Bevölkerung. Insofern hatten die Yakuza keinen schlechten Ruf, sie sahen Gewalt oftmals als letzte Alternative und verrichteten ihr illegales Gewerbe meist friedlich und unbehelligt. Eine neue Generation an Yakuza wird aber zunehmend aggressiver und die Anzeigen von Anwohnern über Yakuza-Aktivitäten häufen sich immer mehr. Die Yakuza wandern immer mehr in den Untergrund ab und verlieren den Respekt in der Gesellschaft.

Symbole der Yakuzas waren auffällige Ganzkörper-Tatoos und oftmals auch abgeschnittene Fingerkuppen. Die abgeschnittenen Fingerkuppen kamen daher, dass man hiermit eine Verfehlung sühnte und die Loyalität gegenüber dem oyabun nochmals kenntlich machte.

Ich als großer Fan des japanischen Films bin in erster Linie allerdings Fan des Yakuza-Films. Filme wie „Blues Harp“ (ein schwuler Yakuza schläft mit der Frau des Bosses um den Clan zu übernehmen), „Monday“ (zu verstrickte story^^) und „Postman Blues“, die allesamt stiefmütterlich im Spätabend-Programm des WDR liefen (immer mittwochs um 23:15) haben mir die Welt der Yakuza näher gebracht. Yakuza wurden als Menschen dargestellt, allerdings als Menschen, die fremd waren in ihrer eigenen Gesellschaft und somit oftmals zu sympathischen Verlierern wurden. Die Geschichten waren allesamt mitreißend und meistens tragisch endend, allerdings auch gepaart mit einem ziemlichen Schuss Verrücktheit und Ironie. Regisseure wie Sabu (einer meiner Lieblingsregisseure) machten den Yakuza-Film ganz ohne falsche Romantik in den 90ern wieder kinofähig. Die Geschichten waren so einfallsreich und voller Wendungen, dass man sich die Filme gerne immer wieder ansah, ich konnte mich nicht satt sehen an den bizarren bis grotesken Wendungen mit auferstehenden Leichen, die plötzlich Amok liefen, betrunkenen Geschäftsleuten, die in ihrem Alkoholrausch zu Massenmördern wurden und Yakuza, die ihre abgeschnittenen Finger verloren. Die Geschichten sind so sympathisch, weil sie von Ausgestoßenen erzählen, die eigentlich nicht viel mehr suchen als jeder andere Bürger auch, allerdings ist ihnen der Zugang zur normalen Berufswelt oftmals verwehrt und sie ertränken ihre Sorgen im Suff oder in Gewalt und Blut. Wären die Geschichten nicht so bizarr und komisch, müsste man massives Mitleid mit diesen Leuten haben und genau das ist dann auch die Faszination an den Yakuza-Filmen, sie vermischen das wahre Leben mit der Groteske, vermischen Tragik und Komödie und dabei beweisen diese harten Gangster so viele Gefühle und Menschlichkeit, dass man sich dann doch mit ihrer Situation identifiziert und ihnen nur ein Happy End wünscht. Wie im echten Leben bleiben diese Happy Ends allerdings in der Yakuza-Welt allerdings fast immer die Ausnahme…

Hier der Trailer zu Takashi Miikes „Blues Harp“, von der Musik her einer der beeindruckendsten Filme, die ich je sah, denn dieser Film hat wirklich den Blues.

Also liebe Yakuza, ich bin ein großer Fan eurer Organisation (sie ist wahrscheinlich ehrlicher als die halbe japanische Politik) und ihr braucht wirklich nicht in mein Haus einsteigen (außer es geht um nen Job-Angebot, da bin ich dabei!). I love Yakuza! (Bitte tut mir nichts!)

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5 Antworten to “Yakuza-Kultur”

  1. Patrick Says:

    Blues Harp – Tarantino auf japanisch ?^^ Wenn der letzte Absatz eine Anspielung auf äh irgendwas war: Er war misslungen;)

  2. Anti Says:

    LOL ^^

  3. adulto Says:

    Man sollte Tarantino nicht unbedingt überschätzen, ich denke nämlich eher, dass er seine Inspiration oftmals aus dem japanischen und chinesischen Kino nimmt und bezweifle deshalb dass Regisseure wie Takashi Miike und Sabu sich an Tarantino orientieren, denn 1. fehlen ihnen die finanziellen Mittel Filme wie Tarantino zu drehen, 2. handelt es sich größtenteils um japanische Themen, die man zwar umsetzen könnte, allerdings würde dann der Flair verloren gehen. Filme wie Ichi The Killer, Unlucky Monkey, Monday und Blues Harp sind einfach japanische Untergrund-Filme und das ist auch gut so. Tarantino benutzt einen ähnlichen Stil, aber das ist ja seine Ästhetik, dass die Filme möglichst abgedreht und billig aussehen sollen.

  4. Anti Says:

    @Adam: kennste die Filme von Takeshi Kitano? Hana bi ist n schööööner Yakuza Film ^^

  5. adulto Says:

    yop, ist nen schöner film, allerdings wird der film immer mit feuerblume übersetzt, was mich etwas stört, weil hanabi eigentlich feuerwerk heißt. ^^

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