„Vater, deine Mucke stinkt“

Mit diesem Gedanken bin ich früher oft ins Bett gegangen, denn meine Eltern waren zu Beginn ihres Lebens in Deutschland irgendwie versessen darauf Volksmusik-Sendungen zu hören. In meiner kindlichen Gedankenwelt reduzierte ich sie also auf eine Musik zwischen Kastelruther Spatzen und Brunner & Brunner. Es taten sich in letzter Zeit allerdings vermehrt Risse in dieser verurteilenden Perspektive auf, was mich angenehm unangenehm überraschen musste.

Es hat sich selbstverständlich nicht herausgestellt, dass meine Eltern seit jeher schon dem japanischen Rock frönten und die Volksmusik nur eine musikalische Tarnung war, die ihre wahre Obsession verbergen sollte. Allerdings denke ich mittlerweile, dass die Volksmusik eher dazu diente die deutsche Sprache besser zu beherrschen und weil sie glaubten, dass diese Musik die „deutscheste“ sei, sollte sie ein integrierendes Element für sie sein. Irgendwann haben sie aber auch verstanden, dass sie bayrisch-nationalistisch-faschistoide Hirn-Fick-Mucke hörten und ließen Ende der 90er hiervon ab.

In letzter Zeit redete meine Vater besonders gerne von den Disko-Abenden und der Musik, die sie hörten, also sie noch jung, unverheiratet und in Polen waren. Es ist wirklich verblüffend, dass ein Dorf wie Pustkow (mein Heimatdorf) mit geschätzten 400 Einwohnern eine eigene Disko besaß, obwohl wir nicht mal einen eigenen Supermarkt hatten und nur einen einzigen Bäcker. (Daran hat sich bis heute nichts geändert.) Disko-Mucke an sich ist nur ein kleiner Fortschritt gegenüber Volksmusik, aber immerhin, dachte ich. Irgendwann legte er eine CD ein, die er sich vor kurzer Zeit gekauft hatte, er nahm mich an die Seite und lauschte mit mir. „Sohn“, sagte er nostalgisch, „wegen dieser Band wollte ich früher Schlagzeug spielen lernen.“ Ich entsann mich an eine Story, die er mir mal von meinem Onkel erzählte, der beim Zelten auf seiner neuen Gitarre spielten (ohne etwas zu können), am nächsten Morgen hatten die anderen Jungs die Gitarre um den Baum gebunden, weil sie den Klang nicht mehr aushalten konnten. Das war bis zu diesem Vater-Sohn-Gespräch die einzige Sache, die irgendwer in meiner Familie je mit Musik zu tun hatte.

Ich forschte vor kurzem nach der Band. Ihr Name ist „Orchestral Manoeuvres in the Dark“ und sie sind eindeutig dem New Wave-Genre zuzurechnen, obgleich viele ihre Lieder mäßig erfolgreich waren, gibt es von ihnen etliche Lieder, die ich aus dem Radio kenne und die bisher für mich kein Gesicht hatten. Mir persönlich ist die Musik wirklich sympathisch und ich höre es eigentlich auch ganz gerne mal nebenbei (ist auf jedem Fall besser als Phil Collins oder Westlife = Mutters Musik). Hier das Lied, das meinen damals kinderlosen idealistischen Vater fast dazu bewegt hätte, Schlagzeuger zu werden. (Den Tanzstil des Sängers kenne ich höchstens aus der Psychiatrie ^^)

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7 Antworten to “„Vater, deine Mucke stinkt“”

  1. Leander Says:

    Also ich kenn die wohl auch. Ist definitiv eine der bekannteren Wave Bands. Anti kann dir dazu bestimmt mehr erzählen…

  2. Anti Says:

    Phil Collins ist geil. ^^
    Und das ist eine der wenigen Bands zu denen ich nicht mehr erzählen kann, da kenn ich auch nur ein paar Lieder. Ich find es gibt deutlich bessere Wave Bands – New Order zum beispiel. Blue Monday ist für mich DAS Lied der Wave Zeit ^^

    KA ob ich videos einbinden kann, ansonsten hier nochma der Link: http://youtube.com/watch?v=3duUzBbBmmc

  3. adulto Says:

    Von New Order kennsch glaube nur True Faith oder so, der Rest ist mir unbekannt. OMD sind vielleicht auch schon mehr Synthie-Pop als Wave-Band, aber whatever. ^^

  4. Patrick Says:

    ich kenn nur Wave Race ^^

  5. adulto Says:

    Kennst du auch die Gameboy-Version davon? Die war geil. ^^

  6. Leander Says:

    Die war doch mehr wie Micro Machines oder?

  7. adulto Says:

    Yop, genau. ^^

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