Something called „Klo-Deckel“

Kaum ist es passiert, dass sich meine finanzielle Situation wieder entspannte, schon geht die halbe Bude zu Bruch. Gerade bin ich noch im Treppenhaus einem Nachbarn begegnet. „Hey, sag mal, ich bin hier neu eingezogen, dieses Haus ist auch wirklich in Ordnung?“ „Ja, es geht, ist kein Problem hier.“ „Weil meine Tür voller Bierflecken war und stank.“ „Achso, naja, nen paar Asis wohnen doch schon hier.“ „Ja, ich war bei dem einen Nachbarn hier…seitdem hab ich echt Angst. Aber hier ist noch keiner umgebracht worden oder?“ „Nein, bisher wurde hier noch keiner umgebracht.“ „Alles klar, danke Mann, hau rein.“ „Yo, du auch.“

Schon war der nette studentisch aussehende Kerl mit Ziegenbart raus aus meinem Blickfeld. Erstaunlich, dass das das erste nennenswerte Gespräch mit einem Nachbarn war. Ich merk mir mal die Wohnung, scheinbar kann man mit dem Kerl ganz gut saufen… äh ich meine „reden“(muss ja meine Vorbild-Funktion erfüllen). Naja, ich kam vorher eigentlich vom „Saray“, meinem Lieblings-Döner-Restaurant am Hauptbahnhof Düsseldorf. Dort hab ich todesmutig mal wieder nen großen Döner-Teller mit Reis hinuntergeschlungen (ohne zu ersticken!). War ja auch net allein da, mein guter alter Tee trinkender Atombomben-Kumpel (sorry, Insider) Iwan hat mir Gesellschaft geleistet. Und so redete ich ihn zu. „Ey, Iwan“, sagte ich, „mein Klo-Deckel ist kaputt, einfach abgebrochen.“ „Was ist ein Klo-Deckel, ich kenne nur Klo-Brillen.“ (Anmerkung: Die Toiletten in seinem Wohnheim scheinen mehrheitlich keine Klo-Deckel zu besitzen.) „Ja, der Deckel halt, der ist ab.“ „Aber die Klo-Brille ist noch dran, oder?“ „Ja…“ „Also was laberst du hier, Mann? Eine Klo-Brille reicht.“

Diese bedeutungsschwangere Metapher, dass man sich auch mit weniger zufrieden geben sollte, überkam mich wie das Völle-Gefühl nach dem großen Döner-Teller. Zu was für einem Bourgeois war ich eigentlich geworden, dass ich mich über meinen verlorenen Klo-Deckel aufregte? Mir blieb nur noch ein weiteres Mal den Zeitungsausschnitt, der Marx zitierte, mehrmals durchzulesen um wieder auf proletarischem Boden zu stehen. Vielleicht sollte ich meinem neuen verzweifelten Nachbarn den Klo-Deckel schenken, als Verteidigungs-Instrument um aggressive Penner niederzuschlagen.

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3 Antworten to “Something called „Klo-Deckel“”

  1. Miss*P Says:

    bourgeois hin oder her.. ich find klo-deckel existenziell .. *;)

  2. Peter Says:

    (In meinem Wohnheim gibt es auch Klodeckel, tolles Wohnheim also 😉 ..)

  3. adulto Says:

    Puh, ich sehe mich konfrontiert mit der kapitalistischen Gehirnwäsche der letzten Jahrzehnte im Unrechtsstaat Deutschland. ^^ Erstmal wird das Kapital in Bier und Alkoholika investiert, danach ließe sich über einen Klo-Deckel sprechen. Klo-Deckel sind Opium für den Arsch! ^^

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