Multikulturalität

„When men in the United States beat their wives, it is an abberration (Abweichung), counter to the liberal principles that govern here. When Muslim men beat their wives, it is an act representative of the principles of Islam – whatever Koran or hadith may say.“ (Anne Phillips: „Multiculturalism without culture“)

Genau hier liegt vielleicht das Problem. Die Autorin sieht den Kulturbegriff als feindlich für den Multikulturalismus an, was an sich durchaus einleuchtet, schließlich ist „Kultur“ ein sehr kategorisierender, undifferenzierter und homogenisierender Begriff. Kultur lebt von der Differenz und hier liegt auch das Problem. Einerseits darf man kulturelle Differenzen nicht verneinen, allerdings ist Kultur gleichzeitig ein sehr durchlässsiges Gebilde und kein Begriff, der fest steht. (Frei nach dem Motto: Das ist deutsche Leitkultur: Friss oder stirb!) Kultureller Austausch alleine zeigt, dass Kultur nicht eine einsame Insel der glückseligen Monokulturalisten ist.

Bemerkenswert ist auch, dass kritisiert wird, dass sich westliche Demokratien (genauer: liberale Staaten wie Großbritannien und die Niederlande) nicht über eine Ethnie oder Kultur identifizieren, was ja eigentlich wünschenswert ist. Allerdings wird hier wieder ein Dualismus aufgebaut ohne es vielleicht zu beabsichtigen. Die genannten liberalen Staaten definieren sich über ihre Institutionen und Gesetze: Gleichheit der Geschlechter, Demokratie, etc.. Allerdings wird genau so der Eindruck erweckt, als würden Zuwanderer, die sich in dieses Gesellschaftsmodell integrieren sollen (sie müssen ja nicht die eigene Kultur aufgeben), keine Ahnung von Demokratie und Menschenrechten haben. Als würden indische Einwanderer keine demokratische Tradition besitzen oder Flüchtlinge aus Vietnam den Wert von Menschenrechten nicht verstehen. Also wird selbst unter Ausklammerung von Kultur und Ethnie (von höchst schwammigen Kategorien) ein Kontrast „west and the rest“ konstruiert wie die Autorin argumentiert. Desweiteren wird die Theorie zerrissen, dass mehr Multikulturalität die Frauenrechte innerhalb der ethnischen Minderheiten einschränken würde. Auch dieses Denken sagt ja quasi aus, dass man davon ausgeht, dass alle nicht-westlichen Kulturen patriarchalisch organisiert sind.

Das zitierte Buch kann ich eigentlich nur weiterempfehlen, auch wenn ich an manchen Stellen noch eine klarere Lösung vermisse. Schließlich heißt, dass man einen Multikulturalismus ohne Kultur aufbauen soll, rein gar nix, wenn die Menschen sich trotzdem über ihre Kultur identifizieren, aber gemeint ist wohl auch eher, dass ein Bewusstsein geschaffen werden soll, dass nicht Kulturen als homogene Gruppe agieren und sprechen, sondern auch diese Gruppe differenziert betrachtet werden muss.

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