Fallen Angels (堕落天使)

Ich muss sagen, dass ich nach „Chungking Express“ schon begeistert von Wong Kar-Wai war, allerdings war dann dieser Film nochmals der Sahneklecks auf meiner Begeisterung. Wong Kar-Wai schafft es wie schon in „Chungking Express“ zwei Handlungen zu erzählen, die sich thematisch ähneln und lediglich einen kleinen Verbindungspunkt haben, bei „Fallen Angels“ ist es eben die Schlussszene, in der Takeshi Kaneshiro und Michelle Reis als Menschen, die eigentlich alles, was sie liebten verloren, sich gegenseitig für eine kurze Heimfahrt Geborgenheit schenken. Wie „Chungking Express“ besticht „Fallen Angels“ durch eine Mischung aus Ernst und einem naiven und deswegen intelligenten Humor, der Geschehenes trocken kommentiert. So fragt sich Takeshi Kaneshiro im Film, wieso sein Vater nie einen Eiswagen haben und Eisverkäufer werden wollte, bis er eben erfährt, dass seine Mutter von einem Eiswagen überfahren wurde. Die Tragik ist komisch und die Komik manchmal tragisch, das trägt Wong Kar-Wais Filme, insbesondere die Werke „Chungking Express“ und „Fallen Angels“.

Die erste Handlung von „Fallen Angels“ handelt von einem Profi-Killer (Leon Lai), der diesen Job aussuchte, weil er Entscheidungen hasst und deshalb mit einer Agentin (Michelle Reis als unglaublich sexy Vamp) zusammenarbeitet, die seine Wohnung aufräumt und seine Aufträge durchplant, er muss nur ausfüllen. Als er Baby trifft, die ein wenig durchgeknallt, aber dafür fröhlich und lebenslustig ist, kommen ihm langsam Zweifel an der Dauerhaftigkeit seines Killer-Jobs. Er hasst es Kugeln aus seinem Körper holen zu müssen und will ein gesichertes Einkommen erreichen. Irgendwo sehnt er sich nach der Tristesse des alltäglichen Lebens, diese Tristesse, aus der eigentlich alle Menschen entfliehen wollen. Er gewährt seiner Agentin einen letzten Wunsch, obwohl er sowohl sie als auch Baby verlässt und nimmt einen letzten Auftrag entgegen. Die Agentin, die seinen Rückzug nicht akzeptieren kann, weil sie ihn liebt und sexuell begehrt (erkennbar an einigen Szene, in denen sie sich auf seiner Decke sexuell befriedigt), sorgt dafür, dass er bei diesem letzten Auftrag in einen Hinterhalt gerät und erschossen wird. Die Ironie: der Grund, seine Bequemlichkeit und sein Unwille Entscheidungen zu treffen, führen zu seinem Tod.

Die zweite Handlung ist dagegen wirklich komisch, herrlich frisch und ein Kontrast zur vorherigen Teil Takeshi Kaneshiro spielt einen stummen, jungen Mann, der nachts fremde Geschäfte öffnet und weiterbetreibt. Er zwingt seine Kundschaft seine Dienste anzunehmen, mal ist er Metzger, dann Frisör, dann klaut er einen Eiswagen und fährt mit einer ganzen Familie durch die Gegend und lässt sie die ganze Zeit Eis essen. Die Bilder könnten nicht schöner sein. Die Kommentare, die die Gedanken des stummen Protagonisten darstellen, sind bissig-ironisch und verkehren alles ins Gegenteil. Z.Bsp. nimmt er Erinnerungsvideos von seinem Vater auf und als dieser einige Tage später im Krankenhaus ist und stirbt, kommentiert die stumme Filmfigur: „Ich glaube, es stimmt, dass Fotos und Videos einem Menschen die Seele rauben. Einige Tage nachdem ich das Video aufgenommen habe, kam mein Vater ins Krankenhaus und starb.“  Wong Kar-Wai ist insbesondere mit der Filmfigur Kazuki Kaneshiros und seiner ersten Liebe Charly, einer Kantonesin, die krankhaft eifersüchtig ist und eine gewisse „Blondie“ sucht und töten will, weil sie ihr den Freund ausgespannt hat und ihn heiraten will. Sie finden zusammen diese „Blondie“ als sie eine aufblasbare blonde Gummipuppe entdecken und Charly lässt all ihre Wut an dieser Puppe aus.

Wong Kar-Wai fügt also wieder eine wunderschön verrückte und fast surreale Darstellung von Hong Kong zusammen. Eine Stadt, in der sich Killer nach der Tristesse des Alltags sehen. Stumme Jungen in Läden einbrechen und sie nachts betreiben. Junge Frauen blonde Gummipuppen verprügeln. Visuell auch heute noch ein absolut beeindruckender Film mit sehr viel Witz, insbesondere der Auftritt Kaneshiros wirkt wie ein Revival des Stummfilms und der witzigen Pantomime. Wundervoll auch der Soundtrack, der ein Lied der wohl mit beliebtesten klassischen asiatischen Diva, der Taiwanesin Teresa Teng, aufgreift und durch Shirley Kwang neu interpretiert. Ein wundervolles Cantopop-Lied „Forget him“ (忘記他), welches der Killer seine Agentin hören lässt, damit diese versteht, dass er aufhören will zu arbeiten wie bisher. Ich weiss nicht, welche Version ich schöner finde, aber Shirley Kwan hat auch eine schöne Stimme und modernisiert die klassische Ballade doch erheblich. Also zum Abschluss noch „Forget him“ (忘記他) von Shirley Kwan.

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