Postman Blues

Der Film „Postman Blues“ des japanischen Regisseurs sabu (Künstlername seit er mal einen gleichnamigen Yakuza spielte, eigentl. Hiroyuki Tanaka) ist meiner Ansicht nach eines der besten Werke, das man aus Japan kennt. sabus Filme sind jetzt nicht Mainstream-Kino, die Geschichten zwischen Tragik und Komik irritieren den Zuschauer, weil man nicht weiss, ob man es lustig finden soll, was da passiert oder ob es nicht eigentlich einfach unfassbar grotesk ist. So ist „Postman Blues“ ein absolut typischer sabu-Film, über vieles muss man lachen, bevor man am Ende, ob der Tragödie weinen möchte. Der Film handelt von einem Postboten (gespielt vom genial-verrückten Shinichi Tsutsumi, der auch schon in „Monday“ und „Unlucky Monday“ von sabu die Hauptrolle spielte), der durch eine zufällige Begegnung mit einem Kumpel von der High School ins Visier der Polizei gerät. Der Postbote trägt ohne eigenes Wissen, den abgeschnittenen Finger seines Yakuza-Freundes (wenn man bei den Yakuza etwas verbockt, schneidet man sich den kleinen Finger ab) in seiner Tasche mit und zusätzlich noch ein Päckchen mit Drogen, das der Freund in seine Tasche steckt.

Schon kommt der Postbote ins Visier der wunderbar grenzdebilen und paranoiden Polizei. Die fragt sich natürlich, was ein Postbote wohl solange in der Wohnung eines Yakuza macht. Der Postbote wird dann zum Terroristen hochstilisiert, der einfach nur ein „gerissener Bastard“ ist, der sich nur vorgeblich als Postbote ausgibt. Wie die Polizei auf diese Meinung kommt, ist einfach herrlich und meiner Ansicht nach eine wunderbare Niederlage der Logik bzw. Hermeneutik. Mitten in all diesen Turbulenzen zwischen Polizei, Yakuzas und einem Profi-Killer (der eigentlich ganz nett ist) entfaltet sich eine zutiefst traurig-schöne Liebesgeschichte zwischen dem Postboten und einer todkranken jungen Frau, deren Brief der Postbote in einer durchsoffenen Nacht durchliest.

„This is not a funny movie“ steht auf der DVD-Hülle und nach Ende des Films kann man dem zustimmen, denn das Ende wirkt nach. Es liegt im Magen und man entwickelt teilweise einen Hass auf diese bescheuerte Hermeneutik. Der Zuschauer ist Opfer, mit all seinem Wissen, kann er nur zusehen, wie sich die Tragödie weiter steigert. Die Bösen, das sind im Film dieses Mal nicht die Yakuza. Es sind die Polizisten und genau dieser narrative Kniff, verbunden mit so viel Liebe zum Detail und dem Ping-Pong-Spiel von Tragik und Komik, die das Drehbuch so einzigartig machen. Und eine fesselnde Story wie diese, die kommt auch ohne großes Budget aus. Vielleicht gefällt mir dieser Film deshalb so. Weil er ein Feuerwerk der Kreativität ist.

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2 Antworten to “Postman Blues”

  1. Fernseh-Tipp für Heute Abend « Adultos Blog Says:

    […] für Heute Abend By adulto “Postman Blues” von Sabu auf 3Sat um 22:25 Uhr. Dringend […]

  2. Blessing Bell (幸福の鐘) von sabu « Adultos Blog Says:

    […] Regisseurs, der ebenfalls die Filme “Monday”, “Unlucky Monkey” und “Postman Blues” abgedreht hat und den man in das Genre “Yakuza-Film” stecken kann. Allerdings […]

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