Weihnachten und Fukuoka-Reise

Mein Weihnachten war eher durchwachsen, auch wenn ich ne Stereoanlage zum Musik hören und nen schön dicken Futon bekommen hab. Am ersten Weihnachtstag lag ich mit 39 Grad Fieber und absolut bewegungsunfähig im Bett, schlürfte Medizin und verbrachte Weihnachten wirklich durchgängig im Bett. Hatte an dem Tag eigentlich Uni und musste nen Referat halten und meine Rede für den Redewettbewerb vorstellen. Dazu war ich aber absolut nicht fähig, zumal ich am zweiten Weihnachtstag meine Reise nach Fukuoka antreten wollte und musste. Nachdem mich meine hiesige Sprachpartnerin freundlicherweise zum Flughafen brachte und ich so gut 25 Euro Taxi sparen konnte (mit 15 Kilo Gepäck läuft man ungern im Regen 20 Minuten zur nächsten Bushaltestelle), ging dann auch mein Flieger ins verflucht kalte Fukuoka. Nicht, dass Fukuoka an sich ein kalter Ort wäre. Fukuoka ist im südlichen Japan gelegen und eigentlich von Okinawa aus, der nächstgelegene japanische Flughafen. Hätte natürlich auch woanders hinfliegen können, aber da ich ne Bekannte in Fukuoka habe, die mich dann auch die 10 Tage durchgängig rumführte, war es eine äußerst naheliegende Entscheidung nach Fukuoka zu fliegen. Ohne Laptop, also 10 Tage ohne Internet einfach mal ausspannen. Hab dort dennoch ziemlich viel Geld verbrannt, sodass ich diesen Monat ein wenig sparen werde. Aber zu Fukuoka…

Eine Stadt mit beeindruckend vielen hohen Gebäuden, ziemlich prächtige Skyline muss man echt sagen. Am ersten Tag ging es dann auch in den Fukuoka Tower, von dem man die ganze Stadt bewundern konnte. Im Vergleich zum Düsseldorfer Fernsehturm war der Ausblick dann leider doch nicht so beeindruckend. Fukuoka ist halt aus der Ameisenperspektive beeindruckender als aus der Vogelperspektive. Abgesehen vom Fukuoka Tower ist Fukuoka bekannt für die sogenannten yatai, kleine Fressbuden, die mitten am Rand des Bürgersteigs stehen und in denen man unentwegt mit dem Besitzer und den anderen Gästen reden muss oder darf. Sehr kuschlige Atmosphäre.

Sonst hat Fukuoka eine Fülle an Bars und Amüsiermeilen zu bieten, wie irgendwie jede größere Stadt in Japan. Absolute Empfehlungen sind hier Tenjin und Canal City. In Tenjin war ich zum Beispiel beim Bowling oder in einer Sportbar. Canal City dagegen ist vielleicht eher was für die Kaufwütigen, das große Einkaufszentrum dort wurde dann gleich auch für einen Kinobesuch missbraucht. Wieso es Canal City heißt, hat man ob der Kanäle dann auch ziemlich schnell begriffen.

Natürlich war ein Besuch im Schrein, dann auch obgligatorisch, wenn man schon an Neujahr in Japan ist. Also bin ich auch direkt zwei Mal gegangen, wobei ich nur Fotos von dem zweiten Tempel habe, der mitten in Fukuoka lag und ziemlich klein war. Ein wenig komisch war die japanische Flagge, die dort hing, Yasukuni-Assoziationen werden da wach, aber besser net fragen. Ich hab ja auch für mich gebetet und net für irgendwelche Kriegsverbrecher. Die Tage, an denen meine Bekanntschaft ihren Job hatte, verbrachte ich größtenteils bei Starbucks und lernte schon mal die Grammatik für den JLPT 2-Test. Jesus, damit ich den bestehe, brauche ich echt göttlichen Beistand, daher hab ich mir auch direkt nen Talisman für gutes Lernen im Tempel besorgt. Die Leute im Tempel müssen ja auch von was leben.

Als Letztes ging es dann noch in das Kyushu-Nationalmuseum, wo eine Ausstellung über die Kulturgüter der Zen-Tempel auf Kyushu und Okinawa plus einer Ausstellung zu internationalen Einflüssen in Japan, während der Prä-Moderne. Alles ziemlich interessant und das Gebäude war ziemlich beeindruckend, nur durfte man leider drinnen keine Fotos machen.

Alles in allem eine sehr vergnügliche Reise, wobei ich die Erfahrung machen durfte, dass man als einsamer Ausländer wohl am einfachsten im Starbucks Leute kennenlernen kann. In der kurzen Zeit waren es immerhin zwei Leute, die mich dort angesprochen haben. Die eine Japanerin hätte ich aber netter behandeln können, dann hätte ich vielleicht noch mit der weggehen können… naja, man kann auch nicht alles haben auf so einer kurzen Reise. Die 10 Tage haben mich um so gut 700 Euro gebracht. Nächste Reise wird auf jeden Fall billiger…

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5 Antworten to “Weihnachten und Fukuoka-Reise”

  1. Patrick Says:

    Adam konvertiert zum Shintoismus 😉 Kriegt man von Weihnachten bei euch überhaupt was mit ? Oder besucht man aufgrund der Wintersonnenwende die Schreine ? Ansonsten sehr interessant, lass uns nicht so lange im Stich, wir brauchen konstante Infos 😉

  2. Leander Says:

    Armer Adam muss an Weihnachten im Bett liegen und zur Uni. Aber wenigstens hast du ja anscheinend ne Menge vom Land gesehen, das ist ja schonmal was. Und wenn du meinst in Fukuoka wäre es kalt: Hier ist grade ca. -10°C und es liegen 20cm Schnee^^

  3. adulto Says:

    Weihnachten ist einfach nur Pärchenfest, mehr nicht. Silvester ist gespenstisch still, weil es kein privates Feuerwerk geben darf. Das war schon irgendwie ne komische Erfahrung. Ab jetzt melde ich mich mal wieder öfter auf dem Blog. 😉

  4. Patrick Says:

    „Mein Weihnachten war eher durchwachsen, auch wenn ich ne Stereoanlage zum Musik hören und nen schön dicken Futon bekommen hab. “

    Sind die normalen Futon nicht schweinedünn und man pennt quasi direkt auf nacktem Boden, was für jeden verwöhnten Westeuropäer der Gipfel an Unkomfort darstellen würde ? Aber wenn du bis jetzt auf so´nem Dingen genächtigt hast, Respect.

  5. adulto Says:

    Das Ding nennt man auch Futon, aber der Futon, den ich hier habe, ist eigentlich nur ne furchtbar dicke Decke. 😉

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