Tokyo-Reise

Verrückt. Eigentlich dachte ich net dran nochmal nen Kurztrip nach Tokyo zu starten, aber da eine koreanische Freundin mir ein Zimmer zur Verfügung stellte, war ich dann doch bereit eine kleine Reise zu unternehmen. Schließlich gab es außer Flugkosten und Verpflegung nicht mehr wirklich was groß zu besorgen. Da eben besagte Korea-Tante aber ein verdammter Stubenhocker und dazu noch ziemlich beschäftigt mit Arbeit war, musste ich mir jemanden suchen, der mich ein wenig durch Tokyo führen könnte. Also mal einschlägige Japan-Rest der Welt-Austauschseiten abgeklappert und dann doch eine Nachricht von einem Mädel aus Tokyo gekriegt, die selber Deutsch lernt, ziemlich gut Englisch kann und mich liebend gerne durch Tokyo führen würde. Da sag ich natürlich nicht nein. Nach zwei Tagen der Treffen stellte sich heraus, dass sie von der besten Uni Japans ist und Tiermedizin studiert. Hinzu kam, dass die Gute noch ziemlich süß und gut erzogen war. Da lässt man sich ja nicht lange bitten als Mann. Vorsicht war dennoch geboten. Mit der Tür ins Haus fallen wie bei einer ganz normalen Durchschnittsjapanerin war da nicht. Eigentlich war ich auch nicht wirklich aus was aus und wenn dann müsste es schon das volle Programm sein. Entweder ganz oder gar nicht. Nach einer Weile des Dauer-Datens inklusive eines Besuches in Disneyland (wo ich sicher nicht für jede Frau hingegangen wäre!), wo sich zufällig unsere Lippen trafen, stand der letzte Abend bevor.

Wenn eine Frau eine so allgemeine Aussage trifft wie: „Ich weiss gar nicht, was du denkst.“ darf sich Mann nicht denken „Ah, ist die blöd.“ sondern muss blitzschnell die Situation erfassen und ein Gespräch über den zukünftigen Zustand dieser Beziehung beginnen. Dabei erfolgte eine haarscharfe Analyse der Situation: „Du Tokyo, ich Okinawa. Später: Du Japan, ich Deutschland.“ Fehlte wahrscheinlich noch „Ich Idiot, du wohlhabende Tochter aus gutem Hause mit exzellenter Bildung.“ Nun war es nicht mehr nötig die Schwierigkeiten dieser Beziehung expliziter zu nennen. Die Gute hat schon gecheckt, welche Probleme so etwas mit sich bringt. Ihrerseits folgte dann das Angebot: „Mai in Okinawa, September in Deutschland. Danach jede Semesterferien in Deutschland, falls du deine Wohnung bereitstellst.“ Na, da lässt man sich als Mann doch sicher nicht dreißig Mal bitten, mehr kann man schließlich nicht fordern. Also klargemacht. Muss mich leider nur mit perversen Witzen und Tabak zurückhalten. Die Dinge mag die Kleine nämlich nicht, aber das sind auch nur kleine Opfer.

Dann war da diese unsägliche Nacht nach meinem Date in Disneyland. Gegen 7 Uhr abends kam ne Mail aus Klein-Korea: „Du kannst heute nicht bei mir pennen. Ne Freundin ist von zu Hause weg und bleibt.“ Also direkt die anderen Studenten aus Okinawa angeschrieben, die zu der Zeit auch in Tokyo waren, damit sie mich ins Hotel einschleusen können. Potenziell gar kein Problem, doch kaum steig ich in die Bahn, ist mein Handy kaputt. Ich kann mich also nicht mehr melden. Ich dachte echt, dass ich träume. Bin dann also doch in Richtung Koreanerin gefahren, weil ich aber weder Bargeld noch viel Geld auf meiner Suica (Bahnfahrkarte für Tokyo) hatte, wollte ich mit meiner Kreditkarte in ein Hotel. Das Handy funktionierte erst dann wieder, als in Richtung der anderen Austauschstudenten aus Okinawa keine Bahn mehr fuhr. Als das Hotel dann noch voll war, war ich endgültig zum Obdachlosen geworden. Weil es zu dieser Zeit nachts aber in Tokyo an die Null Grad waren, musste ich mir einen Ort suchen, der warm und bequem war. Rein in die nächste Karaoke-Bar und von 2 bis 5 Uhr rumgepennt. Man konnte Gott sei Dank mit Kreditkarte bezahlen. Danach war es immer noch schweinekalt und wirklich schlafen konnte ich auch nicht. Also in die Bahn gesetzt und da man in Tokyo nur bezahlt, wo man aussteigt und nicht wie man rumfährt, saß ich gute 5 Stunden in Bahnen und habe durchgeschlafen, bis ich dann endlich in das koreanische Heim zurück konnte, wo mir weniger Mitleid als Spott entgegenkam. Eine Nacht als Obdachloser und man weiss, wie wichtig eine gute Ausbildung und eine Arbeit sein können. Besonders wenn’s so schweinekalt ist. 😉

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5 Antworten to “Tokyo-Reise”

  1. Leander Says:

    Adam, Adam, aber wenn sie dir das Rauchen abgewöhnt hat das doch auch was für sich^^
    Im Zug schlafen könnte man in europäischen Städten wahrscheinlich knicken, weil man vermutlich ohne Wertsachen wieder aufwacht. Aber immerhin hast du was erlebt.

  2. Leander Says:

    Mir, fällt grade auf: September in Deutschland?
    Heißt das du kommst früher als erwartet wieder, bzw. du kommst überhaupt nochmal wieder. Damit hab ich ja fast nicht mehr gerechnet…

  3. M. Says:

    Noch nie was von Manga-Kissa gehört, Adam? ; P

  4. adulto Says:

    Manga-Kissa nimmt keine Kreditkarte. 😉 Zumindest nicht in Kita-Urawa, dem verlassensten Ort der Welt. 😉

  5. Maikeru Says:

    äääääääähm penis?!…

    nein es hat nichts zu bedeuten.. es ist nur ein ausdruck von:,, keine ahnung was man sagen soll, also benutz ich penis als wort dafür“. Danke! xD

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