Auf dem Markt

Hey, ich hab‘ da schon ‚was ganz Tolles für dich reserviert. Natürlich nur weil du mein Freund bist, zwar hat schon ein anderer sehr großes Interesse gezeigt, aber nein, ich habe ihm direkt gesagt, dass du schon auf der Liste stehst. Hab‘ ihm dann Ersatz geliefert. Konnte den Armen ja net so traurig und mit leeren Händen nach Hause schicken.

Komisch, du machst mir die Ware noch schmackhafter, hab ich denn eigentlich überhaupt eine Alternative zu deinem Angebot? Ich denke kurz nach. Die Lichter sind grell, die Menge läuft ziellos herum auf der Suche nach dem nächsten guten Angebot. Diesen Stress kann ich mir immerhin ersparen, du führst mich schließlich durch die panisch-manisch suchende Menge. Ich war früher auch schon hier, aber irgendwann hatte ich einfach keine Lust mehr auf diese Panik und den ganzen Stress. Ist ja eh nur pures Glück, hier das große Schnäppchen zu machen. Das Brüllen, die Prahlerei, die Verkrampftheit. Ich hasse diesen Markt. Vielleicht bin ich ein wenig desillusioniert, nicht so wie die meisten hier, die nur für den persönlichen Profit leben. Eigentlich habe ich nicht mal so richtig nen Schimmer, was ich hier genau mache zwischen den panisch Getriebenen, den panisch Suchenden. Ich bin nicht so. Ich bin eher wie Buddha. Ruhig, entspannt und ausgeglichen. 

Von einer gewissen Entfernung kann ich nun mein Angebot sehen. „Schau es dir an, wunderbare Körperform. Da kann man lange nach suchen, okay, vielleicht nicht mehr das neueste Modell, aber dafür top in Schuss.“ Was tu ich eigentlich hier? Ich brauche eigentlich nix. Lasse mir hier ein Furunkel an den Arsch reden von irgendso nem Freund, der eigentlich nicht mal meine Meinung hören will. Der nicht mal fragt, was ich denke, was ich will. Denke ich jetzt zu egoistisch? Eigentlich nicht, schließlich muss ich mit dem Bären leben, den er mir aufbinden will. Aber letzten Endes wollte ich doch aus purer Neugierde mal beschauen, wovon er so geschwärmt hat.

„Du weisst, wenn ich nicht selber schon eine hätte, würde ich nicht zögern und diese nehmen.“ Wieder so eine leere Floskel. Ich wurde langsam sauer, wütend, ob der Tatsache, dass ich mich in mein Schicksal zu ergeben hatte. Wenn ich nicht Buddha wär, würde ich dir das Maul stopfen, dachte ich da nur. Hinter uns ging das muntere Suchen weiter, aber das hier, war scheinbar das, was ich zu finden gewünscht habe. Reserviert… für mich. Ohne meinen Wunsch. Ein Markt wie dieser, wo Menschen ihre Herzen verkaufen. „Geh schon zu ihr“, mahnt mich wieder die penetrante Stimme. Sie sieht wirklich gut aus, vielleicht ist sie sogar ganz nett, aber das ich entmündigt wurde und wie ein Stück Vieh herumgeschoben werde. Dass sie wie ein Stück Vieh behandelt, beschrieben und verkauft wurde. Das alles regt mich auf, es macht mich wütend. Dabei sind wir Menschen, ich sehe es in ihren Augen, dass sie sich nach Geborgenheit sehnt, dass in ihr eine Seele ist. Wie kann das sein, dass wir hier sind? Mit Menschen und mit Liebe wird gehandelt wie mit Vieh. Ich wende mich ab, du bist bestimmt nett, aber die Unfreiheit, der Zwang, ich ertrage das nicht. Wir sind doch Menschen und keine Sklaven.

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5 Antworten to “Auf dem Markt”

  1. Peter Says:

    Nun, was erwartest du. Die ganze Welt ist ein Markt, sie war es fast immer und wird es wohl auch fast immer sein. Es gibt ja Leute, die so tun, als ware so ein Markt ganz was tolles, die Realitaet ist aber, das so ein Markt eine verdammt archaische Anglegenheit ist. Insbesondere in Zeiten wie diesen, in denen die Humanitaet aufs Abstellgleis gefahren wird, wumdert mich persoenlich nichts mehr.
    Ein Mensch ist eben auch nur ein Stueck Fleisch. Und wer den Raeubern nicht mehr zu bieten hat, als den Materialwert seines Koerpers, der wird eben zu Wurst verarbeitet. Da lobt man sich doch einen Karl von Mohr.

  2. Leander Says:

    “Schau es dir an, wunderbare Körperform. Da kann man lange nach suchen, okay, vielleicht nicht mehr das neueste Modell, aber dafür top in Schuss.”

    Wovon genau schreibst du?

  3. adulto Says:

    Frauen, um genau zu sein. ^^

  4. Leander Says:

    Auf was für nem Markt warst du denn da?

  5. adulto Says:

    Leo, nimm es doch einfach als das, was es ist. Eine Metapher. ^^

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