Sayounara

Sayounara, aishita taisetsu na hito, erklingt es aus dem Mp3-Player, den ich eigentlich einschaltete, um mich von allem abzukapseln. Irgendwann begann ich japanische Musik zu hören, weil es mich nervte immer den Text verstehen zu müssen. Ich wollte Musik um der Musik willen hören, doch nun war ich soweit gekommen, dass ich auch Teile der japanischen Musik verstand.

Sayounara war ein Wort, das jeder Mensch verstand. Doch was darauf folgte in diesem gleichnamigen Lied des Sängers Gackt war „Lebwohl, du wertvoller Mensch, den ich liebte.“ Hieß Sayounara nun Auf Wiedersehen oder Lebwohl? In diesem Falle letzteres, aber das ist ja keine Zwangsläufigkeit, dachte ich. Ich schaltete einfach das nächste Lied in meinem Mp3-Player ein. Es folgte Sherry von Sads, Sherry ist eigentlich nen spanischer Wein oder so nen Kack, oder?

Sherry, sono toki koete, sayounara. Und wieder tauchte dieses Lebwohl auf, am Ende des Liedes mindestens tausend Mal, dass mein Kopf zerspringen wollte. Ich drängte durch die Menschenmassen und kam mir vor wie ein Fremdkörper in einer homogen eintönigen Welt. Ich drängte und ich wollte niemanden berühren, denn es war mir als würde mich jede Berührung mit diesen Menschen zu Eis erstarren lassen. Wo waren die Menschen geblieben, die in mir ein warmes Gefühl hinterließen? Sie waren alle nicht gekommen zu meiner Abschiedsfeier. Jeder hat begonnen sein eigenes Leben zu leben, jeder wurde zu einem kalten Rädchen in der großen Maschine Welt. Ich war die Ausflüchte und Entschuldigungen satt, ich mochte nicht mehr belogen werden.

Aber irgendwie war ich auch selbst Schuld. Immer wenn ein Mensch mir sein Vertrauen schenkte, hab ich es missbraucht. Ich wäre wohl auch nicht so gern mit mir selbst befreundet gewesen. Wenn mir der kleine Finger gegeben wurde, musste ich gleich die Hand abbeißen, denn der Satz „Beiß niemals die Hand, die dich füttert.“ war für mich so sinnlos wie bedeutungslos. Jetzt war es nur noch Musik, die mich begleitete, aber irgendwie passte das alles nicht, ich schaltete einfach ein wenig weiter und hielt beim Lied Requiem von The Back Horn. Das passte doch irgendwie. Sterben, einfach sterben. Aber dazu war ich einfach zu feige, ich gab die Tasche ab und schaute mich nochmal um. Niemand war da. Irgendwie wär es komisch gewesen, dass sich die Leute, vor denen ich eigentlich davonlief, bei mir verabschiedeten. Ich stieg in den Flieger. One-Way nach Japan, der Mp3-Player hielt beim Lied Lonesome von Ellegarden. Cause the world is lonesome enough to me, the world is crazy enough to me, it keeps turning round and round and leaves me behind, I say: the world is lonesome enough.

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Eine Antwort to “Sayounara”

  1. Leander Says:

    Adam, ganz ruhig, du hast noch über nen Jahr Zeit bis es soweit ist, falls du nen Platz kriegst.

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