Das Ende der Sprache

Die Momente, in denen ich aufhöre zu reden, in denen ich beginne zu denken, sind von solch vollendeter Ruhe, dass sie mich von allen Fesseln der Realität befreien. Ich denke in diesen Momenten an dich. Was du wohl machst? Wo du wohl bist? Ich löse mich von der Sprache, ich erschaffe eine Realität in meinen Gedanken, weit über die Begrenztheit der Sprache hinaus. Diese stille Welt beinhaltet alles Gesagte und Nichtgesagte, alle Gefühle und jede Nuance, die sich nicht in eine Kategorie einordnen will. Sie beinhaltet dich und alles was von dir zu erfassen ist. Die Gedanken, die dich als Zentrum haben, die um dich herum schweben, sie wollen frei gelassen werden. Die Begrenztheit des Kopfes lässt sie ersticken, also lasse ich sie mit jedem Atemzug nach außen dringen. Mit offenen Augen seh ich dann eine Realität vor mir, die sich aus allem speist, nicht nur aus den schönen Worten.

Und so stehst du nun vor mir, mit allem, was zu dir gehört, kein Attribut wird durch die Sprache falsch eingeordnet. Du bist einfach. Du existierst. Es ist, als würde ich in diesem süßen Genuß dahinschmelzen, mich ganz der Wärme und Schönheit mit all ihren Kanten hingeben. Meinen Kopf an deiner Schulter reiben. Meine Finger in deine Kleidung vergraben, um dich festzuhalten. Jede Faser meines Körpers fühlt dich anders. Ich unterlasse jedes Wort. Wörter, wir brauchen sie nicht. Wir manipulieren die Wahrheit nur durch die Sprache, denn die Sprache ist die größte Lüge der Welt. Sie sagt nie das, was sie eigentlich alles sagen müsste. Wieso sollte ich also lügen? Ich sage nichts und löse mich auf wie eine Brausetablette im Wasser der Sprachlosigkeit. Wärme, kalte Schauer, Küsse, Bisse, Tränen, aber am Ende ist es das Lächeln, was an mir hängt wie eine Klette. Ein Lächeln über die Grundsätzlichkeit der Existenz, über die Bedeutungslosigkeit der Worte, über das Ende der Sprache.

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