sabu – Drive

drive - sabu

Generell hängt dem japanischen Regisseur sabu oftmals das Vorurteil an, dass er unverhältnismäßig viel Blut in seinen Filmen einsetzt, dabei ist dieser neuere Film von ihm eher blutarm, aber nur im wortwörtlichen Sinn. Drive strotzt wieder vor Kritik am Menschen und genau deswegen muss man zum Schluß kommen, dass sabu ein echter Philantroph sein muss. Die Geschichte fängt relativ spektakulär damit an, dass drei Bankräuber in das Auto von Asakura steigen. Der typische Jedermann, der fast immer in sabus Filmen im Vordergrund. Sei es der Postbote in „Postman Blues“, der Angestellte in „Monday“, der Arbeitslose in „Blessing Bell“ oder der Student in „Unlucky Monkey“. Bis auf „Blessing Bell“ wurden diese atypischen Helden immer vom genial agierenden Shinichi Tsutsumi verkörpert. Asakura ist aber nur auf den ersten Blick ein Jedermann, der unter Kopfschmerzen leidet. Die Kopfschmerzen resultieren nicht aus seinem beruflichen Stress, sondern viel mehr aus seiner Vergangenheit. Wie es in Japan lange Zeit üblich war, brachte sich sein Vater nach dem Verlust der Arbeit um. Ihm folgte seine Mutter, die sich ebenfalls aus Scham umbrachte. Asakura war also von Jugend an ein nervliches Wrack, das bei seiner Tante ohne Eltern aufwuchs.

Die Bankräuber sind dabei die Extremsituation, die den neurotischen Asakura aus seinem Alltagstrott reissen. Die drei Bankräuber suchen nach dem Vierten, der mit der Beute abgehauen ist. So beginnt die Fahrt in Asakuras Auto (ein Ausflug mit dem Auto wird in Japan gemeinhin als „doraibu“, aus dem Englischen „Drive“, bezeichnet) eigentlich mit der Verfolgung des Flüchtigen. Asakura ist aber ein Ordnungsfanatiker und hält die Verkehrsregeln peinlichst genau ein. So entgeht den Bankräubern die Beute. Der vierte Bankräuber wird allerdings mit der Beute nicht glücklich, er lässt die Tasche in ein Loch fallen und steckt mit dem Arm im Boden, als er nach der Tasche greift, daraufhin wird er von den Geistern derer heimgesucht, die auf diesem Feld gestorben sind. Was sabu auch schon in „Blessing Bell“ durchscheinen ließ, wird in „Drive“ zum Hauptthema. Der Mensch braucht Geld um glücklich zu sein, dabei ist es der Gedanke an das Geld, der vom eigentlichen Leben ablenkt.

drive

Die Bankräuber erkennen mit der Zeit das wirklich wichtige. Der Priester, der eigentlich Geld für seine Tempel brauchte, geht mit einer Punk-Band auf Tour um seine Botschaft unter die Menschen zu bringen. Der gescheiterte Student wird Baseball-Spieler, weil er jedes Mal, wenn er den Schläger in der Hand hat, daran denkt wie er die Wohnung seiner Eltern demolierte. Der ältliche Herr holt seine todkranke Frau aus dem Krankenhaus um Zeit mit ihr zu Hause verbringen. Die Jagd nach dem Geld hat alle Drei vom Wesentlichen in ihrem Leben abgelenkt. Erst durch die Begegnung mit dem ordnungsliebenden Asakura kommt wieder Ordnung in ihr eigenes Leben. Der vierte Dieb, der mit der Hand sein Geld festhält, reißt sich später den Arm ab, als er die Geister, die ihm begegnen, nicht mehr ertragen kann.

Asakura begegnet diesem vierten Dieb ebenfalls durch Zufall und stellt sich auf dem Feld seinen eigenen Geistern. Er hört auf passiv zu sein und reagiert erstmals auf den Aufruf „Tatakae“ (Kämpfe!). Der „Drive“, also die kleine Fahrt mit dem Auto, ist dabei als Metapher für die seelische Reifung des Protagonisten zu sehen. Die abschließende Szene ähnelt dann nämlich auch der ersten Szene. In der ersten Szene steht Asakura wie immer an der Ampel und sieht sich die schöne Fremde (verkörpert von der wunderbaren Shibasaki Kou) an, in der letzten Szene stellt sich heraus, dass sie ebenso wie Asakura ein Ordnungsfanatiker ist und findet sein konsequentes regelkonformes Autofahren als genau richtig. Am Ende von Asakuras Seelenwanderung findet er dann auch seine Seelenverwandte, die er eigentlich immer für unerreichbar hielt.

kou shibasaki - drive

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