Lost in Leverkusen – Drei Geschichten über Trennung

„Nomikai“ bezeichnet in der japanischen Sprache gemeinhin das Treffen einiger Leute, die sich einen hinter die Binse kippen. Zu deutsch also ein Besäufnis. Gestern wollte ich unbedingt mal wieder so richtig einen runterkippen. Der geplante Absturz also. Wenn man seinen Absturz plant, geht das selten gut. Fing aber alles noch harmlos an. Suzuki-san (Arbeitskollege mit Ganzkörpertattoos) hat mich mitgenommen und wusste selber nicht so genau, wer kommen würde. Ich traf Suzuki am Bahnhof und er hatte schon Wein und Bier dabei. Es ging dann in den Keller des Nikko-Hotels im Japan, wo man sich gepflegt an einer Bar betrinken oder in die Karaoke-Boxen gehen kann. Für mich war an dem Abend alles für lau. Nachher war ich dennoch um 23 Euro ärmer. Wieso? Das ist eine lange Geschichte.

Die erste Geschichte handelt von Suzuki. Äußerlich konnte man ihm nichts ansehen, aber er hatte sich kurz vorher von seiner Freundin getrennt. Seine Freundin, mit der er seit einem Jahr zusammenlebt und die ihn jetzt mit seinem Kumpel betrogen hat. Als ich das hörte, war ich zutiefst verwundert über seine Gelassenheit. Vielleicht hätte ich an seiner Stelle die Mundwinkel verzogen und wäre zutiefst deprimiert gewesen. Suzuki kommentierte seine Situation aber nur mit seinem deutschen Lieblingswort: „Scheiße!“ Nachdem ich ihm das Angebot gemacht habe, ihm beim Rachemord an den zwei Verrätern beiseite zu stehen und die Leichen wegzuschaffen, war er hoffentlich ein wenig aufgebaut. Wir entschieden uns dafür uns richtig einen hinter die Binde zu kippen.

Auf dem Sauftreffen waren auch einige Deutsche (allesamt Japanologie-Studenten, wobei mein Studium am weitesten fortgeschritten war) und wie es der Zufall so wollte, hab ich mich mit einem ein wenig angefreundet, sodass ich wenigstens nicht die ganze Zeit Japanisch labern musste. (Mit steigendem Alkoholpegel hab ich sowieso kein Wort mehr verstanden.) Wir kippten uns zwei Flaschen Weißwein rein. Dann eine Flasche Becks, zwei oder drei Gläser Fassbier und Suzukis Rotwein musste dann auch dran glauben. Gott sei dank habe ich den Berentzen Apfel in Ruhe lassen können. Nachdem das deutsche Saufgespann dann gemeinsam „Wind of Change“ gegröhlt hatte, wurden wir beide ein wenig melancholisch. Mein temporärer Saufbruder erzählte mir dann, dass er im Mai auch total im Arsch war, weil seine Freundin ihn verlassen hat. Die Zwei waren in Deutschland zusammengekommen, als sie dann nach Japan ging, nahm er sich ernsthaft vor es auszuhalten und auf sie zu warten. 2 Monate später war es dann vorbei, obwohl er alles dran setzte auch die Fernbeziehung durchzustehen. Komisch, dass ich zwei Fälle kennenlernen durfte, in denen Männern das Herz gebrochen wurde. Im Laufe des Abends deprimierten mich beide Schicksale immer mehr. Sie schienen nichts mit mir zu tun zu haben, aber im Endeffekt hatten sie doch viel mit mir zu tun.

Ich habe mir nicht so wirklich Gedanken über die Zeit in Okinawa gemacht. Was aus mir und meiner Freundin wird in 4 Monaten der Trennung. Dabei war für mich immer klar, dass vier Monate eigentlich keine Zeit sind und man das doch ruhig aushalten könnte. Wenn ich zu weit in die Zukunft denke, kann mir das nur die Gegenwart versauen. Als ich Nami am Donnerstag das letzte Mal gesehen hab, hat sie sich wie eine Fremde verhalten. Im Endeffekt läuft es wohl auf eine Trennung hinaus. Ich hab da wenig Hoffnung.

Ich landete volltrunken gegen 1 Uhr in Leverkusen-Haschmichhausen, weil ich meine Haltestelle verpasst hatte. Was danach war, weiss ich nicht mehr. Jedenfalls fuhr kein Bus mehr und da ich um 5 Uhr mit dem Taxi zurückkehren konnte, habe ich in der Zwischenzeit wohl geschlafen. Das Taxi kostete mich 23 Euro, aber da kann man wohl nix machen. Im Endeffekt sollte ich so etwas nicht allzu oft machen. Gott sei Dank war die Nacht mild und ich habe nix verloren. Außer vielleicht meine Freundin.

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