Integration

Laut einem Spiegel-Artikel, der eine Studie zum Integrationsfortschritt von Menschen mit Migrationshintergrund zitiert, sind Türken bzw. Türkischstämmige Menschen absolut unzureichend integriert. Dagegen sieht die Studie bei Aussiedlern schon relativ gute Integrationsfortschritte. Herr Schäuble ist demnach allerdings überzeugt, dass sich dies nach 4 weiteren Jahren CDU-geführter Regierung absolut ändern wird. Die Missstände sind übrigens im Saarland am größten…hm, komisch, ich dachte bis gerade noch, dass da ne CDU-Regierung an der Arbeit wäre. Egal, Herr Schäuble ist ja sowieso unfehlbar. Vielleicht würde er die ganzen Türken einfach mit in die Anti-Terror-Datei aufnehmen und somit die Integration befeuern. Diese Parallelgesellschaften sind ja auch ein Dorn im Auge der deutschen Leitkultur.

Beim konservativen Multi-Kulturalismus (wie der Schweizer Historiker Philipp Sarasin schon schrieb) kann man eigentlich nicht von Multi-Kulturalismus sprechen. Man geht (wenn auch nur unterschwellig) von der Überlegenheit der weißen Hautfarbe und Kultur aus und macht keine Anstalten andersartige Elemente in die Gesellschaft aufzunehmen. So ist es offensichtlich auch weit verbreitet, dass der kulturell-ethnische Hintergrund ausschlaggebend für den Erfolg im Bildungssystem ist. Ab und zu werden dann von Zeitungen positive Integrationsfälle dargestellt, wie die Geschichte eines jungen dunkelhäutigen CDU-Mitglieds, der absolut keine Probleme mit sozialem Aufstieg von der Hauptschule zur Hochschule hatte und nun der Ansicht ist, dass das deutsche Schulsystem perfekt ist, man „müsse sich ja nur anstrengen“. Integration ist demnach eine Einbahnstraße. Aber bei der ganzen Diskussion vergisst man doch eine Sache. Nämlich, dass die türkischstämmigen Kinder aus bildungsfernen Schichten kommen, was meiner Ansicht nach ein viel größerer Faktor ist. Schließlich ist das deutsche Bildungssysstem berühmt sozialen Status eher zu manifestieren, als Aufstieg durch Bildung zu ermöglichen.

Es wird die soziale Herkunft fahrlässigst vernachlässigt. Dabei wusste schon Marx als Materialist, dass Sein Bewusstsein schafft. So hart möchte ich dann doch nicht ganz sein, aber indem man quasi Türken als große integrationsunwillige Gruppe darstellt, befeuert man höchstens undifferenzierte Vorurteile gegenüber einer absolut nicht homogenen Gruppe. Der soziale Status ist verschiedenst. Ich wäre mal sehr interessiert, was für Ergebnisse rauskommen, wenn man deutsche Schüler aus bildungsfernen Schichten nach ihren Bildungsgrad kategorisiert, das Ergebnis wäre um einiges aussagekräftiger. Denn es würde sich zeigen, dass sozialer Status der Eltern viel größeren Einfluss auf die Entwicklung der Kinder hat, als kulturell-ethnischer Hintergrund. Bei den Türken ist das Problem allerdings noch so, dass Deutsch eben nicht Muttersprache ist und wenn man das mit dem sozialen Status verbindet, so entsteht ein Bild, bei dem man sich nicht wundern darf, dass das deutsche, segragative, absolut unterfinanzierte Bildungssystem die Integration nicht gerade befeuert.

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