Der Spiegel

Die Sachen in meinem Schrank wirken so einsam. Ich weiss nicht genau wieso, aber es scheint, als würden sie jede Nacht weinen. Jeden Tag hänge ich sie draußen auf. Der warme Wind trocknet ihre Tränen, aber nachts hör ich aus meinem Schrank immer wieder ihr Schluchzen. Dennoch weckt es mich nicht, weil ich selber nicht die Augen schließe. Also sitze ich nachts da und tröste die durchnässten Sachen. Vielleicht wäre es einfacher sie einfach in den Trockner zu tun, aber ein Trockner kann nicht trösten. Ein Trockner kann Tränen trocknen, aber er versiegelt nicht die Quelle. Meine Sachen vermissen es gestapelt neben deinen Sachen zu liegen.

Wenn es nicht so wäre, würde meine Zahnbürste nicht so einsam dreinblicken, wenn ich sie morgens in die Hand nehme. Neben ihr ist bereits eine neue Zahnbürste, aber deine Zahnbürste scheint wohl etwas Besonderes gewesen zu sein. Mit der fremden Zahnbürste ist sie vielleicht nicht alleine, aber die Definition von Einsamkeit geht über das Alleinsein weit hinaus. Dinge sind nicht einfach nur Materie, sie sind das, was wir ihnen an Bedeutung zuschreiben, insofern ist die Welt, bist du, ist die fremde Zahnbürste viel mehr als ein Stück Materie. Ich will mir das nicht eingestehen, aber wenn ich morgens in den Spiegel sehe, sehe ich dich, obwohl oder gerade weil du nicht da bist. Dabei spiegelt ein Spiegel doch nur die materielle Welt ab. Aber in meiner Welt erscheinst du im Spiegel und legst deine Arme um meine Schulter. In meiner Welt tröste ich leblose Dinge, aber eigentlich tröste ich mich selbst. Auch meine Sachen sind nur Dinge, die etwas reflektieren, was Bedeutung trägt. Alles ist irgendwo ein Spiegel.

Längst verloren – Revolverheld

Ich spiele Roulette mit meinem Herz
Ich setze auf Rot doch es kommt Schwarz
Ich steck mir tausend neue Ziele
Von denen ich niemals eins erreiche
Und alles tut nur weh

Als wär mein Leben aus Papier…
Ich hab dich längst verloren
In meinen Spiegelbild
Seh ich zuviel von dir jeden Tag
Ich hab dich längst verloren
In meinen Spiegelbild
Sind meine Augen nicht von mir
Denn jeder Tag gehört nur dir…

Seh all deine Fehler jetzt in mir
Was ich früher gehasst hab
Fehlt mir jetzt an dir
Räum deine Sachen in den Schrank
Nehm deine Bilder von der Wand
Streich dich aus meinen Leben

Als hätte ich dich nie gekannt
Ich hab dich längst verloren
In meinen Spiegelbild
Seh ich zuviel von dir jeden Tag
Ich hab dich längst verloren
In meinen Spiegelbild
Sind meine Augen nicht von mir
Denn jeder Tag gehört nur dir…

Hab unser Tagebuch zerissen
Und werde nichts davon vermissen
Hab’s weggeschmissen und verbrannt
Und jetzt fang ich von vorne an

Ich hab dich längst verloren
In meinen Spiegelbild
Seh ich zuviel von dir jeden
Ich hab dich längst verloren
In meinen Spiegelbild
Sind meine Augen nicht von mir
Denn jeder Tag gehört nur dir…

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Eine Antwort to “Der Spiegel”

  1. sunny11178 Says:

    Wunderschön und so traurig… Wie kann etwas zu Ende gehen, das solche Bilder weckt…

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