Sprachenpolitik nach dem Massaker in Ruanda

Laut einem Artikel, der von mir augenblicklich sehr gern gelesenen JapanTimes, hat Ruanda die offizielle Schulsprache von Französisch zu Englisch gewechselt. Nun, was soll uns das stören? Die Gründe hierfür sind meiner Ansicht nach wirklich interessant. Nach dem Massaker der Hutu an den Tutsi (sehr gut aufbereitet im 3-fach Oscar-nominierten Film „Hotel Ruanda“), bei dem ca. 800 000 Tutsi und moderate Hutu getötet wurden, griff Uganda ein und stürzte das von Frankreich unterstützte Hutu-Regime. Es ist doch erstaunlich wie so eine Nation wie Frankreich, das Land der Französischen Revolution und der demokratischen Nationsidee, in den 90er Jahren noch einen Völkermord tolerieren konnte. Bisher war die Schulsprache zu 90 % Französisch, wie kann man also plötzlich die Sprache ändern?

Die Erklärung ist ganz einfach. Weder Französisch noch Englisch sind in Ruanda Alltagssprachen, sie werden nur für den Eintritt an einer Universität oder für den Kontakt mit dem Ausland für nötig gehalten. Lediglich 7 % der Bevölkerung sprechen fließend Französisch (obwohl es Schulsprache ist) und nur 3 % fließend Englisch. Also entschied sich die Regierung nun Englisch als Schulsprache zu übernehmen, was im Zeitalter der Globalisierung sicherlich keine schlechte Idee ist. Hinzu kommt natürlich die angespannte Beziehung zu Frankreich seit dem Massaker von 1994 und die Tatsache, dass die meisten ostafrikanischen Länder (also Nachbarn Ruandas) Englisch als Amtssprache führen.

Sprachen haben Einfluss auf unser tägliches Lebens, sie konstruieren unsere Wirklichkeit. Desweiteren haben sie Einfluss auf unsere Psyche, für viele Opfer des Holocaust ist die deutsche Sprache eine Qual. Man versucht sie zu vergraben und versteckt zu halten, aber dann bricht sie doch durch. Sprache kann unterdrücken, wenn man beispielsweise die türkische Sprachpolitik gegenüber den Kurden nimmt. Oder als weiteres Beispiel die Einführung der japanischen Sprachen in den Kolonien Korea und Taiwan. Die Festlegung Englisch als Schulsprache einzuführen ist absolut willkürlich, denn es hat nichts mit der Alltagssprache der Hutu und Tutsi zu tun. Trotzdem ist es interessant zu beobachten wie die Sprachpolitik Einfluss auf das Leben der Menschen nehmen kann.

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