Chungking Express

Der Film „Chungking Express“ des HongKong-Regisseurs Wong Kar-Wai („2046“, „In the Mood for Love“, „Fallen Angels“) gilt als sein Durchbruch im Westen. Der Film schaffte es mit persönlicher Unterstützung Quentin Tarantinos in die westlichen Kinos und verschaffte dem Regisseur eine treue Fangemeinde im Westen. Seine Filme handeln von Liebe und Liebesschmerz, wobei „Chungking Express“ insofern besonders ist, als dass der Film voller komischer Typen und poetischer Betrachtungen der Liebe ist. Man lacht und denkt nach, dieses Kunststück ist ihm danach nicht nochmal in dieser Form gelungen, denn die folgenden Werke waren ernster und verträumter.

Die Hauptdarsteller Kazuki Kaneshiro, Tony Leung und die von mir vergötterte Faye Wong spielen extrem gut. Was ihnen allen gemeinsam ist, ist die Tatsache, dass sie alle verliebt sind. Die zwei Liebesgeschichten, die erzählt werden, sind allerdings nur durch den zentralen Treffpunkt (eine Imbissbude mit geschäftstüchtigem Verkäufer) miteinander verbunden. Die erste Liebesgeschichte ist einfach wunderbar. Kazuki Kaneshiro ist ein Polizist, der am 1. April von seiner Freundin May verlassen wurde. Nach 5 Jahren dachte er, dass dies ein Aprilscherz sei, dann aber kauft er sich jeden Tag eine Konserve mit eingelegter Ananas, weil die seine Ex so sehr mochte. Das Verfallsdatum jeder Ananas Konserve ist dann der 1. Mai (May wie seine Freundin), das ist zwar skurril, hat aber einen ziemlich schönen Hintergrund. „Hat wohl alles ein Verfallsdatum? Auch die Liebe?“, fragt er sich. Auch am 1. Mai hat sich seine Ex immer noch nicht gemeldet, er isst alle 30 Konserven auf und ruft alle Frauen an, die er jemals kannte, sogar ein Mädchen, neben dem er in der 4. Klasse mal saß. Keine hat Zeit mit ihm trinken zu gehen, also geht er alleine Whiskey trinken (um die Verdauung anzuregen). Er entschließt sich, sich in die erstbeste Frau zu verlieben, die in die Bar kommt und fragt als erstes: „Magst du eingelegte Ananas?“ (auf 4 Sprachen, weil er nicht weiss, ob sie Chinesisch kann)

In der zweiten Liebesgeschichte spielt Tony Leung einen Polizisten (die Imbissbude ist irgendwie Treffpunkt für die Bullen des Bezirks), der ebenfalls von seiner Freundin (einer Stewardess) verlassen wird. Faye (gespielt von Faye Wong…) nimmt den Brief, den seine Ex ihm im Imbiss ablieferte an sich und benutzt den Zweitschlüssel, um die Wohnung des Polizisten, in den sie verliebt ist, aufzuräumen. (Der Saustall hatte es aber auch nötig.) Sie tut ihm sogar Schlaftabletten ins Wasser, damit er endlich schlafen kann, tauscht alles aus und entgeht nur knapp dem Polizisten, als er sie in der Wohnung überrascht. Der Polizist hat die skurrile Angewohnheit alle Dinge, in der Wohnung über den Verlust der Freundin hinweg zu trösten. Zum nassen Handtuch sagt er: „Lass dich nicht so hängen, ich weiss, dass es hart ist. Hör doch endlich auf zu weinen. Du bist einfach ein viel zu emotionales Handtuch.“ Zur fast aufgebrauchten Seife sagt er: „Du hast aber stark abgenommen, leg mal wieder zu, hungern bringt doch nix.“ Als er später sieht, dass die Seife von Faye ausgetauscht wurde, sagt er nur: „Hey, du hast aber zugelegt, du sollst dich doch nicht so gehen lassen, tu mal wieder was für deine Figur.“ Als der Polizist Faye dann aber erwischt, verabredet er sich mit ihr im „Kalifornien“ (einer Bar in der Nähe), sie aber fliegt nach Kalifornien und versetzt ihn.

Der Film macht irgendwie Mut, er zeigt, dass es immer weitergeht im Leben. Am Ende haben beide Polizisten ihre unglückliche Liebe überwinden und zu einem neuen Leben gefunden, mit der Hilfe anderer Frauen. Wong Kar-Wai macht es allerdings insofern geschickt, als dass diese neuen Frauen keine sexuelle oder Liebesbeziehung mit den Polizisten eingehen, sondern dass sie als eine Art Wegweiser dienen. Anhand des Putzteufels Faye lässt sich zeigen, Frauen verändern dein Leben, ohne dass du es merkst, aber das muss nicht zwangsläufig schlecht sein. Es kommt halt darauf an, wer diese Frau ist. Der Regisseur lässt ebenso offen, ob die Liebe wirklich ein Verfallsdatum hat, als er Kazuki Kaneshiro sagen lässt: „Wenn meine Liebe ein Verfallsdatum haben sollte, dann soll sie erst in 10 000 Jahren vergehen.“ Trotzdem überwindet er den 1. Mai und damit May. Ein wunderbarer Film, der tröstet, dich zum Lächeln bringt und dich nachdenken lässt. In seiner Form auf jeden Fall einzigartig und ohne Vergleich.

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3 Antworten to “Chungking Express”

  1. Anti Says:

    Oh ja der Film ist supertoll 🙂

  2. Deciso Says:

    Kam der Film in Deutschland bzw gibt es den auf deutsch? wenn ja wo weiß jemand was?

  3. adulto Says:

    Der Film kam selbstverständlich auf Deutsch heraus und ist ganz easy bei Amazon.de zu finden und zu bestellen.

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