Bitte bleib nicht

Wie ich beim Aufstehen ganz leise bin, damit du nicht aufwachst, obwohl du längst nicht mehr da bist und der Platz neben mir leer ist. In meinen Fieberfantasien versuche ich dich zu greifen, obwohl du zu Luft geworden bist. Ich sehe mich um, will wissen, wo ich bin. Ich habe wohl wieder zu viel getrunken, die Tatsache, dass du weg bist, habe ich hinabgespült in die Tiefen des Rausches. Meine Augen starren auf die leere Stelle im Bett. Plötzlich erscheinst du, ich kann dich greifen. Du öffnest zärtlich verschlafen deine Augen und siehst mich an, diese Nähe und dein müdes und zerbrechlich leichtes Lächeln zerschlagen mein Herz, denn das Schlimmste, das es gibt, ist nicht, dass man sich trennt, sondern sich trennt, obwohl man sich liebt. Ich kann es nicht ertragen, der schläfrige Glanz in deinen Augen und deine süße Berührung halten mich wach, obwohl ich schlafen will. Ich kann dir nicht sagen, dass es mir leid tut, ich bin leer. Leere Menschen produzieren nur noch leere Worte. Ich kann dir nichts mehr sagen oder Gefühle zeigen, denn du bist nur ein Traum. Ich will dich berühren, doch meine Hand greift die trockene Luft, während salziges Wasser meine Wangen streift. Die Erinnerung ist zu schön, deshalb greife ich zur Flasche um alles zu vergessen, irgendwann werde ich mich selbst vergessen haben, aber dich nie, egal wie oft ich dir im Traum zuflüster: Bitte bleib nicht…

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3 Antworten to “Bitte bleib nicht”

  1. Miss*P Says:

    wow.. auch wenn das angesichts der worte der falsche ausdruck scheint. Du kannst toll schreiben.. mitreißen.. Deine Worte werden sozusagen spürbar.. erlebbar.. auch oder vielleicht gerade weil es wie ein -freischwimmen- der seele erscheint ..

  2. Peter Says:

    Wenn ich einen Verlag für semikitischige Kummergeschichten hätte, du hättest glatt eine Festanstellung … 😉
    Aber schön geschrieben. Echt.

  3. adulto Says:

    Mit „semikitschig“ kann ich leben. ^^ So nen ellenlangen Groschenroman würd ich nämlich nie hinkriegen. ^^
    „Freischwimmen“ der Seele ist vielleicht wirklich der richtige Ausdruck, weil ich nie ohne Anlass etwas schreibe, sondern immer irgendeinen Startpunkt habe, der oftmals in der Realität verankert ist. Danke für die nette Kritik. ^^

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