Amerikanische Militärbasen auf Okinawa – Das Futenma-Dilemma

Verfolgt man in Japan und insbesondere in Okinawa die Zeitungen und Fernsehnachrichten so vergeht kein Tag, an dem nicht über den 2006 beschlossenen Vertrag zwischen Amerika und Japan geredet wird, in dem es darum ging die amerikanischen Marines von ihrer Basis Futenma ins weiter nördlich gelegene Camp Schwab zu verlagern. Sucht man deutsche Quellen hierfür wird einem schnell deutlich, dass es kaum aktuelle Quellen gibt, obgleich die Diskussion in Japan sehr intensiv geführt wird.

Okinawas relativ begrenzte Fläche wird zu über einem Fünftel von amerikanischen Militärbasen belegt. Wirtschaftlich erbringen diese großen Flächen allerdings nur 5 % von Okinawas gesamter Wirtschaftsleistung. Dementsprechend ist der Widerstand in Okinawa gegen die Basen extrem groß. Lokalpolitiker werden (wie es die letzte Wahl des Bürgermeisters von Nago im Norden von Okinawa zeigte) nicht gewählt, wenn sie eine abwartende oder sogar befürwortende Haltung zum Militär in Okinawa haben. Seit dem Regierungswechsel in Japan im letzten Jahr, bei dem die ewige Regierung der LDP durch die DPJ durchbrochen wurde, macht insbesondere die eigentlich unbedeutende Sozialdemokratische Partei Japans Druck auf die DPJ die amerikanischen Truppen endgültig aus Okinawa rauszuwerfen. Der Vertrag von 2006 besagte lediglich, dass 8000 Marines auf die Militärbasis in Guam verlegt werden. Zugleich soll die Basis in Futenma (ganz in der Nähe des stark besiedelten Mittelteils der Hauptinsel Okinawa) aufgelöst und in den Norden ins Camp Schwab verlegt werden. Problematisch hierbei ist, dass dabei eine Aufschüttung der Korallenriffe, die unter Naturschutz stehen, zu befürchten ist, weil man zwecks neuer Kapazitäten neue Landebahnen in Camp Schwab errichten will. Absurderweise bezahlt die japanische (!) Regierung den Ausbau der Militärbasen in Guam, um die 8000 Marines los zu werden. Zusätzlich bezahlt die japanische Regierung die Pacht für die Militärgelände, die nach dem Zweiten Weltkrieg eher unfreiwillig und unter starkem militärischen Druck von der Bevölkerung abgetrotzt wurden.

Die Angst vor Nordkorea und China ist die Rechtfertigung für die Truppenpräsenz der Amerikaner. Eine Rechtfertigung für die einseitige Belastung Okinawas ist dies allerdings nicht. Das Demokratieexport liebende Amerika ignoriert die große Front der Basengegner. Liest man deutsche Artikel zu dem Thema fällt der linke und pazifistisch glorifizierende Ton der Artikel auf, der allerdings nicht viel mit der Realität zu tun hat. Die Basen sind ungeliebt, weil sie das alltägliche Leben belasten und nicht in erster Linie weil die Bevölkerung Okinawas so pazifistisch und friedensliebend ist. Futenma befindet sich mitten in der Stadt Ginowan. 2003 hat sich der damalige Verteidigungsminister Rumsfeld noch darüber gewundert, dass es noch zu keinem größeren Unfall gekommen sei. 2005 aber passierte das fast Unvermeidbare und ein amerikanischer Helikopter stürzte auf dem Gelände der Kokusai Daigaku (Internationale Universität von Okinawa) ab. An dem Tag war frei, weshalb eine große Katastrophe ausblieb, der Vorfall zeigte aber auf unter welchen Bedingungen die Menschen in Ginowan leiden. Wegen des Flugverkehrs ist Unterricht an der Kokudai nur eingeschränkt möglich und Flugzeuge fliegen teilweise unerlaubt tief über die Köpfe der Einwohner hinweg. Die strengen Flugvorschriften für amerikanisches Militär in Japan werden in Okinawa reihenweise ausser Kraft gesetzt und übergangen.

Premierminister Hatoyama wird gerade an seiner Haltung zu Futenma und der Verlegung der US-Basen gemessen. Amerika reagiert verwirrt auf ein außenpolitisch selbstbewusster auftretendes Japan, das sich erstmals für die Belange der Bevölkerung Okinawas einsetzt. Druck hat Hatoyama von der Sozialdemokratischen Partei ohne deren Stimmen seine Mehrheit im Parlament flöten gehen würde. Die kleine Fraktion der Sozialdemokraten übt also einen gewaltigen Druck aus, was auch mit parteipolitischen Interessen zusammenhängt. Bald sind wieder Wahlen und da profiliert man sich schnell beim Wähler, wenn man so energisch für den Abzug amerikanischer Truppen aus Okinawa eintritt. Für Hatoyama bleibt nur die Flucht nach vorne, was sicherlich keine schlechte Sache ist, weil er sich erstmals wirklich für die Interessen des Landes einsetzt. Die Verteidigung Japans war so sehr zum Interesse der Bevölkerung hochgebauscht worden, dass das alltägliche Leid unter den amerikanischen Militärbasen und das wirkliche Interesse der Bevölkerung ausgeblendet wurden. Ein Zyniker würde jetzt sagen: Wenn Nordkorea eine Atombombe auf Okinawa werfen würde, wären die Jahre unter amerikanischem Fluglärm und die unzähligen Vorfälle und Verbrechen amerikanischer Soldaten für die Katz gewesen (3000 Verkehrsunfälle im Jahr werden durch amerikanisches Militär in Okinawa verursacht). Aber ich bin ja kein Zyniker.

Nur zur Information einige linke Artikel, die man aber bezüglich der politischen Kommentare nicht für bare Münze nehmen muss/sollte.

Protest stärkt Opposition gegen den Futenma-Plan

Fragen und Antworten zu Futenma

Andere Quellen:

Japan Times: Futenma can wait till May

Okinawa Times: 岡田氏「普天間」継続も 移設先検討 選択肢なくばと言及

Ryukyu Shimpo: 普天間移設 受け入れ前向き発言は「雑談」 山梨県知事が認識

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s


%d Bloggern gefällt das: