Die grünen Nazis

Nazi-Wald Hakenkreuz

Sehr interessant war die Vorlesung zur Geschichte des Umweltschutzes, weil dieses Mal die NS-Zeit ein wenig auf ihre Umweltfreundlichkeit analysiert wurde. Tatsächlich standen die Nazis für einen recht progressiven Kurs bei der Umweltpolitik, der international mitunter führend war (in seinem Anspruch zumindest). Im Rahmen der Ostraumplanung wurde diskutiert den slawischen Raum auch landschaftlich zu germanisieren. Man war ideologische davon überzeugt, dass das deutsche Volk nur in einer germanischen Landschaft wirklich Wurzeln schlagen hätte können. Klar sprangen da Umweltromantiker auf den fahrenden Nazi-Zug und sahen die osteuropäischen Gebiete als ideales Exerzierfeld für ihre aktive Landschaftsgestaltung. Dabei sollte immer das Prinzip der „Substanzsicherung“ verfolgt werden, also nachhaltig gewirtschaftet werden. Kahlschlag und Neupflanzung ganzer Wälder war dabei nicht vorgesehen.

Das Naturschutzgesetz von 1935 war das erste seiner Art und war bis über 1945 hinaus gültig. So führte die junge Bundesrepublik die grüne Nazi-Politik größtenteils fort. Dass sich hinter allerlei hehren Vorhaben immer eine krude Ideologie stand, steht zwar nicht zur Debatte, aber nur weil eine vernünftige Idee von Nazis benutzt wurde, macht das diese Idee nicht automatisch unvernünftig.

Die Landwirtschaft sollte gestärkt werden. Der ideologische Grund war, dass nur dort noch unverfälschtes Volkstum vorkam. Man stoppte den Import von Guano und reduzierte die Benutzung von Kunstdünger, was in diesem Falle absolut sinnvoll war, da der exzessive Gebrauch von Kunstdünger mitunter eher eine Übersättigung der Felder und eine Verunreinigung des Grundwassers mit sich brachte. Auch in der Forstwirtschaft wollte man neue Wege gehen und setzte auf Nachhaltigkeit, aber die Kriegsplanungen führten eher zu einer Übernutzung der Ressource Holz. Man kann also sehen, dass die Umweltpolitik immer im Schatten der Kriegswirtschaft und rassischer Ideologie stand. Zudem wollte man eine Autarkie (in Landwirtschaft, etc.), da man eine erneute Seeblockade im Falle des Krieges vermeiden wollte.

Also hörte die Nazis spätestens dann auf Grün zu sein, wenn sie ihre Kriegsinteressen verfolgten. Unabhängig von der kruden Ideologie des Blut und Bodens kann man dennoch sagen, dass die Nazis in gewisser Weise grüner waren als alle vorangegangen deutschen Regierungen. Umweltschützer ließen sich allzu schnell von den Nazis verführen und wurden begeisterte Anhänger. Hier kann man durchaus erkennen, dass radikale Umweltschützer sich der Gefahr aussetzen eine Ökodiktatur zu fordern, die die Interessen der Natur durchsetzen kann. Spätestens hier droht dann aber Umweltschutz zu einer missbrauchbaren Ideologie zu mutieren, die die menschlichen Interessen gegen die konstruierten Interessen der „Natur“ eintauscht und einschränkt.

Advertisements

5 Antworten to “Die grünen Nazis”

  1. leander Says:

    Das Wort „krude“ les ich heut zum ersten mal^^

  2. adulto Says:

    Schön, dass ich meinem Bildungsauftrag dann doch nachgekommen bin. ^^

  3. Anti Says:

    Jaja, die Nazis, die haben ja auch die Autobahn…….nein Scherz 😀

  4. nihonnelly Says:

    Wie war das mit der Familienpolitik….??

  5. adulto Says:

    Oh ja, Aktion Lebensborn würde die jetzige Familienministerin sicher noch mal aufgreifen. ^^

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s


%d Bloggern gefällt das: