Stammtisch in der Bahn

Hartmut Mehdorn Eine unbekannte Person hat sich zu unser aller Bedauern irgendwo in Duisburg aufe Gleise geschmissen, naja, wer will auch in Duisburg wohnen. Zumindest wurde meine Zugfahrt so um 90 Minuten verlängert. In Düsseldorf drängte sich zahllose Fans der Kölner Haie um irgendwie nach Köln zu kommen (war aber gesperrt), als ich in Düsseldorf ankam, herrschte Progrom-Stimmung. Kein Wunder, die DEG Metro Stars haben gegen die Homo-Kölner 4:1 verloren.

Bis ich jedoch in Düsseldorf ankam, durfte ich Platz nehmen neben zwei älteren Damen aus Essen. Diese waren so gesprächig, dass sie sich ihre ganze Lebensgeschichte erzählten. Stammtisch deluxe, weil so viel Scheiße da aufkam, dass ich fast auf meine Bücher gekotzt hätte. Eigentlich wollt ich ja lernen, aber naja, als die Alte dann anfing die Geschichten ihres Großvaters (also 10 Generationen vor mir…) aussem 2. Weltkrieg zu erzählen, musste ich zuhören, auch wenn ich nicht wollte. Der Typ is mit seinem Kumpel allein aus Sibirien nach Deutschland gelatscht oder so. In diesem Zusammenhang fielen so Sätze wie „Die Russen haben die Leute im Wasser stehen lassen mit ner Stulle Brot.“ (Russische Interpretation von Brot und Wasser) „Aber ich hab gehört, die tschechische Gefangenschaft war die schlimmste, da wurden Menschen gefoltert.“ Ja, dachte ich nur, klar, die Deutschen waren wenigstens so human und haben alle gleich erschossen und in die Gaskammern geschickt. Wenn ich da mit NSDAP-Parteibuch durch Sibirien laufe, rufen die einem nicht unbedingt „Oh, ein Freund!“ zu.

Irgendwann wurde dann auch das Thema „Integration“ angesprochen, woraufhin absolut glaubwürdige Aussagen getroffen wurden wie „In der nächsten Generation solls ja schon mehr Muslime geben als Deutsche, das liegt ja an der Geburtenrate.“ Alles klar, Oma, schade, dass Osama Bin Laden das nicht gehört hat, der hätte sich nen Ast gefreut.

Gut, dass Herbert noch dabei saß, Herbert schmiss alle 15 Minuten mal einen konstruktiven Beitrag ein, der von den Frauen nicht weiter beachtet wurde, weil nicht polemisch genug. Als sie fragten: „Herbert, bist du denn rassisch rein arisch?“ wollte ich ja schon mit der Faust zum Gegenschlag gegen Adolf Hitlers Gespielinnen ausholen, jedoch antwortete Herbert: „Ich bin Westfale, is mir doch egal.“

Woraufhin die eine mutmaßte, dass (da ihre Oma so religiös war!) ihre Oma ne Affäre mit nem Priester hatte. Einfach ma so aus der Luft gegriffen, jeder weiss ja, was da so in der Dienstags-Messe so abgeht, wenn nur ein paar verzweifelte Frauen da sind. Ebenso wurde gemutmaßt, dass amerikanische Soldaten 1945 Milzbrand-Erreger ins Wasser kippten, „weil es ja so viele Milzbrand-Fälle gab“. Es war unglaublich, eigentlich zum Sterben traurig diese endlose Blödheit in diesem Alter. Irgendwann hatte meine Folter ein Ende und ich hätte am liebsten losgeschrieen wie der Türke da: „Fickt euch alle, ich kann das net mehr sehen!“

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3 Antworten to “Stammtisch in der Bahn”

  1. Peter Says:

    Aua. Aua. Aua.

    Beim nächsten Mal sag denen, dass sie bloß ihre Fresse halten sollen, du seist Jude und würdest alle Nazi-Faschos judgen und zu Frikadellen verarbeiten und die in Mügeln und Frikadellen verkaufen.

    Oder so.

    Vielleicht auch einfach überäugen.

    (Ich erschiess dich aufm Parkplatz .. )

  2. thielus Says:

    mich hat in der bahn mal nen älterer herr mit russischem akzent angelabert, der mir weismachen wollte, er würde sein leben lang vom „deutschen geheimdienst“ (welcher von den 50 weiß ich nich) verfolgt werden und eben jener nicht näher definierte geheimdienst, der in verprügelte und sonden einsetzte, würde verhindern, dass er in steinheim eine wohnung kriegen würde. der war cool – fast so cool wie der alte mann, der behauptet, über marburg würde ein unsichtbares russisches luftschiff kreisen (mit atomwaffen), welches seine energie aus unseren steckdosen stielt und versucht, mithilfe von grafittis unsere gesanken zu kontrollieren.

  3. Leander Says:

    Mich hat heute jemand gefragt, ob der Zug Horn oder so fährt.. aber ich glaub da gibts garkeinen Bahnhof

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