Leistung muss sich lohnen!

Leckt mich! Überall im politischen wie auch gesellschaftlichen Diskurs ist immer wieder von Leistung die Rede, dabei hat der Terminus nur positive Konnotationen, eine einzige Ausnahme stellt wohl der Begriff Leistungsgesellschaft dar. Ein Begriff, der mit sozialer Kälte eingeht, in der in sozialdarwinistischer Manier, die (Leistungs-)Starken über die Schwachen siegen und das Sagen haben. Dieser Begriff wird grötenteils vermieden, wahrscheinlich weil sich der soziale Terminus „Gesellschaft“ mit dem Begriff „Leistung“ beißt. Eine Gesellschaft ist schließlich nicht dazu da die Schwachen auszugrenzen. Soziales Miteinander von Menschen zeichnet sich immer dadurch aus, dass die Kranken und Schwachen von den „Leistungsträgern“ mitversorgt werden. Dass man Kranke und Alte nicht einfach ihrem Schicksal überlasst und sie sterben lässt, ist vielleicht der Meilenstein in der Sozialgeschichte des Menschen. Der Moment, in dem der Mensch vom Tier zum sozialen Tier wird.

„Leistung muss sich wieder lohnen“ plakatierte die FDP vor dem Bundestagswahlkampf. Dieser Slogan ist nicht weniger als eine Verherrlichung der Leistungsgesellschaft und eine Ausgrenzung aller sozial bzw. leistungsschwachen Mitglieder dieser Gesellschaft. Die Neoliberalisierung der Gesellschaft ist weiter fortgeschritten als man es denken mag. Selbst menschliches Können wird in Zahlen abgedruckt. Das Gehalt bestimmt den Status. Man wird eher für seine Luxuswohnung in Shanghai bewundert, als wenn man ein Jahr durch China getrampt wäre. Der Mittelstand wird dann so gerne als Leistungsträger der Gesellschaft benannt, als Stütze der Gesellschaft, die man entlasten müsste. Aber wenn man diese Stütze entlastet, muss man dann nicht die Last auf eine neue Stütze verteilen? Vor lauter Entlastungen wird gar nicht klar, dass die sogenannten Leistungsträger vielleicht die Glücklichsten in der Gesellschaft sind. Diese werden entlastet, aber das Prinzip der Gesellschaft wird ausgehöhlt. Immer mehr Leistung und immer weniger Gesellschaft. Jeder ist sich selbst der Nächste. So wird immer diskutiert, wo man Geld sparen könnte. Solidaritätsbeitrag streichen? Der Osten ist doch sowieso besser ausgebaut als der Westen! Arbeitslosengeld kürzen? Wer nicht arbeiten will, hat kein Recht anderen das Geld abzuschöpfen. Vielleicht ist Leistungsgesellschaft so ein häßliches Wort, weil es die Menschen daran erinnert wie durchliberalisiert ihr Leben geworden ist. Was keinen Profit abwirft, hat keinen Wert.

Wozu das führt, sieht man in extremer Weise am Selbstmord Robert Enkes. Leistungsdruck führt zu Versagensängsten. Matussek sagt „Man muss trauern über eine Leistungsgesellschaft in der Firmen und staatliche Behörden in Krankenakten rumschnüffeln, um Schwachstellen zu finden. Es ist eine Scheißgesellschaft.“ Es ist wirklich eine Scheißgesellschaft, in der die liebsten Worte „Konkurrenzfähigkeit“, „Leistungsvermögen“ und „Wohlstandserhalt“ sind. Im Zusammenhang mit Globalisierung fallen diese Worte regelmäßig. Globalisierung als das Gespenst, das uns unser Liebstes, unser Geld, nehmen will. Hat Geld uns glücklich gemacht? Deutschland ist laut einer Studie, das zweitunzufriedenste Volk der Welt. Was macht dann ein glückliches Leben aus? Diese Frage zu diskutieren ist in der Leistungsgesellschaft obsolet geworden. Einen tieferen Sinn als Erfolg, Geld und Wohlstand scheint es nicht mehr zu geben. Es ist eine Scheißgesellschaft und manchmal kann ich verstehen, wieso sich andere Völker gegen diesen westlichen Lebensstil auflehnen und ihn nicht akzeptieren. Scheinbar waren wir nur zu dumm nicht unsere Stimme zu erheben.

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Eine Antwort to “Leistung muss sich lohnen!”

  1. Leander Says:

    „Deutschland ist laut einer Studie, das zweitunzufriedenste Volk der Welt. Was macht dann ein glückliches Leben aus?“
    -Ich würd gerne deine Quelle lesen.

    Wenn du die Leute fragen würdest warum sie unzufrieden sind würden wahrscheinlich auch die meisten über mangelnde finanzielle Mittel klagen. Das Problem liegt wohl wahrscheinlich in der Erziehung, die schon früh vermittelt dass der Preis den Wert bestimmt. So weigerte sich vor kurzem jemand freie Software zu nutzen, weil die Person tatsächlich der Meinung war dass etwas dass man nicht bezahlten müsste auch nicht gut sein könnte.

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