Einsamkeit

Ich liege einfach nur da und es ist, als würde ich alle Einsamkeit der Welt in mich saugen. Dieses Gefühl entsteht nur in meinem Kopf, das weiss ich. Es ist am nächsten Morgen verflogen. Ich fühlte es früher schon, als ich noch gar nicht wusste, was das Gegenteil von Einsamkeit überhaupt war. Doch was ist Einsamkeit? Ich starre aus dem Dachfenster dem leuchtenden Mond entgegen und philosophiere über die Welt. Das Foto, von dieser Person, die ich nicht mehr kenne, schimmert leicht und lächelt mich an. Ich weiss nicht, was ich außer Einsamkeit fühlen soll. Es ist falsch glücklich zu sein und es ist falsch traurig zu sein und beide Dinge haben nur ein Ding gemeinsam: die leere Einsamkeit.

In meinem Kopf gibt es eine kleine Fabrik, die Gefühle produziert. Es fällt nur so schwer zu steuern, wann ich mich wie fühlen soll. Manchmal versinke ich in Melancholie, mal lache ich mit der Sonne um die Wette. Kurzzeitig hätte ich mir fast eingeredet, dass ich erst jetzt einsam bin, aber damit würde ich eine Lüge unhinterfragt als Wahrheit übernehmen. Die Wirklichkeit sagt mir, dass ich mich oft einsam fühlte, dass es unabhängig davon ist, ob du jemanden liebst oder nicht, einsam fühlst du dich trotzdem manchmal. Dieses Gefühl wird nie ganz verschwinden, denn es dient dem Zweck die Momente in trauter Mehrsamkeit (wenn auch unbewusst) intensiver zu genießen.

„Du fehlst hier“ ist ein Satz, denn sich Liebende, als auch früher mal Liebende sagen können. Wenn du einen Menschen brauchst, ist er oft nicht da, aber im Endeffekt ist diese Situation unvermeidlich. In dem Moment, in dem ich den Mond anbete wie ein mondsüchtiger Schwachkopf, tun das viele Andere auch, dass man mit seinen Gefühlen nicht allein ist, sollte doch ein Gefühl der Gemeinsamkeit befördern, oder? Trotzdem liebe ich es in Selbstmitleid zu vergießen, mich der alten Zeiten zu ergötzen und darüber hinaus einfach aktiv einsam zu sein, nicht weil es tatsächlich so ist, sondern weil ich dieses Gefühl spüren möchte. Wäre ich jedes Mal einsam, wenn ich alleine wäre, müsste ich mich wohl (fast) jede Nacht in den Schlaf weinen, tatsächlich ist es nicht so. Ich bin einsam, weil ich dieses Gefühl fühlen will, wenn ich das matte Foto sehe, will ich nicht denken: „Ach, wie schön.“ und Ende. Nein, ich will eine Zeitreise unternehmen, alles verklären, eine Zeit des „Niemals allein“-Seins erschaffen, doch tatsächlich fühlte ich mich damals nicht anders als heute. Ich spiele in einer Seifenoper, die ich mir selbst erschaffen habe. Vielleicht ist mein Leben einfach langweilig, vielleicht hat Einsamkeit auch wirklich reale Gründe und ist nicht ausschließlich ein Konstrukt meiner Gedanken. Gibt es Einsamkeit ohne Gefühle? Meiner Ansicht nach nicht. Ich schaue zum Mond und denke: Einen einsamen Moment gibt es dann doch. Der Tod.

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Eine Antwort to “Einsamkeit”

  1. Frau*Seltsam Says:

    herrlich..danke für dieses niederschreiben!!! in genau den momenten entstehen die dinge, die ich schreibe und ganz oft denke ich, eigentlich leide ich und koste diese gefühle aus, weil sie mich auf eine gewisse art lebendig fühlen lassen und weil ich jede noch so kleine sekunde dieser -einsamkeit- auskosten kann..

    einen schönen gruß an den mond *;)

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