Die Geschichte vom Studenten

In der dunklen Wohnung leuchtete nur das bläuliche Licht des Laptops, der einsame Student schaute hypnotiziert auf einige Zahlenkolonnen, die auf dem Bildschirm flimmerten. Sein Herz raste wie ein Shinkansen auf der Strecke Ôsaka-Tokyo und seine Augen glitten maschinenartig über die scheinbar sinnlosen Folgen von Zahlen. Er strich sanft über den kalten Bildschirm und verfolgte die Linie einer ganz bestimmten Zahl.

Von seiner Matrikelnummer zur Note waren es nur wenige Zentimeter und doch waren es Welten zwischen Hoffen und Bangen. Die Note, die bei der Abschlussprüfung von Japanisch III für ihn heraussprang war eine 2,0. Nicht schlechter, nicht besser, einfach nur gut. Der ungläubige Student rieb sich die schwachen Augen, er hatte entweder mit einem schlechteren oder einem besseren Ergebnis gerechnet, nur nicht mit dieser undankbar nichtssagenden Note, die ihn hängen ließ wie eine nicht gebrauchte Marionette. Weder Euphorie noch Depression machten sich breit, ein Gefühl des Nichts floß durch das kleine Studentenzimmer. Ein Gefühl war da, aber dieses Empfinden war so ungreifbar wie Nebel und so saß der stille Student starr vor dem bläulichen Licht und glotzte.

Dieses undankbare Ergebnis konnte weder Ehrgeiz noch Lethargie wecken, der Student war sich bewusst, dass er den Exklusiv-Club der Einser-Studenten verließ und nun irgendwo auf weiter Flur alleine stand. Er wollte zurück in die First Class, nicht in die Zweite Klasse abgeschoben werden, denn die zweite Klasse war das Höllentor zur dritten Klasse oder nennen wir es besser den „Frachtraum“. Schlimmer dran waren da (bildlich gesprochen) nur die Leute, die sich als blinde Passagiere irgendwo reingequetscht haben.

Dem armen Studenten wurde in der endlos langen Zeit, die er so starr saß, klar, dass er sich selbst in den Arsch treten musste, notfalls müsste ihm eben wer anders in den Arsch treten und sei es der Döner-Mann an der Ecke. Nichts braucht es mehr als ein paar ordentliche Arschtritte, derer er sich allerdings spätestens bei der Rückkehr nach Hause sicher sein könnte. Als ihm dies bewusst wurde, musste der arme Student ganz bitterlich weinen…

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4 Antworten to “Die Geschichte vom Studenten”

  1. Miss*P Says:

    also das hier ist alles andere als frachtraum.. dieses post, mein lieber, ist definitiv first class! und wegen der arschtritte drücke ich dir die daumen.. es gibt gewiss jemand, der das gern übernimmt *;)

    hast Du übrigens interesse an einem stöckchen? könnte mir gut vorstellen, dass dir eine passende bodenlose geschichte dazu einfällt *;)

  2. adulto Says:

    stöckchen? bahnhof? ^^

  3. Miss*P Says:

    schau einfach auf meinen blog. unter bodenlos.. deine gedanken zu dem wort.. also geschichte. .gedicht. lyrik. prosa.. das was dir gerade dazu einfällt.. auch einfach ein stichpunkt oder oder *;) und dann an zwei personen deiner wahl weiterwerfen .. ein spaßiges unterfangen mit aha-effekt ,)

  4. skriptum Says:

    Der Stöckchenwurf von Miss*P hat mich auch hier hergeführt. Und ich muss sagen, dass mir die Geschichte vom Studenten durchaus gefällt. Nur dass sie sicher nicht endet, wenn die Studentenzeit vorbei ist. Aber dann werden die Tritte anders. Manchmal geschmeidiger und manchmal landen sie direkt in der Magengrube.

    Und manchmal bleiben sie auch aus ;o)

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