Weiße Flagge in schwarzer Nacht

Langsam schlendern wir durch die Nacht. Ich lenke mich ab, so gut es geht. Immer wieder sprechen wir darüber, was uns bedrückt, über unsere Erinnerungen und über unsere Zukunft. Ich habe trotzdem schon wieder vergessen dir „Danke“ zu sagen. Die Uferpromenade ist gesäumt von Menschen, die zueinander gehören. Wir gehören irgendwie auch zueinander, aber nicht so wie die andern. Wir gehören zueinander, weil wir getrennt sind von den Menschen, die wir liebten und vielleicht noch lieben. Ich kann deine Gedanken nicht lesen, aber ich denke, dass du mir einen Teil deiner Gedanken nicht sagen kannst. Der Teil, der dich selbst nur verletzen würde.

Vielleicht hast du mit der Liebe schon abgeschlossen, auch wenn deine Wunden noch frisch sind. Bei mir sind die Narben nach langer Zeit wieder aufgerissen, doch du sagst, dass ich mich nicht darum kümmern soll. „Die Zeit ist wie ein Fluss, du schwimmst nie 2 Mal durch den gleichen Fluss, die Strömung ändert sich. Es wird nie wieder so wie früher.“ Bist du verbittert? Ich bin es nicht, aber trotzdem hast du irgendwie recht.  Wir sind keine schlechten Menschen, wir werden nur für schlecht gehalten, schon Kurt Cobain sagte: „Es ist besser gehasst zu werden für das, was man ist, als geliebt zu werden für das, was man nicht ist.“ Was ist aber in dem Fall, wenn wir gehasst werden für das, was wir nicht sind. Das Einzige, was wir machen können, ist verzweifeln, uns in unseren eigenen Erklärungen winden und dabei doch chancenlos zu sein gegen die Übermacht des Misstrauens.

Diese Stadt ist so schön bei Nacht, doch ergreift uns trotz unseres Lächelns immer wieder Melancholie. Als würde die Schwärze der Nacht auf unsere Seelen abfärben. Zumindest ich möchte mich fast in dieses Schicksal ergeben. Ich möchte in diesen Fluß steigen und darin ertrinken. Dann brauch ich mich nicht mehr wehren. Mit diesen Gedanken starre ich auf den schwarzen Fluß, du klopfst mir auf die Schulter und lachst laut. Für einen Moment kehrt das Leben zurück in meinen Körper. Vielleicht sind wir freie Menschen, wie du sagst, aber manchmal denke ich doch, dass wir nur Sklaven unserer Erinnerung sind. Sollen wir aufgeben oder weitermachen wie bisher?

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