Lebe lieber laut los!

oder sollte es vielleicht eher heißen „Lebe lieber lautlos“ oder „Leben, Liebe, lautlos“? Ich denke nicht, dass die Welt so viele Aliterationen braucht, aber eigentlich wollte ich auf etwas völlig anderes hinaus. Ich habe mich zwar schon mit der Liebe beschäftigt, aber eigentlich seh ich ein, dass dieser Weg für mich im Moment eine Sackgasse ist. Das kann natürlich verschiedenste Gründe haben: Zynismus, Angst vor Verantwortung, Angst vor Emotionalität oder Gefühle des Zwangs. Allerdings trifft das dann doch eher nicht auf mich zu. Ich bin selten zynisch, übernehme zumindest Verantwortung für mich, schrecke auch nicht vor Emotionen zurück. Letzten Endes ist es das Leben selbst, dass mich im Augenblick davon abhält zu lieben oder ähnliche Gefühle zu zulassen. Ich wäre schlichtweg unglücklich. Im Augenblick ist es unglaublich schön das studentische Leben mit all seinen Freiheiten und Freuden zu genießen, dabei geht es überhaupt nicht allein um Sex. Leider bin ich nicht so simpel gestrickt, dass allein dies mich glücklich machen würde. Ich genieße es einfach nur unheimlich meine Freunde zu treffen, neue Bekanntschaften zu knüpfen, mich nicht mehr für jeden Mäusefurz rechtfertigen zu müssen. So wie heute, kann ich eigentlich jeden Tag von 14 Uhr bis 21 Uhr durchgängig mit Freunden unterwegs sein. Mal treffe ich den, mal die, es kommt keine Langeweile auf. Man tauscht sich mit Menschen aus verschiedensten Kulturen aus und es ist überhaupt nichts Schlechtes dabei.

Ich denke, diese aktuelle Phase wird mich für mein Leben am meisten prägen. Deshalb ist sie so wichtig für mich und im Augenblick habe ich das Gefühl, dass „Liebe“/“Partnerschaft“ keine Rolle spielen. Wenn ich suggestive Fragen höre wie „Bist du wirklich glücklich? Kannst du das überhaupt sein?“ dann steigen in mir Agressionen hoch, ob der Blindheit, die die Liebe zur höchsten und alleinigen Tugend erhebt. Liebe ist etwas wunderbares, klar, das unterschreib ich gerne, aber ich brauch sie nicht. Ich bin wirklich glücklich und vielleicht hat mich erst das Leben in Düsseldorf zu einem wirklich freiheitsliebenden Menschen gemacht. Ich bin noch keine 40 Jahre alt, dass ich mich irgendwo in einem beschaulichen Kurort niederlassen muss, um dort in der Abendsonne meine kleinen Kinder spielen zu sehen, während meine treue und liebe Ehefrau mir ein Sandwich auf die Veranda bringt und ich ein Glas kühle Limonade schlürfe. Ich kann mir das eigentlich sehr gut vorstellen, aber wozu brauch ich das jetzt? Die Zeit im Leben, in der man das Familienleben und die Sesshaftigkeit genießen kann, ist lang genug.

Früher war ich eigentlich panisch auf der Suche nach einer Freundin, allerdings hat sich mittlerweile bei mir die Ansicht eingestellt, dass (um den Manga rurôni kenshin zu zitieren) zu guten Männern kommen die Frauen immer, egal was passiert. Es ist schlichtweg nicht anders. Das klingt vielleicht abgehoben, aber ich will eigentlich ausdrücken, dass es keinen Grund zur Panik gibt. Alles ist smooth, alles ist wunderbar. Je entspannter man durchs Leben spaziert, umso mehr saugt man die Essenz der Lebenslust in sich auf. Umso lauter lebt man und je lauter man lebt, umso mehr Echo erzeugt man. Die Leute schauen dich an, wenn du lächelnd auf eine verspätete Bahn wartest, wenn du lächelnd die Alleen abgehst, wenn du der Kassiererin bei Kaisers einen wunderschönen Abend wünscht. Das Leben ist zu groß, um es leise zu leben, man muss sich durchs Leben schreien, vielleicht sogar so laut wie ein Geisteskranker, denn nur dann ertönt ein Echo, nur dann entsteht der Eindruck, dass du lebst und nicht einfach nur vor dich hinvegetierst. Ich sage nicht, dass das nur ohne Liebe möglich ist, aber für mich ist es so. Mir ist ein liebloses Leben lieber als ein lebloses Lieben.

Der Mensch unterscheidet sich von einem Tier nur durch seine Hoffnung, auf deren Erfüllung er bis zum Tag seines Todes unbeirrt wartet. (aus dem japanischen Drama „1 Litre of tears„) Ich will aber kein Getriebener meiner Sehnsüchte oder Hoffnungen werden, mein größter Stress soll sein „Wann finde ich Zeit für meine 5 Minuten-Hausaufgaben für Englisch?“ oder „Hat Kaisers keinen Apfelsaft mehr?“. Gedanken kann man sich immer machen, aber mich nervt es Gedanken zu haben, die sich so verhalten wie ein Hund, der sich selber in den Schwanz beißen will. Man kann sich sehr viel einreden und in Selbstmitleid, Angst und seinen Sehnsüchten versinken. Manchmal tu ich das auch gerne, aber nur um dann zu merken, dass das Leben gelebt doch gar nicht so grausam ist, wie ich es mir gedanklich zurechtkonstruiere. Und wenn doch muss ich nur laut genug leben und beginnen zu fühlen, zu fühlen, dass es immer schlimmer sein kann, dass ich frei atme und mein Puls den Takt meines Lebens vorgibt. Nicht meine Sorgen.

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