Kuchiki no tou (朽木の灯) – Das japanische „Black Album“

Dieses Werk war meine erste Berührung mit der japanischen Band „Mucc“(ムック), eine von 2 japanischen Bands, die ich live sehen durfte. Kuchiki no tou war der Höhepunkt einer Entwicklung, die Mucc seit ihrer Gründung durchmachten.

Mit jedem Album der Band wurde ihr Stil ein wenig härter und aggressiver, die Melodik ging ihnen trotzdem nie verloren. Sänger Tatsurou wird oftmals gar eine Affinität oder eine Sing-Art nachgesagt, die an japanische Volkslieder erinnern mag. Wenn man wie ich hunderte Stunden das Album Kuchiki no tou genießt, fällt das anfangs nicht auf, aber sein Gesang ist schon nicht der eines zerstörenden, übermännlichen Rock-Stars, sondern viel mehr eigenartig melodisch, melancholisch, anspruchsvoll und intensiv.

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Ich muss ehrlich zugeben, dass ich mir Kuchiki no tou aus Langeweile zulegte und tatsächlich war ich in dieser Zeit noch nicht mit so überharter Musik vertraut. Das einzige Lied, was mich von Anfang an begeistern konnte, war „Oboreru Sakana“ (Ertrinkender Fisch), ein Lied mit anfänglicher Akkustik-Gitarre und einer Gleichgültigkeit in Tatsurous Stimme, die absolut entgegengesetzt ist zum Inhalt des Liedes, indem es darum geht, vom eigenen Leben zur Todessehnsucht oder Lebensüberdruss getrieben zu werden. Der Rest der Lieder war mir anfangs schlichtweg zu hart und ich bereute den Kauf bereits, als ich nach Polen fuhr und mich so sehr langweilte, hörte ich das 69 Minuten lange Album mehrere Male in kompletter Länge durch. Wirklich es war herrlich, diese Wut, diese Verzweiflung. Trotz Siebensaiter-Härte fand man immer mehr Melodien, die einen runterzogen wie Blei, die aber doch so wunderschön schwarz waren. Es gibt wirklich keinen einzigen Durchhänger auf diesem Album, es ist eindeutig ein Konzept-Album und als solches großartig gemacht, mit den beiden gleichnamigen Liedern zu Beginn und zu Schluss, die das selbe Schlagzeug und die selbe Anfangs-Gitarre beinhalten. Das Album beginnt und endet mit „Kuchiki no tou“, das Album klingt in jedem Augenblick nach diesem Titel, der übersetzt „Die Asche des verfaulten Baumes“ heißt. Das Album spielt in jedem Lied den Hörer zu Asche, so dynamisch und hart wie die Riffs sind, wird schnell klar, es geht in diesem Album um mehr als pure Lust zur Härte. Es geht um eine Botschaft, negative Gefühle und gleichzeitige Sehnsucht nach einem Licht (das Zeichen für „tou“ hat eigentlich die Bedeutung Licht). „Kuchiki“, der verfaulte Baum, das ist der Mensch, der von seiner Umgebung, seinen Erlebnissen und seiner Trauer zerfressen wird, von innen, bis er stirbt und zu Asche wird. Kann allein ein Album-Titel so schön und pessimistisch zugleich sein? Es geht nicht darum welchem Genre dieses Album zugerechnet werden kann, es ist ein Spiegel der Künstler, ihrer inneren Gefühlslage, zerfressen von Selbstzweifel und Enttäuschung. Die Band stand kurz vor dem Aus, außerdem gab es Todesfälle bei Freunden und Familie. Dieses Album war persönlich, schmerzvoll und ehrlich.

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Mag es nicht denselben außergewöhnlichen Status haben wie Metallicas „Black Album“ so ist es doch gleichsam ein Meisterwerk der modernen, japanischen Musik-Geschichte. Lieder wie „Daremo inai ie“ („Haus, in dem keiner ist“, Zitat: „Häuser in denen niemand ist, locken Kinder herein“; „Wer auch immer die Augen schließt, ist allein“), „Rojiura boku to kime e“ (Zitat: „Der Junge, der seine Finger verlor, kann sich nicht mehr an Liebe und Träumen festhalten“; „Alles wird zu Asche, auch Liebe kehrt zurück in die Asche“) und „Monokuro no keshiki“ („Einfarbige Landschaft“, Zitat: „Eine Zukunft verdeckt von einer einfarbigen Landschaft, vollende sie jetzt“) sind absolute Höhepunkte des Albums, wobei das die Qualität der anderen Lieder in keinster Weise schmälern soll, das Album funktioniert als Einheit. Man wird langsam hineigeleitet und die Botschaft spitzt sich bis zur Aussage „Watashi wa ikiteimasuka?“ (Existiere ich?) im Abschlusslied „Kuchiki no tou“ zu, die als emotionaler Höhepunkt des Albums gesehen werden kann, die Hinterfragung der eigenen Existenz, das Verneinen jeglichen Seins, die Sinnlosigkeit der Welt, all das manifestiert sich in dieser Frage.

Eben jenes Lied steht auch für alles Negative in Mucc’s Vergangenheit und wird daher auch wie der Titel schon impliziert zu Asche. Es ist eher selten, dass dieser emotionale Höhepunkt in jüngster Zeit noch gespielt wird, obgleich viele andere Lieder von „Kuchiki no tou“ auf Lives gerne noch gespielt werden. Hier aber trotzdem Mal ein Live-Mitschnitt, der den Beginn des „Budokan 666“ darstellt. Die genannte, zentrale Stelle findet sich bei Minute 7 dieses Videos.

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