„Nur eine Hausfrau ist eine gute Frau“

Dieses Bild wird in Deutschland Gott sei Dank nur von Eva Herman und ein paar über-konservativen Super-Männern vertreten, während diese Ansicht in Japan durchaus lange Zeit gesellschaftlicher Konsens war und (abgeschwächt) auch noch ist.

Die LDP, meine persönliche Lieblingspartei, die in Deutschland wirklich am ehesten mit der CSU zu vergleichen wäre, hat lange nach feministischen Bestrebungen und Gleichheit der Frau noch das „ie“-System (eine Art Hausgemeinschaft, 3-Generationenhaushalt) im Sinn, welches erstmals politisch angewandt wurde in der Meiji-Zeit (wem das nichts sagt: 1868-1912).

Diese Erkenntnis erwuchs mir aus einem Text zur sozialen Sicherung der Frau und der Familie. Selbstverständlich muss die Familie die Stütze des sozialen Lebens sein, was so viel heißt wie „Vater Staat chillt, Mutter Hausfrau kümmert sich um Alte und Kinder und der Ehemann schafft das Geld heran“. Es ist und war Gang und Gebe, dass die Frauen nach der Heirat sofort im Beruf aufhörten und das Dasein einer Hausfrau zu führen hatten. Ich persönlich wurde ja von einer Hausfrau erzogen, insofern sage ich: Es ist die freie Entscheidung jeder Frau, jedes Mannes im Haus zu bleiben und die dortigen Aufgaben zu erledigen, ich finde die Entscheidung für Job und Haushalt verdienen größte Anerkennung, ABER der Staat darf die Hausfrau nicht zu gesellschaftlichen Institution machen.

So wie in Japan…

Wieso? Klar, der Staat hält sich aus allem heraus und ist in Japan der größte liberale Sack der Welt geworden, alles wurde privatisiert, der Sozialstaat ist vorhanden, aber wird so restriktiv ausgelegt, dass in Wirklichkeit nur sehr wenige Menschen Sozialhilfe erhalten (wenn man keine Verwandten und keinen Job hat, beispielsweise). Die Hauptlast wird den Familien und damit den Menschen und letzten Endes der Frau aufgebürdet. Sie muss sich um die Alten kümmern, denn die Rente reicht kaum um private Pflege-Dienste anzustellen, die barmherzige Tochter erledigt dies. Gleichzeitig hat diese Frau nicht nur die Pflicht einer Altenpflegerin, sondern auch die einer Mutter, wundert sich da noch ernsthaft jemand über geringe Geburtenraten in Japan? Das Bildungssystem erfordert so immensen finanziellen Einsatz, dass der Vater so ziemlich alles in die Bildung seiner Kinder investiert. Der Grund? Ja, die Kinder sollen ihn später einmal versorgen können wenn er alt ist. Ein privater Generationen-Vertrag, der ebenso wie der deutsche gesellschaftliche Generationen-Vertrag zu kippen und zu scheitern droht. Finanziell mehr als 2 Kinder zu schultern ist fast unmöglich. (Kindergeld bekommen nur die bedürftigsten Familien.) Die Frau muss nebenher auch noch die Stütze für den Mann sein, der, so japanisch wie er ist, auf seinen Jahres-Urlaub verzichtet, kostenlos Überstunden schiebt und nicht selten den karôshi stirbt, den Tod durch Überarbeitung.

Wäre es nicht auch einfach einfacher die Frau arbeiten zu lassen? „Wieso denn?“, sagt Vater Staat, „Wir stützen uns auf die Familie als Sozialsystem und Grundpfeiler Japans, die Frau muss ihre Aufgabe für das Kollektiv erfüllen. Außerdem kostet uns die ganzen Sache ja keinen Penny!“ Faktisch betrachtet sind Ehefrauen nur Anhängsel ihrer Männer, sie erhalten die Grund-Rente, auch „Hausfrauen“-Rente genannt, nur wenn ihr Mann seine Rente erhält. Schon beim Amt ist eine Frau nur über einen Mann angemeldet. Heiratet sie einen Mann, gründen sie ein neues Familienregister unter seinem Namen, scheidet sie sich, ist sie wieder im Register ihrer Familie, also ihres Vaters. Heiratet sie einen Ausländer, ist sie nach japanischem Recht nicht mal verheiratet, denn Ausländer führen keine eigenen Register. Irgendwie faschistoid, isn’t it?

Nun, da sich die japanische „Wohlfahrtsgesellschaft“ als nicht mehr tragfähig entpuppt, denn eine Generation kann nicht zwei weitere Generationen und Verwandtschaft unterstützen, entwickelt man selbst in der ach so konservativen LDP Ideen, Frauen doch noch ins Berufsleben zu integrieren. Aber wie? Selbstverständlich nur Teilzeit! Hierbei ist unwichtig, dass die Frauen eigentlich sogar Vollzeit arbeiten, die Bezeichnung Teilzeit bleibt für sie erhalten, da sie so weniger Geld bekommen und der Begriff impliziert, dass sie nebenbei natürlich die gute Hausfrau und Mutter, die Grundstütze Japans, spielen. Erschrocken war ich allein, dass man sich über so etwas gar nicht wundern braucht, wenn nur 0,5 % der Beamten in Staatsdienst Frauen sind!

Ich will mich hier nicht als Feminist oder sonst was outen, aber hey, Frauen in Japan sollten auch Rechte haben. Vor kurzem sprach der Familien-Minister noch von Frauen als „Gebährmaschinen“! Da haben die konservativsten CDU-Leute sogar die Tränen der Trauer in den Augen. Nicht eine Hausfrau ist eine gute Frau, denn nur eine freie Frau ist eine gute Frau. (Auch wenn man Eva Herman einsperren sollte!)

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3 Antworten to “„Nur eine Hausfrau ist eine gute Frau“”

  1. Questico Says:

    Kannst du den einen Punkt ein wenig genauer ausführen:

    Warum gilt eine Japanerin, die mit einem Gaijin verheiratet ist, nicht als verheiratet? Und warum werden solche Japanerinnen in den meisten Fällen sogar noch von ihren eigenen Familien verstoßen, obwohl sie dort doch eigentlich auch als Versorgerin gebraucht wird …?!?

    Würdest du mir dies bitte erklären!

    Danke!

  2. adulto Says:

    In Japan ist es eben so, dass man über Familienregister geführt wird, der Vorstand dieses Registers ist immer der Herr des Hauses. Also entweder der Vater oder der Ehemann. Allerdings können nur Japaner ein Familienregister führen, Ausländer sind nicht über Familienregister kategorisiert, was ergo heißt, dass eine Japanerin, die einen Gaijin heiratet, offiziell noch im Familienregister ihres Vaters, also unverheiratet, ist.

    Wenn man sich ansieht, dass japanische Männer vermehrt Ausländerinnen heiraten und japanische Frauen eher weniger ausländische Männer heiraten, muss man schon davon ausgehen, dass es soziale Diskriminierung gegenüber Ehen mit männlichen Ausländern gibt. Ich würde es so sehen, dass die Emanzipation in Japan noch nicht so „weit“ ist und das Familienregister-System eine gesellschaftliche Diskriminierung von Frauen darstellt.

    Wenn man dazu noch einen latenten japanischen Rassismus unterstellt (bzw. das Gefühl Japaner-Sein ist einzigartig), dann sollte es nicht allzu sehr verwundern, dass die Kombination aus der Unterdrückung der Frau und dem Misstrauen gegenüber Ausländern eine Dynamik entwickeln, bei der der soziale Druck sehr stark wird. Falls die Frau dann noch zum Mann ins Ausland zieht, fällt sie sowieso als Versorgerin der Familie aus. (Vielleicht ist das auch die größte Angst)

  3. Questico Says:

    Also mal wieder rein typisches japanisches Herrenmenschendenken?!

    Aua,
    ich hätte die Japaner an dieser Stelle für aufgeklärter gehalten.

    Ich mag im Prinzip alles japanische. Aber nun erklärt sich mir auch das Folgende: Vor einigen Jahren lernte ich einmal eine ganz hübsche, junge Japanerin kennen. Sie war auf Studium hier in Deutschland an einer Uni! Noch bevor sie den Abschluß hier machen konnte, bekam sie einen Brief von daheim, daß sie bitte wieder nach Hause kommen sollte. Wir waren da schon gut miteinander befreundet, obwohl es nicht zu Intimitäten kam. Jedenfalls war sie keine drei Tage später weg, ohne ihren Kommilitonen oder Freunden Bescheid zu sagen. Nach über einem Jahr bekam dann eine Freundin eine Postkarte vom Shinto-Schrein von ihr (das war für mich schon vielsagend), in dem sie mitteilte, diese Freundin solle ihren Kram, den sie in Deutschland zurück gelassen hatte, unter ihren dortigen Freunden verteilen. Und das es ihr Leid tut, daß sie sich damals nicht mit dem Gaijin (mir) richtig eingelassen zu haben. Sie werde nicht mehr nach Deutschland zurückkommen, es sei etwas familäres.

    Wir haben bis heute nichts mehr von ihr gehört!

    Aber das Thema eignet sich dafür, das du mal darüber einen Artikel schreibst. Ich gehe mal davon aus, daß die Familienregister noch auf die Zeit zurückgehen, als die Shogune das Land beherrschten und einen Überblick über ihre Leibeigenen haben wollten. Immerhin gestattete dies dann natürlich auch, bestimmte eheliche Verbindungen zu fördern, wodurch man sich ein genehmes Ritterhaus quasi heranzüchten könnte.

    Und ich habe echt gedacht, Japan wäre da schon weiter …

    MfG

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