Wie der Spiegel die Atombombe verharmlost

Es ist nicht verständlich wie der Spiegel in einer seiner letzten Ausgaben die Anzahl der Opfer des Atombomben-Abwurfs auf Hiroshima runterspielte. Es wurde ernsthaft behauptet, dass der Tod durch die Atombombe kurz und schmerzlos geschah und es quasi keine oder unbedeutend niedrige Opferzahlen Wochen nach der Bombe gab. Die Strahlenkrankheit wurde verharmlost als eine Art atomarer Mythos. Es schien fast so, als wolle der Spiegel die atomare Aufrüstung forcieren, denn meiner Ansicht nach ist die Grausamkeit der Atombombe fast beispiellos. Eine derart unmenschliche Waffe dann so zu verharmlosen ist nicht akzeptabel. Über die genauen Zahlen lasse sich durchaus diskutieren, aber Langzeitfolgen quasi gänzlich auszuschließen ist fahrlässig.

Ich persönlich lese augenblicklich Masuji Ibuses Buch „Schwarzer Regen“, ein Werk, das in Form von Tagebüchern die unmittelbare Zeit bei und nach Bombenabwurf beschreibt. Der Protagonist leidet selbst nach einem Jahr noch an der Strahlenkrankheit und kann nicht schwere Feldarbeit durchführen, da die Krankheit sonst ausbrechen könnte. Die Auswirkungen, die die Bombe an sich hatte, werden oftmals beschrieben. Die schlimmste Szene des Buches ist sicherlich, als der Protagonist im Zug (voller Flüchtlinge) eine Frau mit einem Rucksack entdeckt und sie dann darauf zornig anspricht, dass das Kind, dass sie in diesem Rucksack mitträgt doch in der Enge hier ersticken wird. Daraufhin erwidert die Frau nur, dass das kein Problem sei, denn das Kind sei bereits tot, sie bringe es nur in die Heimat um es zu beerdigen. Daraufhin erzählt sie, wie der Säugling durch die Druckwelle, die der Bombe folgte, gegen die Wand geschleudert wurde, schließlich lag das Kind in einer Hängewiege, von der sich eine Seite löste. Das Kind war sofort tot. Sie fing daraufhin an zu weinen.

Ich denke, der liebe Spiegel-Redakteur, der diesen verharmlosenden Artikel verfasste, sollte mal Masujis Buch lesen. Denn es ist anders als man es erwartet. Die japanische Zivil-Bevölkerung wird nicht als kriegsverrückt und fanatisch geschildert, sondern als halb verhungert und verzweifelt. Die Zahl von 700 Toten, die an den Spätfolgen starben, ist einfach so unrealistisch niedrig, dass sie wohl aus chinesischen Programm-Papieren oder so stammen müsste.

Die Japaner haben ein Recht darauf, dass ihre Opfer ebenso geehrt werden, wie die Opfer der japanischen Armee in Asien. Schließlich waren die wenigsten Opfer der Atombombe Militärs, es waren Zivilisten, 10 % aller Toten waren koreanische Zwangsarbeiter. Eine Atombombe ist genau wie der Krieg, es gibt keine große Unterscheidung. Opfer sind Opfer, selbst „intelligente“ Waffen treffen Zivilisten. Krieg ist also etwas, worunter die Zivilbevölkerung am meisten leidet. Die Atombombe ist die höchste Perversion der menschlichen Kriegsführung, schließlich sind selbst die Kurz-Folgen, die Menschen nach tagelanger Qual dahinraffen, schlimmer als bei jeder anderen Waffe. Daher war ich auch selbst verdammt geschockt vom Spiegel, merke: Glaub nicht alles, was in der Zeitung oder im Spiegel steht.

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5 Antworten to “Wie der Spiegel die Atombombe verharmlost”

  1. Leander Says:

    Haste nen Link zum original Artikel?

  2. adulto Says:

    Leider ist der Original-Artikel nur online zu lesen, wenn man wat bezahlt. Spiegel halt. ^^

  3. Peter Says:

    Ich denke, der liebe Spiegel-Redakteur, der diesen verharmlosenden Artikel verfasste, sollte mal Masujis Buch lesen.

    Sicher? Nur das? Mir fiele da noch etwas anderes ein…

  4. thielus Says:

    gehe ich recht in der annahme, dass, wenn der artikel in der süddeutschen, taz oder neues deutschland erschienen wäre, hier die aufregung gegen null gehen würde? hauptsache mal wieder mit dem spiegel gefechtet. abgesehen davon ist die „linke zeitung“ natürlich der inbegriff der neutralität. ^^

  5. adulto Says:

    Naja, süddeutsche, taz und neues deutschland wurden nicht von der iranischen regierung gekauft. ^^ nee, die „linke zeitung“ dürfte man an sich nicht allzu ernst nehmen (am ende ne aufforderung auf die straße zu gehen???), aber im endeffekt kann ich den restlichen darstellungen in diesem artikel nur zustimmen, hätte gern den original spiegel-artikel angeben können, aber die kapitalisten-säcke verlangen unfaire 50 cent! ^^ geht halt darum, dass der spiegel doch eigentlich für investigativen journalismus steht, aber so investigativ muss das auch wieder net sein. ^^

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