Fußballpatriotismus

Ja, Nationen sind Konstrukte. Diskursiv erzeugte Konstrukte sui generis. Aber wie meine Professorin mal sagte: „Das ändert nichts daran, dass es identitätsstiftende Konstrukte sind.“ Wer also Nationen in Frage stellt oder Patriotismus verdammt, verweigert Menschen auch einen Teil ihrer Identität. So lange Nationalfahnen eine positive Grundstimmung tragen, ist gegen ein wenig nationale Identität nichts einzuwenden. Am Beispiel Deutschlands zeigt sich meiner Ansicht nach ein Patriotismus gegen den man eigentlich nichts haben kann. Alle 2 Jahre, wenn Schland mal wieder bei einer EM oder WM auftrumpft, werden die Flaggen und Trikots rausgeholt. Irgendwie grenzt man sich damit zwar von anderen Personengruppen ab, die sich nicht als „Deutsche“ sehen, aber wie Jäger in seinem Lösungsvorschlag für eine multikulturelle Gesellschaft appelliert, müssen Nationen und Kulturen nicht immer zusammenhängen mit Konflikt. Blödsinn wäre es Nationen abzuschaffen, weil man sich davon eine multikulturelle Gesellschaft ohne Grenzen verspricht. So lange auch beim Fußballpatriotismus ein gewisses „Grenzverhalten“ zwischen den Kulturen erhalten wird, kann es zum friedlichen Dialog und Verständigung kommen.

Wenn ich mit Deutschland mitfiebere und bei jedem Tor laut brülle, dann hat das weniger was damit zu tun, dass ich nationalistisches Gedankengut hege oder ich den Fußball als friedliche Variante des Kriegs sehe. Eher ist es so, dass ich mich mit diesen Spielern verbunden fühle, weil wir die gleiche Öffentlichkeit teilen. Daran scheitert meiner Meinung nach aktuell auch die europäische Integration, es wird einfach keine europäische Öffentlichkeit geschaffen. Ich bin einer deutschen Mannschaft einfach näher, weil ich über sie mehr Informationen habe, als über die polnische, ungarische oder sonstige.

Schauen wir uns doch mal die Spieler Deutschlands an: Odonkor, Kuranyi, Klose, Podolski, Gomez. Meiner Ansicht nach ist das deutsche Team alles andere als ein deutsches Team, das meine ich aber nicht negativ, sie sind kein deutsches Team im Sinne des rassistischen Diskurses. Sie spiegeln meiner Ansicht nach das neue Deutschland wieder, die Einwanderergesellschaft, die Aussiedlergesellschaft, eine multikulturelle Gesellschaft. Das nationale Team ist gelebter Multikulturalismus. Im Gegensatz zu Polen gibt es keinen Aufstand, wenn ein dunkelhäutiger Spieler in der Mannschaft ist (damals war dies so bei Olisadebe vor der WM 2002), es gibt keine Anfeindungen und die deutsche Flagge ist nicht Symbol des typisch Deutschen, sondern der Verschiedenartigkeit und Vielfalt der hiesigen Gesellschaft geworden. Also lasst die Menschen ruhig feiern, um Nationalismus sollten zumindest wir uns dabei keine Sorgen machen.

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Eine Antwort to “Fußballpatriotismus”

  1. thielus Says:

    100% Zustimmung. Schlaaaand.

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