Natsukashiness

Natsukashii ist ein ziemlich japanisches Wort, beschreibt es doch ein Gefühl von Sehnsucht, das mit positiven oder auch bittersüßen Erinnerungen gefüttert sein, wobei ein Schuss Melancholie auch mal mitschwingen darf. Das ist zumindest mal meine eigenwillige Definition dieses Wortes. Das Gefühl hatte ich beispielsweise beim Empfang des DAAD, wo es schön Graubrot und Würstchen gab. Viel mehr hatte ich es aber jetzt dieses Gefühl von Natsukashiiness, als ein ganzer Schwall Erinnerungen mich zu überfluten begann. Leos kurze Mitteilung, dass Saya in Berlin sei und dort studiere, ließ mich auf eine Reise ins Jahr 2005 gehen. Eine Zeit, in der vielleicht mein Wunsch Japanisch zu studieren durch zwei Kinobesuche überhaupt erst entstand. Doch wer war eigentlich Saya?Für die Düsseldorfer und Japanexilanten ist diese Person sicherlich nicht bekannt. Fällt die Begegnung mit Saya doch in die 12. Klasse, in der ich durch Musik ein wenig Interesse an der japanischen Sprache entwickelte und mir in Folge dessen einen Selbstlernerkurs besorgte, in dem ich aber nur bis zur 2 Lektion kam, aber dafür die Uhrzeiten fehlerfrei aufsagen konnte. 😉 Saya kam aus Japan genau zu dieser Zeit und entgegen der Erwartungen der Leute, die mich jetzt vielleicht kennen, habe ich mich nicht direkt auf sie gestürzt, sondern es hat durchaus eine verdammt lange Zeit gedauert bis ich überhaupt ein wenig mehr mit ihr zu tun bekam. Sie fragte irgendwann (da war ihr Aufenthalt schon fast zu Ende), ob ich ihr eine CD mal ausleihen könnte, daraufhin hat sie mir den Liedtitel übersetzt, was danach kein anderer Japaner mehr wirklich geschafft hat. 😉 Kurz vor Ende ihres Aufenthalts als ihr Deutsch halbwegs verständlich geworden war, hab ich sie dann zwei Mal auf was zu Essen und Kino in Paderborn eingeladen als Gegenwert für die CDs, die ich noch aus Japan von ihr wollte. Ab und zu warf ich mal ein paar japanische Worte herein und sah wie sie sich freute, vielleicht war es der Moment des zweiten Kinofilms, in dem ihr kleiner schwerer Kopf so ungebremst auf meine Schulter fiel, in dem ein ganz realer Anstoß für mein Japanisch-Studium gegeben wurde. Die Stunde, die sie damals auf meiner Schulter verweilte und in der dieser langsame Film vor sich hinschwebte, wollte fast nicht vergehen und ich erinnere mich jetzt noch an diesen Moment als wäre es ein Schlüsselerlebnis meines Lebens gewesen. Ich ließ sie auf der Rückfahrt ein bisschen das Auto lenken und eigentlich wollte ich nicht, dass dieser Abend so schnell vorbeigeht, doch ein paar Tage später war sie schon in Japan. Das Letzte, was ich von ihr bekam, war ein Päckchen mit zwei japanischen CDs für die ich mich aber nie bedanken konnte. Es gibt im Nachhinein eigentlich viel mehr, für das ich mich bedanken muss. Wäre ich ohne diesen schweren kleinen Kopf auf meiner Schulter jemals in Okinawa angekommen?

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