Der harte Weg des Multikulturalisten

Es ist tatsächlich um einiges härter Multikulturalist zu sein, als ich anfangs dachte. Schließlich dachte ich, dass sich die multikulturelle Ebene auf relativ hohem Niveau abspielt, auf dem von Grund auf existenzielle Fragen gestellt werden. Tatsächlich ist es aber genau anders herum. Fragen des multikulturellen Verständnisses sind nicht automatisch Fragen von Menschenwürde sondern zu allererst Fragen des alltäglichen Lebens. So hatte Neeltje angemerkt, nachdem ich mich ein wenig beschwert hatte, dass sie im Normalfall die Erfahrung gemacht hat, dass sich Japaner nie von sich aus melden. Ob das tatsächlich eine Grundeigenschaft der Menschen ist, die wir gemeinhin als Japaner bezeichnen, wage ich zwar zu bezweifeln, allerdings mag diese Beschreibung im Fall einer sich nicht meldenden japanischen Freundin durchaus zutreffen. Und genau wegen Neeltjes Worten habe ich mich dann doch entschieden nicht zu sagen „Ach, Fuck off, ich habe keinen Bock mehr auf diese Spielchen“, sondern mich darum zu bemühen, dass ich durch mein Verhalten eine Änderung bewirken kann. Dafür muss ich zwar über meinen eigenen kulturellen Schatten springen, aber wenn ich das nicht mal selbst schaffe, wie kann ich diese Dinge dann von anderen Menschen verlangen? Manchmal ist es halt doch einfacher einem Türken zu sagen, dass ich seinen Ehrenmord akzeptiere, als wenn sich ein japanisches Mädchen nicht bei dir meldet. Komische Welt.

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4 Antworten to “Der harte Weg des Multikulturalisten”

  1. Patrick Says:

    Hey Adult, hab heute aus einem schlauen Buch erfahren, dass es nirgendwo so viele und gesunde alte Leute jenseits der 90 oder 100 gibt wie in Okinawa, scheint wohl am Wetter sowie an der gesunden Ernärhung etc. zu liegen, wenn ich du wäre würd ich da bleiben.^^

  2. Leander Says:

    Also ich würde erst hinziehen wenn ich jenseits der 90 bin^^

    Aber wenn sich kein Japaner je von sich aus meldet, dann sollte in Japan noch relativ wenig los sein oder?

  3. adulto Says:

    Keinen Schimmer wie die das soziale Leben da hinkriegen. ^^

    Yop, hängt aber damit zusammen, dass die Okinawa-Küche relativ fettarm ist, die Leute oftmals noch Ackerbau betreiben (Bewegung und so) und ich denke auch damit, dass viele Japaner als Rentner sich nen schönen Lebensabend machen. (Auf Okinawa darf man erst Grund bzw. ne Wohnung erwerben, wenn man 4 Jahre dort gelebt hat, sonst würden sich alle Japaner dort ne schöne Ferienwohnung bauen.)

  4. David Says:

    Was diese japanische Freundin betrifft: Diese Erfahrung habe ich auch schon gemacht. Da mach dir mal keinen Kopf =) Einfach mal annehmen, dass sie dich nicht stören möchte und auf die allseits beliebten Vorurteile zurückgreifen, die Japaner seien doch zu überhöflich^^

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