Was ist ein Name?

„Was ist ein Name? Was uns Rose heißt, wie es auch hieße, würde lieblich duften.“ (Romeo und Julia, 2. Akt, 2. Szene)

Schon Shakespeare erkannte in seinem wohl bekanntesten Bühnenstück die Undifferenziertheit der Sprache. Die Verzweiflung der Protagonisten über ihre Namen Capulet und Montague, zwei Worte, zwei Namen, die mit so viel Hass und Vorurteil vorbelastet waren, stellen sich in diesem (sprachlich geäußerten) Aufstand gegen die Konstruktion einer nicht haltbaren Realität dar. Doch auch die Willkürlichkeit von Sprache, die manchmal gar nicht nötig ist, wird geäußert.  Sprache kann so traurig sein, denn sie weckt Assoziationen, aber sie kann die Realität nicht näher bringen.

So ist es auch nicht verwunderlich, dass bei deutschstämmigen Aussiedlern oftmals Nachnamen und Vornamen geändert werden, wenn ihre Namen nicht den bewährten Mustern, die man von deutschen Namen hat, entsprechen. Eigentlich kritisiert man die Slawisierung von Namen nach dem 2. Weltkrieg, doch wiederholt man die Praxis von autoritären Regimen des kommunistischen Ostblocks. Tja, Nationen lassen sich halt nix sagen. Das Individuum steht nicht im Mittelpunkt, denn im Interesse des Staates ist es offensichtlich die volksdeutschen Massen zu Re-Patrisieren, indem man ihnen zwangsweise deutsche Namen gibt.  So wurde aus Iwan schnell mal Johannes. Aus einem Wladimir wird dann schnell ein Waldemar.

Unerheblich ist dabei, dass diese Leute mit diesem Namen bereits eine Assoziationskette zur eigenen Existenz und eine persönliche Biographie aufgebaut haben. Mein Name wurde Gott sei Dank nicht verändert. Aber der Übereifer der deutschen Behörden bei dieser Thematik ist eigentlich absolut unverständlich, handelt es sich doch bloß um Namen. Will man Diskriminierung vorbeugen? Italiener, Japaner und Griechen stehen vor keinem Problem, wenn sie Deutsch werden, aber die eigentlich „Deutschen“ werden nochmal zusätzlich eingedeutscht. Mit Multikulturalität hat das wenig zu tun, viel mehr mit einer Kampagne zur Nationslegitimierung und des nation-building , schließlich definiert der Staat, was Deutsch ist.

Traurig, dass damit oft an den Wünschen der Spätaussiedler vorbei, der Staat Macht über seine Bürger ausübt. Diese Menschen sehen sich dann in einer klassischen Zwickmühle, entweder die neue Identität annehmen (auch gegen den eigenen Willen) oder eben kein Deutscher werden. Dabei wäre die Welt doch so ein viel bunterer Ort, wenn der Staat aufhören würde, seine Definition von Nation und Deutschsein im Bereich des Namens auszuüben. Würden einige Politiker den guten alten Shakespeare lesen, so wäre ihnen klar, dass Namen doch nichts über Menschen aussagen (sollten).

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s


%d Bloggern gefällt das: