Mario Barth und Das Wunder der Gender-Konstruktion

Ja, Geschlechter sind konstruiert. Judith Butler geht sogar soweit zu sagen, dass das biologische Geschlecht konstruiert ist. Ich würde vielleicht nicht so weit gehen, aber doch zustimmen, dass die „Frau“ das Opfer oder vielmehr Produkt der männlichen Macht über Sprache und Diskurse ist. Die Ansicht, dass die Menschheit in männlich und weiblich geteilt ist, sollte nicht unbedingt in Frage gestellt werden. Eher stellt sich die Frage: Wieso ist es denn wichtig?

Wenn ich einen Schwachmaten wie Mario Barth höre, dann kommt es mir ehrlich gesagt hoch. Wenn man so viele Vorurteile einfach humorfrei wiederkäut, dann möchte ich fast von Gender-Faschismus sprechen. Dass Intellektuelle vermeintlich Mario Barths subtile Wirkung zu verstehen glauben, ist fast unfassbar. Denn da gibt es nichts zu verstehen. Außer dass Männer und Frauen von Grund auf verschieden sind. Sexismus, Chauvinismus, mit dem Erfolg, dass die Massen sich darüber amüsieren und dabei einfach blöd wie eine Schafsherde wiederkäuen, was die Gesellschaft uns schon in der Erziehung mitgibt.

Der MSB Spartakus hatte da ein prima Beispiel, zu sehen waren 2 Bilder. Auf dem ersten ein Mann, der eine Matheaufgabe falsch löste, der Lehrer sagt: „You suck at maths.“ Auf dem zweiten die gleiche Situation mit einer Frau, wobei der Lehrer aber sagt: „Girls suck at maths.“ Das ist der Unterschied. Ich kann ewig wiederholen, dass die Frauen gerne shoppen und deswegen auch Taschen kaufen, weil das alles evolutionär bedingt ist. Alles klar. Damals gab es wahrscheinlich auch schon Schuhläden. Wer beweist mir eigentlich, dass nur der Mann auf Jagd ging? Lässt sich hiervon ein evolutionärer Anspruch des Mannes auf die Macht ableiten?

Gott, und wenn Mario Barth dann eine Karikatur einer Frau zeichnet und dann den Mann als Gegenbild, dann müssen mir die Ohren bluten, weil dies nicht mal mit Ironie erzählt wird. Viel mehr stellt er reale Situationen dar, die seiner Ansicht nach lustig sind und zeigen, was der genaue Unterschied zwischen Frau und Mann eigentlich ist. Dann hört man aus dem Publikum nur noch „Ja! Ich bin genau wie Mario Barths Freundin!“ Okay, dann stellt euch bitte in eure Schafsherde und fresst euer Gras, wenn ihr so undifferenziert denkt, dass es weh tut, muss man euch ja wenigstens die Individualität abnehmen. Sogar Schafe sind individueller als solche Leute, die sich gerne in die große homogene „Ja, ich auch“-Gruppe fügen. Mitunter ist das ein wenig faschistoid oder seh ich das falsch?

Dann bitte, man sage mir, wieso es hinnehmbarer ist, wenn Differenzen zwischen den Geschlechtern aufgebaut werden, als wenn man Differenzen zwischen den Rassen betont. Für mich ist es das gleiche, schließlich werden lediglich die äußeren Merkmale instrumentalisiert , um über Menschen zu richten. Menschen werden kategorisiert und über diese Kategorien wird geurteilt. Frauen shoppen, Männer denken nur ans Vögeln, Schwarzafrikaner sind arm und haben AIDS, Europäer sind kultiviert. Mir fallen zu diesen Kategorisierungen so viele Gegenbeispiele ein. Wie passen diese Menschen dann ins Bild? Natürlich als Abnormalitäten, als Ausnahmen von der Regel.

Wenn man von Gleichberechtigung spricht, dann übernimmt man die Sprachkonstruktionen des Mannes. Die Frau definiert sich als Frau, aber sehen sich Männer in erster Linie als Männer? Männer sehen sich viel weniger als Männer, sie sehen sich viel mehr als Mensch, als Wesen, das über den Geschlechtern steht, das sich nicht über sein Geschlecht identifiziert. Wenn sich Frauen aber als Frauen im Sinne der männlichen Sprache identifizieren, dann werden sie viel mehr in die alten Rollenmuster gedrängt. Sie sind Frauen. Wieso sind sie nicht einfach Menschen? Wieso werden Menschen über die Sexualität, über die primären und sekundären Geschlechtsmerkmale differenziert?

Geschlechter sind ein konservatives Konstruktionswort. Dadurch, dass man sagt, es gibt Männer und Frauen, akzeptiert man diese Einteilung und ehrlich gesagt, kann man so auch nicht wirklich homosexuelle Lebensformen gutheißen. Frei nach dem Leitspruch der Ultra-Konservativen: „Gott schuf Adam und Eva und nicht Adam und Adam.“ Man denkt, dass die Männer zu den Frauen gehören und umgekehrt, die Menschheit wird über die Sexualität identifiziert. Frauen werden über ihre Sexualität zum Mann identifizieren, sie sind die Gegenpole. Die Lesbierin ist also eigentlich das Idealbild, da sie sich von der Identität über die Sexualität gegenüber dem Mann löst. Ziel ist aber eigentlich nicht, dass alle Menschen homosexuell werden, sondern, dass die Kategorisierung aufhört und die Sexualität nicht mehr Grund für die Beurteilung einer Person darstellt.

Unmöglich erscheint dies allerdings ob der wiederkäuenden Massen, die mit Mario Barth geschlechtsspezifische Differenzen pflegen und damit eine Konstruktion zur Realität erheben, die im Endeffekt wenig Gehalt hat, da sie wenig Aussagekraft über die eigentliche Realität besitzt. Wieso nicht? Schließlich war es schon unter den Faschisten schön mit dem Strom der gehirnlosen Masse zu schwimmen.

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4 Antworten to “Mario Barth und Das Wunder der Gender-Konstruktion”

  1. morbiderengel Says:

    Super, du sagst es *thumbs up* 😀

    Endlich mal jemand der meine Meinung über Mario Barth teilt^^

  2. Peter Says:

    Mein sehr geehrter Dave Adulto,

    wieder einmal haben sie so recht. So recht, ich kann gar nicht ausdrücken, wie dankbar ich ihnen für diesen großartigen Text bin. Dieser Herr Bart+h ist aber auch wirklich unerträglich, und sonst nichts. Ich kann ihn sogar schon leidlich imitieren, weil sich das Horrorerlebnis, diesen Herren im Fernsehen zu sehen, mich lähmte, so das ich nicht umschalten konnte. Der große Stumpfsinn drohte mein Hirn zu verzehren, ich entfloh mit Not in letzter Sekunde.

    Schlimmer als dieser Herr sind nur die Frauen, die in lustig oder toll oder was auch immer finden.

    Zum Thema Genderproblematik habe ich letztens etwas interessantes in Frischs „Mein Name sei Gantenbein“ gelesen. Können wir drüberreden, wenn wir uns aus gegebenen Anlass die Köpfe weghacken, ja?

    Hochachtungsvollst,
    ihr Mr Pete

  3. adulto Says:

    Ich bitte doch sehr darum, bei einer Flasche Kalisnkaya fließen die Gedanken sicherlich wie ein freudiger Bergbach.

  4. Anonym Says:

    „Die Frau definiert sich als Frau,…“

    Ja, warum eigentlich? Entweder hat es Vorteile, oder die Selbstwahrnehmung ist so sehr eine weibliche, dass sie sich schlicht nicht anders denken kann.

    „Männer sehen sich viel weniger als Männer, sie sehen sich viel mehr als Mensch, als Wesen, das über den Geschlechtern steht, das sich nicht über sein Geschlecht identifiziert.“

    Als Mann kann ich das für mich bestätigen. Es wäre mir peinlich, mich über mein Geschlecht zu identifizieren, hieße es doch, dass mein ganzes Sein durch eben dieses Geschlecht determiniert ist. Es hieße weiters, dass ich keinen Einfluss auf mein Handeln habe, ich streng betrachtet, gar kein Individuum bin!

    „Sie sind Frauen. Wieso sind sie nicht einfach Menschen?“

    Gute Frage. Entweder müssen sie erst zu Menschen werden, wie Alice Schwarzer das umgekehrt in Bezug auf Männer meint, (und ich finde es hochinteressant, dass sie ihr da widersprechen, ihr eine komplett gegenteilige Ansicht entgegenstellen), oder aber Frauen sind einfach nicht in der Lage, sich als etwas anderes oder etwas über ihr Geschlecht hinausragendes wahrzunehmen, oder aber, als dritter, denkbarer Ansatz: sie verfallen den Vorteilen, welche das Identifizieren mit dem weiblichen Geschlecht bietet, bis zu dem Grad, wo sie vergessen, dass diese „Frau“ lediglich eine funktionale Rolle ist, vergleichbar mit jener eines Polizisten, der so sehr Polizist ist, dass er darüber seine Menschlichkeit vergisst.

    „Wieso werden Menschen über die Sexualität, über die primären und sekundären Geschlechtsmerkmale differenziert?“

    Die große Frage, die sich stellt: „wird“, im passiven Sinne, „der Mensch“, „die Frau“, „der Mann“ tatsächlich differenziert, oder hat er, sie, es einen Anteil daran, oder gar die Kontrolle darüber? Hier schließt sich der Kreis. Der Mensch wird wissen, dass er ein Mensch ist. Der Diktator hat es bereits vergessen.

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