Epiktet: Philosophie des Chillers

„Die Menschen werden nicht durch die Dinge, die passieren, beunruhigt, sondern durch die Gedanken darüber.“ Eine absolut logische Schlußfolgerung, die der von mir und Rojo geschätzte Philosoph Epiktet dort formuliert hat. Für viele Leute folgt aus dieser einfachen Erkenntnis allerdings nichts. Es ist eine Wahrheit ohne Gehalt, weil sie nur beschreibt und dabei keine Schlussfolgerungen enthält. War Epiktet ein Fatalist? Ein Extremist des Carpe Diem? Für mich erschließt sich daraus ein Anti-Denken. Eine Minimalisierung der menschlichen Sorgen durch Erkenntnis der menschlichen Hilflosigkeit. Da der Mensch ein stolzes und dekadentes Wesen ist, glaubt er nach wie vor alles lösen zu können, indem er nur lange genug nachdenkt. Wie ein Hund, der seinem Schwanz nachjagt und sich dabei erschöpft.

Für mich folgt aus Epiktets Satz nur eines: bedingungsloses Chillen. Wenn ich allerdings den menschlichen Makel der Sorge bezwingen will, muss ich auch die Menschlichkeit/das menschliche Fühlen bezwingen, die andere Seite der Medaille quasi. Chillen kommt ja nicht umsonst vom englischen Ausdruck für Kühle, eine gewisse Kaltherzigkeit muss der Chiller dann doch an den Tag legen. Ein leidenschaftsloses Ergeben in die eigene Hilflosigkeit und die Unabänderlichkeit bestimmter Dinge im Leben. Daraus folgt eine gewisse Sorglosigkeit, im positiven Sinne als Welt ohne Sorgen. Chillen bedingt also Sorglosigkeit und damit auch Kaltherzigkeit. Epiktet bezeichne ich also als den ersten Chiller der antiken Welt, als Terrorist der sorglosen Herzen. Das Leben ist schön. Es ist weniger schön, wenn man sich dauernd Gedanken macht, um die Beule im Auto, die Ex-Freundin, das kaputte Handy, unglückliche Liebe, unerfüllte Sexualität, Klausuren. Es liegt so viel und doch nicht alles in unserer Macht, also können wir nur chillen. Oder eben cool bleiben.

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2 Antworten to “Epiktet: Philosophie des Chillers”

  1. Patrick Says:

    Chillen = so tun als wäre nix ?

  2. adulto Says:

    Chillen = sich nicht um das zu kümmern, was man eh nicht ändern/beeinflussen kann

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