Die Droge

Du hast mich einmal gefragt, was der schönste Tag in meinem Leben war. Es war heute vor 2 Jahren, dachte ich. Lange dachte ich so. Der Spiegel fragte mal den Sänger „Clueso“, was denn sein schönster Tag des Lebens gewesen sei. Er antwortete: „Noch bin ich nicht tot.“ Er hat recht.

Heute vor 2 Jahren hatte ich meinen ersten Drogenrausch, doch genau heute wurde mir der Spiegel vors Gesicht gehalten. Es war schön, die Abhängigkeit, das Glück, ich dachte nicht an ein „danach“. Ich dachte nur daran, wie ich immer mehr bekommen könnte, mehr von der Droge. Ich hatte mich so an den Rausch gewöhnt, dass ich schon fast vergessen hatte, welches Glück ich doch immer in den Händen hielt. Irgendwann gewöhnt man sich an alles, doch nun sagst du mir, dass ich nichts mehr von der Droge bekommen kann. Ich sehe meine leeren Hände, ich möchte weinen, ich möchte schreien, ich möchte es nicht verstehen.

Es bereitet mir körperlichen Schmerz, der Entzug wird dauern. Ich sperre mich in meine Wohnung, doch manchmal, wenn es regnet, gehe ich hinaus und lasse mich durch den Regen rein waschen. Erst fror ich im kalten Regen, doch dann war es, als würde er alles fortschwemmen. All mein Schmerz war vergessen und jeder Regentropfen ließ mich fühlen, dass ich lebe. Ich will und kann nicht mehr weitermachen. Die Droge hat mich erst zerstört, als ich sie nicht mehr haben konnte. Sie hat mich zerstört, aber jetzt will ich wie Phönix aus der Asche aufsteigen und mein Leben in den Griff bekommen. Es soll hinter mir liegen. Das Leben soll mir zum Rausch genügen. Jeder Tag soll nun so schön werden, dass ich denken kann: Wenn ich diese Nacht sterbe, habe ich den schönsten Tag meines Lebens gehabt. Die Droge ist für immer verschwunden, ich will sie nicht mehr sehen, sonst würde sie mich wieder in ihren Bann ziehen, denn meine Droge… meine Droge warst du.

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2 Antworten to “Die Droge”

  1. Peter Says:

    Ich bin auch seit kurzem auf Entzug, und es ist hart.
    Ich glaube, ich kann dich verstehen.

    Schöner Text.

  2. Jona Says:

    Hey,… sowas ähnliches hab ich auch mal geschrieben. Irgendwie wusste ich das Ende schon nach am Anfang.
    Mir gefällts auch.

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