Die Flüchtigkeit des Glücks oder: Taiyou no uta

„Taiyou no uta“ (Lied der Sonne) ist ein ganz wundervoller Film aus Japan, in dem die Sängerin und Songwriterin YUI ein Mädchen spielt, dass an einer Lichtallergie leidet und deshalb nur nachts raus geht, um ihrem liebsten Hobby, dem Gitarre Spielen und Singen, nachzugehen. Irgendwann schafft sie es Kontakt zu einem Surfer aufzubauen, den sie schon seit ihrer Kindheit jeden Morgen vom Fenster ihres Zimmers aus beobachtete. Es kommt nun so, dass sie sich zurückzieht, als er von ihrer Krankheit erfährt, er allerdings nicht locker lässt, weil er durch ihre Stimme so verzaubert ist, dass er ihr unbedingt eine Aufnahme eines Liedes schenken will. Als das Glück nun endlich zum Greifen nah ist, stellt der Arzt fest, dass sich aufgrund ihrer Krankheit die Nervenbahnen langsam abbauen. Sie hat keine Zukunft, aber trotzdem entmutigt das ihren Freund nicht, sie trotzdem weiter zu besuchen und ihr wieder Mut zu machen, damit sie den kurzen Rest ihres Lebens glücklich und nicht in Trauer und Besorgnis verbringt. Glück kann nicht erarbeitet werden, es ist zu flüchtig, aber zugleich ist es unabhängig von der Situation immer möglich.

Es stimmt den Zuschauer traurig, das Ende des Films „Taiyou no uta“ ist voller Lebensfreude im Angesicht der Vergänglichkeit und das ist um einiges grausamer, als die Vorstellung dem Tod trauernd entgegen zu gehen. Vielleicht mag ich japanische Filme wegen ihrer Elegie und Tragik so sehr. Was hätte es YUI gebracht, wenn sie den Rest ihres kurzen Lebens trauernd und zurückgezogen verbracht hätte? Am Ende ist man nur ein Häuflein Staub, umso mehr muss man Carpe Diem leben, solange es irgend möglich ist.

Das Leben an sich ist nichts außer Atmen, Essen, Routine. Es ist nichts Besonderes. Erst durch unsere Wahrnehmung wird es zu mehr als eine bloße Befriedigung von Trieben und Instinkthandlungen. Glück ist ein menschliches Produkt, es ist mehr als nur ein schneller freudiger Herzschlag. Glück erfüllt den ganzen Körper, so wie es Trauer auch kann. Ich glaube, dass man Herr über seine eigene Wahrnehmung sein kann, zumindest in einem kleinen Rahmen, der fürs Alltagsleben absolut ausreichend ist. Marx sagt, dass Besitz und Eigentum Bewusstsein schafft, andere sagen, dass Bewusstsein relativ unabhängig von all dem sein kann. Irgendwo in der goldenen Mitte muss das menschliche Empfinden von Glück sein. Ich bin nicht glücklicher, wenn ich viel besitze, Glück hängt aber trotzdem mit unserer Umgebung zusammen. Glück ist individuell, es kann mich glücklich machen, wenn sich meine Lieblings-Death Metal-Band auf der neuen Platte die Seele auskotzt, ebenso wie es mich glücklich machen könnte, wenn ich einen Bergbach leise plätschern höre.

Es gibt also diese äußeren Umstände. Wenn das Schicksal dir mit Stahlkappenschuhen in die Eier treten will, dann kannst du daran nix ändern und du kannst dein Glück im seltensten Fall konsequent erhalten. Wozu auch? Was sind wir für eine Rauschgesellschaft, als das wir immer glücklich sein müssten? Um das Glück kämpfen? Nein, danke. Gerade Trauer und einige schlechte Tage gehören zur menschlichen Existenz. Irgendeinen Kontrast muss es doch zum Dauergegrinse geben. Irgendwann muss man nur aufwachen, einen ordentlichen Atemzug nehmen und merken, dass man existiert, fühlt, dass es nicht heißt, dass man einsam ist, nur weil gerade keiner in der Nähe ist. Glück ist die schöne Einsamkeit, genau wie Einsamkeit braucht es eigentlich keinen offensichtlichen Grund bzw. keine Logik im Allgemeinen, denn es handelt sich um Gefühle und wer Frauen kennt, weiss, dass Gefühle keiner Logik folgen. 😉

Mich macht genau die Vergänglichkeit des Glücks glücklich, weil ich die Gelassenheit besitze nicht hinter jedem schlechten Tag die Apokalypse zu vermuten. Weil ich mich nicht frage, ob ich glücklich, traurig oder zufrieden sein will oder bin. Weil ich das Leben einfach hinnehme, nein, nicht hinnehme, lebe. Jeder Tag kann dein letzter sein, wieso sollten wir das Leben also ernst nehmen? Oder das Glück? Je verkrampfter man hiermit umgeht, umso mehr Sorgenfalten bilden sich. Manchmal ist einfach schön zu chillen und das Glück rein zu lassen, wenn es anklopft oder dich küssen will.

Goodbye Days – YUI

Ich habe mich entschieden dich zu treffen, weil ich dich dieses Lied aus meiner Tasche hören lassen will.
Ich habe die Lautstärke ein wenig erhöht, habe mich mal vergewissert.
Oh Goodbye Days, bis gestern fühlte ich, dass sich etwas ändert. So long. Weil die unbesonnene Freundlichkeit an meiner Seite ist. La la la la la with you.
Ich gebe dir einen meiner Kopfhörer. Dieser Moment fließt langsam ein.
Liebst du ehrlich? Auch wenn du dich manchmal verirrst.
Oh Goodbye Days. Jetzt hat mein Herz angefangen sich zu verändern. All right. Weil die unbesonnene Freundlichkeit an meiner Seite ist. Lalalalala with you.
Ich möchte mir möglichst keine traurigen Gedanken machen, aber du wirst doch auftauchen, oder? Zu dieser Zeit wäre es auch gut, wenn du sowas wie „Yeah, Hello my friend“ mit einem Lächeln sagtest.
Wenn wir das gleiche Lied summen, wünsch ich mir, dass du bei mir bist. Ich bin froh, dass ich dieser unbesonnenen Freundlichkeit begegnet bin.
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