Die Erinnerung ist stärker als alles oder: Fujii Fumiyas „True Love“

Im Jahr 1993 veröffentlichte das Pop-Idol Fujii Fumiya seine Ballade „True Love“, dieses Lied versank nicht in der Versenkung, denn es wurde zu einem Klassiker für die japanische Pop-Musik der 90er, denn es war ebenso Titellied des J-dorama „Asunaro Hakusho“. 2003, exakt 10 Jahre später, stolperte ein junger, unwissender Driburger namens Adam Jambor mehr durch Zufall über dieses Lied und es wurde zu einem der ersten Lieder, die er jemals komplett auf Japanisch hörte. Lieder wie eben jenes „True Love“ wurden zum Grund, wieso ich die japanische Sprache von ihren Lauten, von ihrer Melodik so schön zu finden begann. 2008, nach einiger Zeit des Zynismus und der Leugnung jeglicher Form von Liebe, wurde eben jenes Lied zufällig wiederentdeckt und zu einem ersten Schritt zurück ins normale Leben ohne Hass, Selbstzweifel, Leugnung.

Furikaeru to itsumo kimi ga waratte kureta, kaze no you ni sotto. (振り返るといつも君が笑ってくれた、風のようにそっと。) Schon die ersten Zeilen des Liedes erhellten mich. Die Übersetzung bei Youtube ist ungenau, genauer übersetzt heißt es: „Wenn ich mich umdrehte, lachtest du immer für mich, so sanft wie der Wind.“ An anderen Stellen wäre die Übersetzung: „Ich vertraute nur dir und ich verletzte nur dich.“ „Ich schaue immer nur dich an. Es gab leider immer nur dich.“ Textzeilen, die ich vorher nie hätte übersetzen können. Musikalisch faszinierte mich die wirklich dominante und einfach-geniale Gitarrenstimme und die zahlreichen Gitarrenmelodien. Ich weiss nicht, ob es typischer Massenwaren-Pop ist, aber wenn es so wäre, dann wäre dies meiner Ansicht nach ein qualitativer Ausrutscher nach weit oben.

Der Anfang des Liedes weckte in mir ein eigenartiges, kaum beschreibbares Gefühl der Melancholie mit positivem Einschlag. Nennen wir es also Nostalgie. Ich denke, dass sich der Mensch wohl allzu viel einbilden kann. Er kann sich einbilden, dass früher alles schlecht war, dass früher alles gut war, dass früher alles anders war. Ich konnte mir lange Zeit einbilden, dass früher alles daraus hinauslief, dass ich nur noch mit Hass und Gleichgültigkeit auf die Vergangenheit zurückblicke. Im Endeffekt wird mir keines meiner Gefühle auferlegt, ich bin frei mir auszuwählen wie ich die Welt sehe, wie ich die Erinnerung am Leben halte. Ich denke mein Leben ist eh zu kurz, um es im Suff und Hass zu ertränken, vielmehr sollte ich mich an das Schöne erinnern. Nostalgie… ich will nichts verklären, aber wir sehen alles subjektiv. Es gibt keine Objektivität, besonders nicht in der Welt der Erinnerungen und Gefühle. Aber wieso sollte ich die schlechten Seiten sehen, wenn es doch auch so viel Schönes gab.

Klar, wenn ich beim Lied daran denke, wie ich mit 16 war, dann kommt mir in den Sinn, wie ich mich in mein Zimmer schloß, Musik hörte und Gedichte verfasste oder vor mich hin depressivierte. Aber wieso sollte mir nicht das Gefühl von Zuneigung und Liebe im Sinn sein, wenn ich doch zu dieser Zeit meine erste Freundin hatte. Ich war damals schon so zerfressen von Selbstzweifel und Misstrauen, dass ich nicht mal bemerkte, welche Art von Gefühl ich doch von ihr geschenkt bekam. Es gab eine Person, die das alles dann änderte, bei der ich das Gefühl hatte, dass ich mich fallen lassen kann, mich fallen lassen muss, für die ich auch mal Selbstzweifel und Misstrauen beiseite schieben sollte. Aber als es endete kam alles wieder. Selbstzweifel, Zynismus, Hass, Misstrauen, ich vermischte alles mit Alkohol und hoffte, dass es dann nicht so bitter schmecken würde. Doch schon am nächsten Morgen wusste ich, dass ich mich nur vor mir selbst versteckte. Von den Erinnerungen übermannt, blieb mir immer nur die gleiche Flucht.

Es ist eigenartig, ich bin kein Nostalgiker und trotzdem denke ich nun an mein bisheriges Leben mit einem Lächeln zurück. Ist es nicht irgendwo scheißegal, dass ich so viele Menschen unterwegs einfach zurückließ? Es ist nicht scheißegal, aber ich ließ sie zurück und trug sie doch (so kitschig es klingt) weiterhin mit mir. Ich bin noch lange nicht so weit zu sagen, dass ich Ahnung vom Leben hätte, aber von Tag zu Tag scheint mir, erfahre ich Neues und ordne es ein. Das Gefühl etwas lange Verschollenes wieder herauszuholen aus den Aktenordnern meines Lebens, es zu entstauben und zu sehen, dass es glänzt und dass der Staub nur aus negativen Erinnerungen bestand, die irgendwann von mir weggewischt werden wollten, dieses Gefühl lässt mich lächeln. Wie Fuji Fumiya es eben in jener Zeile ausdrückte: „Wenn ich mich umdrehe, sehe ich dich für mich lachen, wie der sanfte Wind.“ Wenn ich mich umdrehe, sehe ich so viele Menschen, die für mich gelacht haben, dass ich keine Angst mehr vor der Zukunft habe. „Wir träumen von einer weit weit entfernten Zukunft“ um es mit den Worten des „True Love“-Refrains auszudrücken.

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3 Antworten to “Die Erinnerung ist stärker als alles oder: Fujii Fumiyas „True Love“”

  1. sui fēng Says:

    わあー、この曲はとても巣晴らしよね!好きだね。ありがとう!本当に! 😀

  2. Leander Says:

    Wiedereinmal breite Zustimmung bzw. Übereinstimmung meineseits

  3. adulto Says:

    Um mal den japanischen Kommentar ganz oben für alle Leser zu übersetzen. „Wow, dieses Lied ist so wunderbar, nicht wahr? Ich liebe es. Wirklich vielen Dank.“

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