Der Herr gibt’s, der Herr nimmt’s

Es gibt Tage, an denen man gerne Bilanz zieht und wo könnt ich besser Bilanz ziehen als beim Abendessen, meiner einzig verbliebenen großen Mahlzeit? Nun ja, da war der Sonntag Abend, die Fahrt nach Hause, ins geliebte Düsseldorf. Als ich in Altenbeken umstieg, dachte ich kurzzeitig, ob ich nicht Halluzinationen hätte. Dort stand tatsächlich die fundabare Funda mit ihrem Koffer voller Essen und Klamotten. Meine türkische Kommilitonin kam aus dem Harz vom Besuch bei ihren Eltern und beschloss daher in Altenbeken umzusteigen. Vollmundig versprach ich ihr ein Essen auszugeben, falls wir wieder ne Stunde in Hamm stecken würden, tatsächlich kam es wieder zu „Störungen im Betriebsablauf“ wie es bei der Bahn so schön heißt. Also musste ich das Portemonnaie zücken und die Pommes mit Bratwurst und Cola notgedrungen und zugeleich voller Freude ausgeben.

Funda mit vollem Bauch

Funda mit vollem Bauch

Da nahm’s der Herr, wie der Titel des Artikels suggerieren soll. Der Herr gab mir aber auch wenigstens unterhaltsame Gesellschaft, sodass man durchaus davon sprechen kann, dass ich trotzdem Gewinn machte an diesem Abend.

Montag war dann das Abendessen ins „Naniwa“, einem Düsseldorfer Restaurant mit japanischer Küche, verlegt worden. Die gute Tzu-Yu wollte (musste?) sich bei mir in Form einer leckeren japanischen Nudelsuppe bedanken (da gab’s der Herr) für meine tatkräftige und lohnende Unterstützung bei der Ausarbeitung ihres Referats zu multikulturellen Diskursen. Dass dies nicht gerade ein Zuckerschlecken war, mögen folgende Dialoge verdeutlichen:

Adam: „Rassistischer Diskurs.“
Tzu-Yu: „Häh?“
Adam: „Rassistischer Diskurs.“
Tzu-Yu: „Häh?“
Adam: „Rassistischer Diskurs.“
Tzu-Yu: „Achso.“

Adam: „Tzu-Yu hast du diesen Abschnitt verstanden?“
Tzu-Yu: „Ja, alles okay.“
Adam: „Wow, kannste mir den erklären, ich hab den Text zwar zusammengefasst, aber diese Stelle versteh ich nicht.“
Tzu-Yu: „Äh, nein…“

Adam: „Wo treffen zwei verschiedene Diskurse aufeinander? Nehmen wir mal Taiwan und China als Beispiele. Ihr denkt, dass ihr ein eigener Staat seid, aber China denkt, dass ihr Teil Chinas seid.“
Tzu-Yu: „Wir sind aber ein eigenes Land.“
Adam: „Ja…..und da kommen wir auch schon zu den Konflikten, die entstehen, wenn verschiedene Diskurse aufeinander treffen.“

Adam: „Tzu-Yu, ich bin doch sowas wie dein Tandem-Partner (Sprach-Partner).“
Tzu-Yu: „Tandem? Deutsch-?“
Adam: „Naja, okay, Deutsch-Chinesisch würd’s wohl net bringen. Deutsch-Nix-Tandem halt.“

Tzu-Yu und Diskurse

Tzu-Yu und Diskurse

Letzten Endes war’s zwar anstrengend, aber lohnenswert, die Suppe hat geschmeckt und Tzu-Yu und ich plauderten beim Essen heiter über die Welt und die Zukunft.

Heute Abend war dann Rojo an der Reihe mich zum Essen einzuladen. Grundlos wie mir schien, aber naja, ich denke mal, dass er mich einfach ein wenig ablenken wollte. Bei einer herrlichen türkischen Bohnensuppe (Zitat Iwan: „Furzen!“) mit Salat, Reis und Fladenbrot im Anadolu (es gibt auf der Welt nirgends so viele marxistische Intellektuelle in einem Dönerladen wie da) unterhielten ich und Rojo uns wieder über die Philosophie der Liebe, Marx, unser alltägliches Leben, unsere Zukunft und tranken dabei noch ein wenig Tee. Zum Abschluss gönnten wir uns noch ein Alt im Schumachers. Danach war ich so pappsatt und aufgebläht, dass ich bei einer Achterbahnfahrt sicherlich meinen kompletten Mageninhalt geleert hätte.

Rojo und ich vor einem Rolls Royce

Rojo und ich vor einem Rolls Royce

Der Herr gibt’s und der Herr nimmt’s. Vielleicht ist es nen altbackenes Sprichwort für Rentner, die noch regelmäßig in der Kirche weilen, aber ich finde, dass es oft zutrifft. Der Herr hat mir wunderbare Menschen mit an die Seite gegeben, die mich in jeder Situation unterstützen und der Herr hat mir Menschen genommen und wird sie mir in Zukunft auch wieder nehmen, aber so ist das Leben. Es gibt keinen Überfluss an wahren Freunden und wohl auch nie einen Mangel, die Menschen verändern sich und mit ihnen verändern sich die Menschen, die einen umgeben. Man erweitert seinen Horizont, man lernt ganz neue Aspekte des Lebens kennen, vielleicht ist es kein Gott oder kein Schicksal, die das veranlassen, aber manchmal fragt man sich, ob man selbst wirklich so ein gutes Gespür für seine Freunde hatte.

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