Ein Sonntag mit „ihr“

Bisher hab ich ihren Namen nicht in meinen Blog-Einträgen genannt und ich denke, dass dies auch das erste und letzte Mal sein wird. „Sie“ heißt Inga und war über 1 1/2 Jahre meine Freundin und die Person, die mich wohl am besten kennt. Vor 1 1/2 Monaten habe ich Schluss gemacht, obwohl ich sie liebte, aus Gründen, die ich nicht noch näher erläutern will. Samstag rief sie mich nach langer Funkstille an und wollte mich Sonntag treffen. Obwohl ich das nicht wollte, überdachte ich meine Entscheidung und fuhr Sonntag doch hin, um sie in einer Kur-Klinik in Bad Oeynhausen zu besuchen.

Motive für meine Handlung? Ich hatte das Gefühl, dass sie mich brauchte und weil ich sie noch immer liebte, fühlte ich mich irgendwie auch ein wenig verantwortlich, dass ihre Gesundheit nicht durch meine sture Blockade in Mitleidenschaft gezogen wird. Sie erhoffte sich vom Treffen Fortschritte für ihr weiteres Leben, ich war überzeugt Rückschläge zu erleben. Letzten Endes bestand an einer Sache für mich kein Zweifel: ich würde nicht mehr mit ihr zusammen kommen.

Tatsächlich fühlte ich noch ein Gefühl der Liebe, als ich sie sah, aber gleichzeitig wurde mir auch klar, dass ich sie unmöglich mit ganzem Herzen lieben könnte, zu viel war für mich geschehen, zu viele Erinnerungen waren wie in Stein gemeißelt in meinem Gedächtnis. Das Vertrauen und den ernsthaften Glauben, ich könnte mit ihr vielleicht den Rest meines Lebens verbringen, dies war zerstört worden, als sie innerhalb von 2 Wochen 2 mal mit mir Schluss machte. Dass sie mir nicht vertrauen konnte und mir deshalb einfach Verbote erteilte, belastete mich zu Ende der Beziehung zusätzlich. Ich habe eigentlich nur darauf gewartet, wann sie das dritte Mal Schluss machen würde.

Letzten Endes brach ich meinen Schwur, niemals mit ihr Schluss zu machen und verlebte daraufhin Wochen in Trauer und Alkohol. Sonntag nun war ich wirklich bemüht, hasserfüllt und gemein zu wirken, aber irgendwann hat sie mich einfach gehabt. Schon beim ersten Kuss wusste ich, dass es ein Fehler war hergekommen zu sein, beim letzten Kuss dachte ich, dass es ein Fehler war ihr Hoffnungen zu machen, obwohl ich das nicht wollte. Ich hätte lügen müssen, wenn ich gesagt hätte, dass ich sie nicht mehr liebe. Gleichzeitig war ich mir bewusst, dass ich ihr nie wieder ein guter Freund sein könnte, weil ich so viele Dinge nicht vergessen konnte und weil sie es verdient hatte jemanden zu lieben, der aufrichtiger und liebevoller ist als ich.

Sie weinte sehr viel, tatsächlich wollte sie alle Brücken hinter uns abreißen und einen Neu-Anfang wagen. Natürlich hab ich mich auch nicht immer ehrbar verhalten und Scheiße gemacht, aber letzten Endes wollte ich schon in der Beziehung die Vergebung dafür, die sie mir nicht gewähren konnte. Ich hasse sie nicht, aber ich konnte nicht einfach so mit halbem Herz oder wegen ihrer Tränen wieder mit ihr zusammen sein, das wäre gegenüber dem, was wir „Liebe“ nannten, nicht gerecht gewesen. Letzten Endes gewährte ich ihr auch ihren „Letzten Wunsch“ nicht, da die Fahrt nach Bad Oeynhausen eigentlich schon so etwas wie der zweite letzte Wunsch war. Ich wollte nicht dort übernachten um übernächtigt um 5 Uhr morgens in den Zug zu steigen, nach Düsseldorf zu fahren ohne Hausaufgaben. Allerdings was ich am wenigsten wollte… ihr Hoffnungen machen.

Sie ließ mich nicht los, ich riss mich fort und sie warf mich aus dem Zimmer. Ich war wütend, wirklich sauer, aber als sie sich zusammenriss und doch noch am Bahnsteig auftauchte, küsste sie mit dem letzten Kuss einfach alle Wut weg. Ich war erst um Mitternacht zu Hause und hatte Kopfschmerzen, außerdem blieb da ein eigenartiges Gefühl, dass ich nicht beschreiben kann. Es war alles anders gekommen als gedacht, schließlich habe ich für mich nochmal klar gemacht, dass es nicht mehr geht und ich bin auch überzeugt davon, dagegen war die starke Inga, die ich mal liebte, irgendwie ganz weit weg. Dass so eine Schönheit mich weinend darum bittet wieder mit ihr zusammen zu sein, eigentlich doch ein Traum, oder? Für mich wurde dieser Traum von einem Leben mit dieser wunderbaren Person, an die ich mich gerne erinnere, nicht wahr.

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2 Antworten to “Ein Sonntag mit „ihr“”

  1. Peter Says:

    Dave, Dave, Dave, was soll ich dazu schreiben, vielleicht am Besten nichts? Ich will jetzt nicht mit diesem ewigen „Kopf hoch“ ankommen, das hast du vermutlich schon allzu oft gehört und das scheint auch nicht zwingend zu passen. Und generell sind ja Ratschläge auch Schläge.

    Also: Ertränk dich nicht weiter. In vino veritas est – aber nur kurzzeitig.

    (Ein Schlag reicht.)

  2. adulto Says:

    In Zeiten des Studiums und des Beschäftigt-Seins verliert der Alkoholkonsum seine Attraktivität für mich. Auch wenn ich drüber nachdenken sollte „in vino veritas est“ als Leit-Motto für ein zukünftiges Leben im Kloster zu gebrauchen.

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