Im gleißenden Weiß

Wie ein Vogel mit gebrochenen Flügeln winde ich mich auf dem Boden. Unter dem endlos freien Himmel mit einer gedachten Kette an den Boden gefesselt, kann mir mein einziger Wunsch nie erfüllt werden. Die Sonne scheint, der blaue Himmel ist so unwirklich schön, in meiner zitternden Brust schlägt die Sehnsucht wie ein fanatischer Trommler. Doch das bedeutet alles nichts. Es bedeutet nichts, solange ich nicht fliegen kann. Freiheit muss ein gelebter Traum sein, sonst ist sie wertlos, nur ein Stück Papier, mit dem ich mir ebenso gut den Arsch abwischen kann. Ich hasse es! Mein Hass scheint ein Abgrund zu sein, bei dem man vor tiefster Schwärze den Grund nicht mehr sehen kann. Liebe, Träume, Vertrauen sind die Dinge, die dich an den Rand des Abgrundes führen, weil sie mit dir nur einen harmlosen Spaziergang machen wollen, der damit endet, dass sie dich in den Abgrund stoßen. Das schwarze Monster der Verbitterung und der Rachsucht verschluckt dich und hüllt dich in eine Finsternis ein, in der du die leuchtenden Dinge des Lebens höchstens als kleine, weiße Punkte wahrnimmst.

Ich denke an meine kleinen, weißen Punkte. Das Blau des Himmels ist so unglaublich, denn es leuchtet wie reinstes und ursprünglichstes Weiß. Der Himmel ist mein letzter noch gebliebener kleiner, weißer Punkt. Die Sonne blendet ja gar nicht mehr so sehr, wenn man sie durch eine leere Flasche betrachtet. Zwischen grauen, kalten Wohnhausblöcken, die mich mit ihren willkürlichen Schatten zu fressen drohen, ist die Welt doch nur ein Abgrund. Egal was die Realisten sagen, von hier aus ist der Himmel noch ein Stück weiter entfernt, als von allen anderen Orten. Für mich mit meinen gebrochenen Flügeln ist er eine reale Utopie. Ich liege auf leeren Flaschen und schwimme in alkoholisch verschwommenen Träumen.

Manchmal wünsche ich mir eine Hand aus gleißendem Weiß, die sich aus dem Blau des Himmels zu mir ausstreckt. Wieso eine Hand aus gleißendem Weiß? Na, irgendwoher muss das Leuchten des Himmels doch herkommen, da muss die Quelle doch ein ursprünglich reines Weiß sein. Nur deshalb schlägt mein Herz noch. Nur deshalb zerschlägt es manchmal fast meine Brust. Es will hinaus in den Himmel. Es will sehen, wie aus dem kleinen, weißen Punkt eine gleißend weiße Hand entspringt, die mich aus meinem verkümmerten Leben zieht. Bis dahin aber, bleibe ich einfach liegen und verglühe in meiner Sehnsucht, denn nicht mal mehr Worte, noch Gefühle möchte ich so ganz allein in die Freiheit entlassen.

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5 Antworten to “Im gleißenden Weiß”

  1. Anti Says:

    (stand hier gestern nicht was anderes? *verwirrt*)

    Du klingst traurig Adam, Kopf hoch!

  2. Fanni Says:

    … liegen bleiben und nichts tun bringt Dich nicht heraus aus Deiner Depression. Um das Stück Himmel muss Du kämpfen, jeden Tag aufs Neue, aber wenn Du’s geschafft hast, fühlst Du Dich unglaublich gut.

  3. adulto Says:

    Ich weigere mich ernsthaft zu glauben, dass Glück erkämpft werden muss. Das ist vielleicht die Logik von Selbstmordattentätern, aber ich erkämpfe mir kein Glück, denn das würde voraussetzen, dass ich jeden Tag ohne diesen Kampf unglücklich wäre.

  4. Jona Says:

    ich dachte du bist ein Glückskind???

  5. adulto Says:

    Das sag ich ja. ^^

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